In einer neuen Studie, geleitet von Dr. Kevin Tiede vom Institute for Planetary Health Behaviour der Universität Erfurt, wird das Klimaschutzverhalten einer breiten Öffentlichkeit genauer unter die Lupe genommen. Über 5.000 Teilnehmende aus Deutschland und den USA wurden dafür in fünf verschiedenen Studien befragt. Ein zentrales Ergebnis dieser Untersuchung ist die Diskrepanz zwischen der weit verbreiteten Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen und dem Fehlverständnis, das die Menschen über das Engagement ihrer Mitmenschen haben.

Die Mehrheit der Befragten ist für Klimaschutzmaßnahmen, doch viele glauben, dass andere weniger bereit sind, aktiv zu werden. Diese Fehleinschätzung wird als „pluralistische Ignoranz“ bezeichnet und bewirkt, dass Individuen sich weniger motiviert fühlen, selbst zu handeln. Laut der Studie kann eine Korrektur dieser Fehlwahrnehmung nicht unbeingt dazu führen, dass mehr Menschen bereit sind, Geld für Klimaschutz zu spenden. Vielmehr müsse an den praktischen Hürden, dem Wissen über wirksame Maßnahmen sowie den politischen Rahmenbedingungen gearbeitet werden, um echtes Handeln zu fördern.

Psychologische Mechanismen und öffentliche Debatte

Das Phänomen, dass viele Menschen ihre eigene Bereitschaft zur Unterstützung von Klimaschutz unterschätzen, ist nicht neu. Laut Klimafakten zeigt eine internationale Umfrage mit mehr als 130.000 Befragten aus 125 Ländern, dass 89% stärkere Klimaschutzmaßnahmen unterstützen. Interessanterweise wären 69% bereit, ein Prozent ihres Einkommens für den Klimaschutz zu spenden. Dies steht jedoch in krassem Widerspruch zu den wenigen sichtbaren Fortschritten in der Klimapolitik. Psychologische Faktoren wie die „Value-Action Gap“, die besagt, dass Menschen oft nicht aus der Zustimmung zu Klimaschutzmaßnahmen Taten ableiten, sind hier mitverantwortlich.

Der Kontext wird durch aktuelle soziale Themen wie die Pandemie, Kriege und Inflation weiter kompliziert, die von einem klimapolitischen Handeln ablenken. Zusätzlich gibt es eine Gegenbewegung, die von rechten Strömungen unterstützt wird, die den Klimaschutz aktiv in Frage stellen.

Erforderliche Veränderungen für effektiven Klimaschutz

Obwohl eine große Zahl von Menschen Klimaschutz als ernstes Problem sieht, glauben viele, dass ihr individuelles Verhalten nur geringen Einfluss hat. Dr. Karen Hamann, Umweltpsychologin von der Universität Leipzig, ergänzt, dass es wichtig sei, resilientere Bewegungen zu entwickeln und Strategien auszuprobieren, um die Motivation der Bürger:innen aufrecht zu erhalten. Die politischen Rahmenbedingungen müssen verbessert werden, um Bürgermeinungen tatsächlich in klimapolitische Entscheidungen umzusetzen.

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Die gegenwärtige politische Landschaft, in der die Zielsetzungen der Klimaneutralität oft hinter wirtschaftlichen Interessen zurücktreten, erfordert institutionelle Reformen. Maßnahmen sollten mit sozialer Umverteilung kombiniert werden, um den breiten Rückhalt zu sichern, den es für ambitionierte Klimaschutzpolitiken braucht. FR analysiert, dass das Beharren auf ein einheitliches politisches Bild entscheidend ist, um eine robustere Klimabewegung zu kultivieren, die nicht nur durch Demonstrationen, sondern auch durch lokale Initiativen sichtbar wird.

Insgesamt zeigt diese Studie, dass die Unterstützung für Klimaschutz nicht das Problem ist, sondern dass strukturelle politische Hürden überwunden werden müssen, um diese Unterstützung in verbindliche Maßnahmen zu übersetzen. Die Herausforderung liegt weniger im Mangel an Zustimmung, sondern vielmehr darin, dass Menschen nicht erkennen, wie stark ihre Mitbürger:innen bereits hinter den Maßnahmen stehen.