Professor Dr. Andreas Goldthau von der Universität Erfurt hat großes Interesse an der Energieversorgungssicherheit und ist nun Teil der ESYS-Initiative, die darauf abzielt, wichtige Herausforderungen in diesem Bereich zu analysieren. Diese Initiative bringt Wissenschaftler*innen unterschiedlichster Disziplinen zusammen, um wissenschaftsbasierte Empfehlungen zu entwickeln. Der Fokus der interdisziplinären Arbeitsgruppe „Resilienz“, in der Goldthau für drei Jahre aktiv sein wird, richtet sich auf die Resilienz der Energierohstoffversorgung und die Sicherstellung der Versorgung mit flüssigen Energieträgern sowie Einsatzstoffen für Industrie und Transport.

In Anbetracht der hohen Importabhängigkeit Deutschlands und Europas bei Energierohstoffen ist die Arbeit der ESYS-Initiative von zentraler Bedeutung. Die geopolitischen Risiken, die insbesondere durch die aktuellen Konflikte in der Ukraine und im Iran geschürt werden, machen deutlich, wie fragil die Energieversorgung in Deutschland ist. Experten erwarten außerdem, dass Europa auch in einer klimaneutralen Zukunft weiterhin auf den Import von Energieträgern setzen muss. Die Resilienz der Energieversorgung ist somit ein zentraler Punkt für ein sicheres und bezahlbares Energiesystem.

Globale Energiebeziehungen und deren Auswirkungen

Die globalen Energiebeziehungen haben sich in den letzten Jahren stark verändert. 2024 deckte Deutschland 68 % seines Energiebedarfs durch Importe und war dabei zu 99 % von Mineralöl und zu 94 % von Erdgas abhängig. Es ist bemerkenswert, dass Norwegen im Jahr 2025 als größter Gasimporteur Deutschlands hervortrat, während auch LNG (Flüssiggas) zunehmend ins Spiel kommt. Ein Beispiel dafür ist der norwegische LNG-Tanker Höegh Esperanza, der am LNG-Terminal Wilhelmshaven von Polizeibooten begleitet wurde. Solche Entwicklungen bieten eine schwimmende Plattform für das Anlanden und Dekomprimieren von LNG, erhöhen jedoch auch die geopolitischen Verwundbarkeiten und bringen höhere Preise mit sich.

Die hohen Energiekosten, angeheizt durch die Energiepreiskrise infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, haben in der deutschen Industrie zu Produktionsdrosselungen und Investitionszurückhaltung geführt. Im ersten Halbjahr 2023 lagen die Gaspreise um 52,5 % und die Strompreise um 26,2 % höher als im Vorjahr. Die Abhängigkeiten haben sich jedoch nicht nur bei fossilen Brennstoffen verlagert, sondern auch bei den Rohstoffen für erneuerbare Technologien, welcher zunehmend von China dominiert wird.

Impuls für die zukünftige Energiepolitik

In der deutschen Energiepolitik wird die Sicherheit der Energieversorgung als zentrales Ziel im Energiewirtschaftsgesetz betrachtet. Rund 80 % des Primärenergieverbrauchs stammen aus fossilen Energieträgern. Mit dem Streben nach Klimaneutralität bis 2045 wird allerdings eine signifikante Reduktion des Verbrauchs fossiler Brennstoffe angestrebt, während die Erneuerbaren Energien ausgebaut werden sollen. Die Bundesregierung hat allerede Maßnahmen ergriffen, um die Diversifizierung der Energieimporte voranzutreiben und einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden.

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Die Verschiebungen in den internationalen Märkten erforden eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Behörden und Wissenschaft. Um die Energieversorgung als stabil und resilient zu gewährleisten, ist ein vorausschauendes Risikomanagement notwendig. Die ESYS-Initiative, in der Professor Goldthau eine zentrale Rolle einnimmt, könnte eine wichtige Plattform für solche Ansätze sein, um auf die Herausforderungen der zukünftigen Energieversorgung besser vorbereitet zu sein. Um die Resilienz der Energieversorgung zu stärken, müssen umfassende Risikoanalysen und Stresstests auf nationaler und europäischer Ebene durchgeführt werden.

Mit diesen Anstrengungen wird Schritt für Schritt daran gearbeitet, die Energieversorgung in Deutschland für die Zukunft robuster zu gestalten und die Herausforderungen der Energiekrise zu meistern.