35 Jahre Europa-Universität: Lesung zum deutsch-polnischen Grenztraum
In einer Zeit, in der die deutsch-polnischen Beziehungen mehr denn je im Fokus stehen, findet am 15. Juli 2026 eine besondere Buchlesung an der Europa-Universität Viadrina statt. Dr. Krzysztof Wojciechowski, der langjährige Leiter des Collegium Polonicum, wird sein Buch „Traum Grenzuniversität“ präsentieren. Diese Veranstaltung hat nicht nur literarische Bedeutung, sondern markiert auch den 35. Jahrestag der Gründung der Europa-Universität, die am 15. Juli 1991 ins Leben gerufen wurde. Der Senatssaal der Viadrina, Große Scharrnstraße 59, Raum 109, wird zum Schauplatz dieser kulturellen Begegnung, die auch online im Livestream verfolgt werden kann. Wojciechowski wird Passagen aus seinem Buch vorlesen und mit Dr. Anja Hennig über die Veränderungen im deutsch-polnischen Grenzgebiet und die Herausforderungen internationaler Wissenschaftskooperationen diskutieren. Diese Lesung ist ein glänzendes Beispiel für die enge Vernetzung der beiden Nachbarn, die in den letzten Jahrzehnten viel erreicht haben, besonders nach der Wiedervereinigung.
Ein Blick zurück auf die Geschichte
In den frühen 1990er-Jahren waren die Grenzkontrollen zwischen Frankfurt (Oder) und Słubice äußerst strikt. Diese Situation führte zur Initiative, eine gemeinsame grenzüberschreitende deutsch-polnische Lehr- und Forschungseinrichtung zu gründen, die später als Collegium Polonicum bekannt wurde. Der Grundstein dafür wurde im Oktober 1992 gelegt, der Baubeginn folgte 1995 und die Eröffnung fand im Juni 1998 statt. Das erste akademische Jahr begann im Oktober desselben Jahres mit dem Ziel, einen Raum für Kooperation und Austausch zwischen beiden Ländern zu schaffen. Europa-Universität Viadrina berichtet, dass mittlerweile eine Vielzahl von Studierenden aus Deutschland und Polen die Fakultäten besuchen und von diesem grenzüberschreitenden Bildungsangebot profitieren.
Die Entwicklung des Collegium Polonicum zeigt sich auch in den Feiern zu bedeutenden Jubiläen. So wurde im Jahr 2021 das 30-jährige Bestehen mit zahlreichen Veranstaltungen gewürdigt, unter anderem einer Podiumsdiskussion und einer Ausstellung. Auch die Wiedereröffnung des großen Auditoriums, das 2018 durch einen Brand beschädigt wurde, war ein wichtiger Schritt in der jüngeren Vergangenheit. Diese Institution ist ein Symbol für die langanhaltende Partnerschaft und den Wissensaustausch zwischen Deutschland und Polen und hat erheblich zur kulturellen und wissenschaftlichen Annäherung beigetragen.
Die deutsch-polnischen Beziehungen heute
Die Partnerschaft zwischen Deutschland und Polen ist nicht nur akademisch, sondern erstreckt sich auch auf verschiedene gesellschaftliche und politische Ebenen. In Deutschland leben rund 840.000 polnische Staatsbürger, während insgesamt etwa 2,2 Millionen Menschen polnischer Herkunft hierzulande leben. Diese enge Verbindung zeigt sich nicht zuletzt in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, die seit über zwei Jahrzehnten floriert. Wie das Auswärtige Amt berichtet, ist Deutschland der wichtigste Handelspartner Polens, was die politischen und gesellschaftlichen Verflechtungen weiter stärkt.
Der bereits erwähnte Nachbarschaftsvertrag von 1991 legte den Grundstein für die gute Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Ländern, die von zahlreichen Institutionen und über 500 Städtepartnerschaften geprägt ist. Dies schafft einen fruchtbaren Boden für gemeinsame Projekte, wie etwa dem Deutsch-Polnischen Forschungsinstitut, das seit 2012 im Collegium Polonicum tätig ist.
Die kommende Buchlesung von Dr. Wojciechowski ist somit nicht nur eine literarische Veranstaltung, sondern auch ein Zeichen für den fortwährenden Dialog und die Kooperation, die, trotz aller Herausforderungen, weiter wachsen soll. Wer sich für den Verlauf der deutsch-polnischen Geschichte und den aktuellen Austausch interessiert, sollte diese Veranstaltung nicht verpassen.
