Uni Europa, 15. Oktober 2026 – Im Nationalpark Eifel stehen 60 Fotofallen, bislang sind rund 35.000 Aufnahmen zusammengekommen. Die Nationalparkverwaltung beteiligt sich damit an Snapshot Europe, einem europaweiten Netzwerk zur Erforschung von Säugetier- und Vogelbeständen. Untersucht wird auch, wie Tiere auf menschliche Einflüsse reagieren.

Mehr als 20 Länder machen mit. Snapshot Europe gilt als größte frei zugängliche Wildtiererhebung Europas. Die Daten aus der Eifel sollen mit europäischen Vergleichsdaten verbunden werden – unter anderem, um die Entwicklung der Populationen zu verfolgen und die Bedeutung des Nationalparks als Rückzugsort im Schutzgebietsnetz zu prüfen.

Einheitliche Kameras, viele Lebensräume

Gegründet wurde Snapshot Europe 2021 vom Max-Planck-Institut für Tierverhalten und dem Forschungsnetzwerk Euromammals. Nach Angaben des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie startete die Initiative gemeinsam mit Euromammals und Snapshot USA. Jedes Jahr installieren von Anfang September bis Ende Oktober mehr als 160 Fachleute und Hunderte Freiwillige die Fotofallen.

Die Kameras stehen nach einheitlichen Kriterien in Wildnisgebieten, Wäldern, Parks und Städten. Erfasst wird eine breite Palette: von kleinen Nagetieren bis zu Braunbären. Snapshot Europe sammelt standardisierte, frei zugängliche Daten zur Artenvielfalt und zur Verbreitung terrestrischer Säugetiere. Zugleich soll sichtbar werden, wie Arten auf Umwelt- und Klimaveränderungen reagieren und wie Forschung und Naturschutz besser zusammenarbeiten können.

Für die Teilnahme gelten ziemlich genaue Regeln. Pro Projekt sind sieben bis 40 Fotofallen an zehn bis 50 Standorten vorgesehen. Die Lebensräume können urban, suburban, ländlich oder wild sein; auch Agrarflächen, Wälder, Grasland und Feuchtgebiete kommen infrage. Die überwiegende Fläche des untersuchten Gebiets soll durch die gewählte Lebensraumkategorie repräsentiert werden.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Eine Kamera braucht einen Infrarotblitz, darf höchstens 0,5 Sekunden bis zur Auslösung benötigen und muss mindestens drei Bilder in schneller Folge aufnehmen können. Angebracht wird sie ungefähr 50 Zentimeter über dem Boden, mit nur geringfügigen Anpassungen an die Topografie. Zwischen zwei Standorten müssen mindestens 200 Meter liegen, zugleich darf kein Standort mehr als fünf Kilometer von einem anderen entfernt sein. Köder und Duftstoffe sind tabu. Steht eine Kamera an einem Weg oder Pfad, muss das vermerkt werden. Akzeptiert werden ausschließlich Bilder, keine Videos.

Vom Schnappschuss zur offenen Datenbasis

Jedes Projekt soll mindestens zehn Standorte und ungefähr 400 Kamerafallentage erreichen. Mehr als zehn Standorte sind sinnvoll, weil Kameras ausfallen können. Wer weniger als zehn Geräte besitzt, kann zunächst mindestens sechs Standorte beproben und die Kameras im ersten Monat an neue Stellen versetzen. Die Abstandsregeln gelten dann weiterhin. Raster, Transekte oder andere Anordnungen sind möglich, solange die Abstände eingehalten werden.

Grundsätzlich laufen die Aufnahmen vom 1. September bis 31. Oktober; zusätzlich gibt es jeweils einen zweiwöchigen Spielraum davor und danach. Jeder Standort muss mindestens drei Wochen überwacht werden. Im November und Dezember werden Bilder samt Metadaten auf Wildlife Insights hochgeladen, im Januar prüfen Fachleute die KI-Klassifikationen und korrigieren sie bei Bedarf. Ab Februar werden die Daten bereinigt, anschließend folgt die Veröffentlichung.

Ein bloßer CSV-Upload reicht nicht: Die Bilder müssen mit den zugehörigen Daten eingereicht werden. Eine integrierte künstliche Intelligenz schlägt zunächst Artenbestimmungen vor, Mitarbeitende und Partner kontrollieren sie danach. Erkennt das System Menschen, werden die entsprechenden Bilder nach Bestätigung der Klassifikation gelöscht und durch schwarze Platzhalter ersetzt. Die Information über die Anwesenheit bleibt aber im Datensatz – etwa mit Kennzeichnungen wie „Homo sapiens“, „Fußgänger“ oder „Kamerabetreuer“.

Die standardisierten Daten aus den Jahren 2021 und 2022 umfassen mehr als 100.000 Beobachtungen von über 1.000 Standorten in 20 Ländern. Am häufigsten tauchten Rothirsche und Rehe auf, danach Wildschweine, Rotfüchse und Wildkaninchen. Die Bilder stammen aus ganz unterschiedlichen Gegenden: aus Alpenlandschaften, von spanischen Stränden und aus irischen Hügeln.

Belgien meldete die höchste Dichte täglicher Beobachtungen, vor allem von Europäischen Kaninchen. Im italienischen Parco Nazionale Casentino wurden mit 15 dokumentierten Arten die meisten Arten nachgewiesen, darunter Wölfe, Marder, Dachse und Rothirsche. Der offene Datensatz macht außerdem gebietsfremde Arten sichtbar: Waschbären, ursprünglich aus Nordamerika, wurden in Deutschland, Italien und Tschechien registriert.

Die Teilnahme steht Forschenden, Naturschutzorganisationen, Studierenden, NGOs, Behörden und Bürgerforschungsgruppen offen. Wer Daten beiträgt, kann als Koautor oder Koautorin an einer wissenschaftlichen Datenpublikation beteiligt werden und erhält nach der ersten Datenbereinigung bevorzugten Zugang zu den Daten. Dazu kommen die Zusammenarbeit im europaweiten Forschungsnetzwerk sowie Möglichkeiten für groß angelegte Analysen und Publikationen.

Auch Dichte lässt sich messen

Die zusätzliche Dichtebestimmung ist freiwillig. Beim ersten Mal dauert die Kalibrierung etwa zehn bis 15 Minuten, später ungefähr fünf. Erforderlich sind mindestens zehn Standorte mit jeweils mindestens 200 Metern Abstand; weitere Standorte werden empfohlen. Kameras dürfen während der Saison versetzt werden, um mehr Stellen zu erfassen.

Für die Dichteanalyse sollten Standorte möglichst zufällig in Bezug auf Tierbewegungen gewählt werden. Wildwechsel, Wasserstellen oder Forststraßen sind gerade deshalb zu meiden, weil sie für Wildtiere besonders attraktiv sind. Wenn eine vollständig zufällige Auswahl nicht möglich ist, sollen die Orte wenigstens möglichst repräsentativ für das Untersuchungsgebiet sein. Eine Mindestreichweite der Auslösung gibt es nicht.

Kameras an besonderen Strukturen müssen in Wildlife Insights gekennzeichnet und trotzdem kalibriert werden; später können solche Aufnahmen aus Analysen entfernt werden. Eine nachträgliche Kalibrierung bei der Bergung der Geräte ist möglich. Wer dafür keine Zeit oder Ressourcen hat, kann trotzdem am Standardprogramm teilnehmen.

Seit 2023 können auch Daten des European Observatory of Wildlife zu Snapshot Europe beigetragen werden. Dafür müssen Teilnehmende das EOW-Protokoll befolgen, zwischen Mitte August und Mitte November mindestens 400 Kamerafallentage an zehn Standorten sammeln, die Bilder nach den EOW-Richtlinien in Agouti verarbeiten und hochladen sowie die Ergebnisse nach den Vorgaben des EOW-Teams teilen. Alternativ können EOW-Teilnehmende ihre Daten gezielt nach dem Snapshot-Europe-Protokoll erheben.

Von der Eifel bis zur globalen Ebene

Derzeit wertet das Forschungsteam die Daten aus den Jahren 2023 bis 2025 aus. Die jährliche Wiederholung soll langfristige Vergleiche zur Entwicklung europäischer Wildtierbestände ermöglichen. Snapshot Europe dient dabei als Vorbild für Snapshot Global, an dem unter anderem Japan, Brasilien, Chile und Paraguay beteiligt sind; beim Max-Planck-Institut werden außerdem die USA, Japan und Brasilien als Teile dieses Netzwerks genannt. Snapshot USA und Snapshot Europe arbeiten über Wildlife Insights mit mehreren hundert Partnern zusammen. OPTMix nahm 2022 an Snapshot Europe teil.

Euromammals wurde 2008 gegründet und fördert die Erforschung terrestrischer Säugetiere in Europa mit transparenten, offenen FAIR-Datenpraktiken. Die Initiative aus Europa steht damit nicht allein – aber sie liefert ein ziemlich dichtes Netz aus vergleichbaren Bildern, von der Eifel bis zu den Küsten und Gebirgen anderer Länder.

Wie groß der Aufwand solcher Vorhaben werden kann, zeigte bereits das erste bundesweite standardisierte Monitoring in zehn deutschen Großschutzgebieten. Von 2019 bis 2020 waren 643 Fotofallen im Einsatz. Untersucht wurden die Nationalparks Schwarzwald, Bayerischer Wald, Berchtesgaden, Eifel, Hainich, Harz, Hunsrück-Hochwald, Kellerwald-Edersee und Müritz sowie das Wildnisgebiet Königsbrücker Heide.

Die Forscherteams werteten mehr als 1,2 Millionen Bilder aus. Zu sehen waren unter anderem Rothirsche, Rehe, Wildschweine, Wölfe, Luchse und Rotfüchse. Künstliche Intelligenz half bei der Masse an Aufnahmen, seltene Arten wie Auerhuhn und Wildkatze wurden weiterhin manuell geprüft und zur Verbesserung des KI-Programms