EU-Staaten beraten über Freigabe von Dieselreserven unter US-Druck
Am heutigen Freitag, dem 2. Oktober 2026, beraten die EU-Mitgliedstaaten über die Freigabe zusätzlicher Dieselreserven. Ergebnisse lagen zunächst nicht vor. Im Raum steht ein französischer Vorschlag, wonach europäische Staaten 50 Millionen Barrel Diesel beziehungsweise Rohöl freigeben könnten – etwa die Hälfte dessen, was die US-Regierung verlangt.
Der Druck aus Washington ist erheblich. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump fordert, Dieselreserven rasch verfügbar zu machen, damit der weltweite Dieselpreis sinkt. US-Finanzminister Scott Bessent sagt, Landwirte, Lkw-Fahrer und Unternehmen in den USA dürften nicht allein die Folgen einer weltweiten Dieselknappheit tragen. Gerade in Agrarstaaten verteuern die hohen Preise die Arbeit der Bauern; auch Speditionen und Industriebetriebe bekommen die Belastung zu spüren.
Frankreich verbindet Freigabe mit Gegenleistung
Frankreich will seinen Vorschlag an Bedingungen knüpfen. Die USA sollen sich verpflichten, auf ein einseitiges Exportverbot zu verzichten. Außerdem sollen die Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur (IEA) zusätzlich 50 Millionen Barrel Rohöl freigeben. Nach Angaben eines Insiders wurde darüber am Freitag, 2. Oktober 2026, beraten.
Washington hatte Deutschland und Frankreich mit Beschränkungen amerikanischer Diesel-Exporte gedroht, falls beide Länder nicht weitere Kraftstoffe aus ihren Notreserven bereitstellen. Medienberichten zufolge stand sogar ein Exportstopp von Diesel nach Europa im Raum. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič warnte nach einem Gespräch mit dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer vor wirtschaftlichen Schäden für Europa, sollte es tatsächlich zu Exportbeschränkungen kommen.
Nach Darstellung der US-Regierung haben Deutschland und Frankreich frühere Zusagen zur Freigabe von Reserven nicht vollständig umgesetzt. Das deutsche Bundeswirtschaftsministerium erklärte laut einem „Spiegel“-Bericht dagegen, von den im Frühjahr zugesagten Mengen sei nur ein Bruchteil abgerufen worden. Die Lage ist also nicht nur angespannt, sondern auch politisch ziemlich aufgeladen.
Deutschland bleibt vorsichtig
Die Bundesregierung äußerte sich zurückhaltend. Hohe Kraftstoffpreise seien vor allem auf die Lage im Nahen Osten und die dadurch verursachte Angebotsverknappung zurückzuführen. Die Märkte sollten nicht zusätzlich verunsichert werden, lautet die Linie aus Berlin.
Europa ist wegen der US-Drohung dennoch in einer heiklen Versorgungslage. Nach dem Einfuhrverbot für russische Ölprodukte und Lieferunterbrechungen aus dem Nahen Osten sind amerikanische Lieferungen wichtiger geworden. Deutschland bezieht laut „Spiegel“ etwa fünf Prozent seines Dieselbedarfs aus den USA. Gleichzeitig müssen die europäischen Staaten abwägen, wie viel sie aus ihren begrenzten Notvorräten freigeben können. Diese Reserven könnten bei einer weiteren Verschärfung des Irankriegs gebraucht werden.
Für Trump kommt die Preisentwicklung denkbar ungelegen: Wenige Wochen vor den US-Zwischenwahlen im November sind die hohen Dieselpreise zu einem politischen Problem geworden. In den USA sind die Treibstoffpreise wegen des Iran-Kriegs stark gestiegen. Die Vermutung liegt nahe, dass der Präsident vor der Abstimmung eine deutliche Senkung der Dieselpreise anstrebt.
Russland hält sich mehrere Türen offen
Auch Russland beobachtet den angespannten Markt. Das Land prüft eine teilweise Aufhebung seines Diesel-Exportverbots, falls es zu einer Überproduktion kommt. Der stellvertretende Ministerpräsident Nowak erklärte, der russische Dieselmarkt sei derzeit ausgeglichen und ausreichend versorgt.
Das bestehende Exportverbot hatte Russland erst in derselben Woche bis Ende Oktober verlängert. Vor der Begrenzung der Exporte im Sommer war Russland nach den USA der zweitgrößte Diesellieferant der Welt. Präsident Putin hatte kürzlich erklärt, Russland werde bis zur Aufhebung der Sanktionen keinen Diesel auf den Weltmarkt liefern. Nun hängt eine mögliche Lockerung offenbar davon ab, ob im eigenen Land zu viel Kraftstoff anfällt.
Die nächste Entscheidung ist damit ein Balanceakt: Eine Freigabe könnte den Preis- und Lieferdruck dämpfen, zugleich würden die Notvorräte kleiner. Und falls sich der Krieg gegen Iran weiter zuspitzt oder neue Lieferwege ausfallen, wäre genau dieser Puffer plötzlich sehr wertvoll. An Tankstellen und in den Depots lässt sich diese Unsicherheit nicht wegdiskutieren – dort zählt am Ende, ob der Diesel tatsächlich ankommt.
