Uni Europa, 6. November 2026 – In Washington ist die Stimmung nach den US-Zwischenwahlen, so berichten Anwesende, „wie bei einer Beerdigung“. Donald Trump und seine Republikaner haben eine deutliche Niederlage kassiert: Die oppositionellen Demokraten holten die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat. Die sogenannte „blaue Welle“ erfasste sogar traditionell konservative Bundesstaaten wie Kansas, Texas und South Carolina.

Trump gratulierte den Demokraten, zeigte laut dem zugrunde liegenden Bericht aber keine Reue. Seine bisherige Amtszeit bezeichnete er weiterhin als historisch erfolgreich. Auch am Krieg gegen den Iran hielt er fest und nannte ihn eine „sehr weise Entscheidung“. Zwei Jahre bleiben ihm als US-Präsident noch – genug Zeit, um politisch laut und unbequem zu bleiben.

Ein Dämpfer für Europas Rechte?

Die Niederlage wirft eine Frage auf, die weit über Washington hinausreicht: Bremst sie den Erfolg rechtspopulistischer Parteien in Europa? Derzeit erfolgreiche Rechtsparteien gibt es jedenfalls einige, darunter Marine Le Pens Rassemblement National und die AfD.

Der Politikwissenschaftler Alexander Trechsel von der Universität Luzern beschreibt Trump als eine Art Galionsfigur für europäische rechtspopulistische Parteien. Er inszeniert sich als Vertreter des „Volkes“, greift etablierte Institutionen und eine vermeintlich korrupte Elite an, stellt sich als Verteidiger der Nation und Gegner von Zuwanderung dar und lehnt internationale wirtschaftliche wie politische Zusammenarbeit ab. Vieles davon existierte in Europa schon vor Trump. Trotzdem half es den europäischen Rechtspopulisten, dass der US-Präsident ähnliche Botschaften verbreitete.

Auch der Stil hat sich verändert: Drohungen, Beleidigungen und offene Anfeindungen sind im politischen Umgang salonfähiger geworden und werden teilweise von europäischen Gleichgesinnten übernommen. Trechsel erwartet dennoch nur begrenzte Auswirkungen der US-Wahlniederlage. Der Wahlerfolg europäischer Rechtspopulisten hängt nicht von Trump ab, außerdem unterstützen nicht alle europäischen Rechtsparteien ihn bedingungslos oder lassen sich gleich stark von ihm beeinflussen. Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni etwa hat sich zunehmend von Trump distanziert.

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Über den Erfolg der Demokraten dürften Europas Rechtspopulisten trotzdem kaum jubeln. Und auch auf dem Kontinent gab es zuletzt Rückschläge für rechte Regierungschefs: Viktor Orbán wurde im April 2026 nach 16 Jahren als ungarischer Ministerpräsident abgewählt, Aleksandar Vučić verlor in Serbien die Wahl. Ungarn und Serbien seien bislang Ausnahmen, sagt Trechsel. Ob sich solche Gegenbewegungen bei den nächsten französischen Präsidentschaftswahlen wiederholen, bleibt offen.

Was Europa von Washington zu spüren bekommt

Die US-Zwischenwahlen sind für Europa nicht bloß ein politisches Schauspiel mit Fahnen, Fernsehkameras und langen Reden. Trump hat wiederholt Entscheidungen getroffen, die den Alltag der Europäer beeinflussen. Seine Zollpolitik belastet besonders die deutsche Industrie. Der Krieg im Iran treibt zudem Lebensmittel- und Spritpreise nach oben.

In Brüssel hoffen manche, andere Mehrheiten im US-Kongress könnten eine Kurskorrektur in den transatlantischen Beziehungen ermöglichen. Europaabgeordneter Rasmus Andresen rechnet allerdings auch mit einer Gegenreaktion Trumps gegen die EU, falls die Demokraten besonders gut abgeschnitten haben. Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im EU-Parlament, hält es für möglich, dass die US-Regierung den bislang ruhenden Handelskonflikt wieder aufnimmt. Zölle auf europäische Medikamente und Maschinen wären ein mögliches Szenario; die EU müsste darauf reagieren. Unter Trump erwarte er weder Sicherheit noch Planbarkeit, sagt Lange, und fordert deshalb eine weiterhin klare Haltung der EU.

In den vergangenen zwei Jahren stützte Trump seine Handelspolitik auf präsidiale Dekrete, sogenannte „executive orders“. Der Kongress ließ das zu. Selbst eine demokratische Mehrheit in Repräsentantenhaus und Senat könnte die bereits verhängten Zölle vermutlich nicht ohne Weiteres aufheben, weil die Befugnisse des US-Präsidenten bei Verordnungen weitreichend sind.

Größere Hoffnungen setzen EU-Abgeordnete und Vertreter der EU-Kommission auf die US-Gerichte. Diese haben bereits einen großen Teil von Trumps Zöllen für rechtswidrig erklärt; auch weitere Abgaben könnten juristisch überprüft werden. Trump beruft sich auf ältere US-Gesetze aus den Jahren 1930, 1962 und 1974. Nun müssen Gerichte klären, ob seine Regierung diese Gesetze rechtmäßig auslegt.

Auch sicherheitspolitisch schaut Europa nervös über den Atlantik. Einige EU-Mitgliedstaaten befürchten, Trump könnte seinen Frust an NATO-Verbündeten auslassen. Der US-Präsident kann über den Abzug von US-Truppen aus Europa entscheiden. Im Mai kündigte das US-Verteidigungsministerium den Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland an; im Dezember soll ein Bericht zur künftigen US-Truppenpräsenz vorgelegt werden.

Iran, Ukraine und ein Präsident mit vielen Hebeln

Daniela Schwarzer, Präsidentin der Hertie School, hält es für möglich, dass Trump nach einer deutlichen Wahlniederlage außenpolitisch noch unberechenbarer handelt, um von innenpolitischem Machtverlust abzulenken. Der Kongress kann Außenpolitik zwar durch Gesetze und Beschlüsse beeinflussen. Trump hat sich über solche Vorgaben allerdings bereits hinweggesetzt.

In den USA wird deshalb über das weitere Vorgehen im Iran spekuliert. Der Kongress hat den Krieg bislang nicht genehmigt. Gleichzeitig will Trump trotz der Kritik an seinem als völkerrechtswidrig bezeichneten Krieg am bisherigen Kurs festhalten. Beobachter befürchten, dass ihn die Wahlergebnisse zu einer weiteren Eskalation bewegen könnten. In Brüssel wächst die Sorge, er könnte politischen Frust anschließend außenpolitisch ausagieren.

Die Demokraten dürften die vergangenen zwei Jahre unter Trump parlamentarisch untersuchen – den Iran-Krieg, die Führung des FBI und die Geschäftsbeziehungen der Trump-Familie. Robert Garcia, voraussichtlich künftiger Vorsitzender des Kontrollausschusses im Repräsentantenhaus, sagte dazu: „Sucht euch Anwälte.“ Ein Satz, der in Washington wohl noch öfter fallen wird.

Der Machtwechsel könnte auch für die Ukraine eine Atempause bringen. Führende Demokraten befürworten grundsätzlich militärische und finanzielle Unterstützung für Kiew. Sie sehen darin die Verteidigung von Demokratie und Völkerrecht sowie eine Frage der US-amerikanischen Sicherheit. Die neue Mehrheit könnte Voraussetzungen für zusätzliche Ukraine-Hilfen schaffen. Eine schnelle Rettung sei jedoch nicht zu erwarten, sagte Bronwen Maddox vom Chatham House. Selbst beschlossene finanzielle Unterstützung könne Monate oder Jahre bis zur Umsetzung benötigen. Kurzfristig braucht die Ukraine vor allem Patriot-Abwehrraketen, um sich im Winter gegen russische Bombardierungen zu verteidigen.

Trump könnte zugleich ein Friedensabkommen mit Russland nach eigenen Vorstellungen anstreben. Er behauptet, acht internationale Konflikte beendet zu haben, und schiebt das bisher ausbleibende Abkommen für die Ukraine zunehmend Präsident Wolodymyr Selenskyj zu. Der frühere US-Diplomat Kurt Volker erwartet, dass Trump Warnungen aus Kiew und Europa ignorieren könnte. Möglich wären eine Aufhebung von Sanktionen und neue Geschäfte mit Russland. Trump könnte laut Volker das US-Finanzministerium anweisen, Sanktionen nicht mehr durchzusetzen, und Energiegeschäfte mit Russland fördern.

Mit Wladimir Putin habe Trump über eine Rückkehr großer US-Energiekonzerne nach Russland gesprochen. Im Oktober habe er trotz bestehender Sanktionen mit Putin eine Vereinbarung über Diesel-Lieferungen getroffen. Wesentliche Änderungen bei einem möglichen Austritt aus der NATO oder einer Reduzierung der US-Truppen in Europa erwartet Volker dagegen nicht. Dafür fehle Trump die ausreichende Unterstützung bei Demokraten und Republikanern, im Kongress und in den Medien.

Teures Öl, alte Gesetze und neue Konflikte

Ein deutlicher Rückgang der Energiepreise infolge des Wahlergebnisses ist keineswegs sicher. Die Ölpreise fielen am Montag so stark wie seit August nicht mehr, der Preis für ein Barrel Brent lag aber weiterhin bei rund 108 US-Dollar. Solange Trump kein Abkommen mit Iran erreicht, das eine Wiederöffnung der Straße von Hormus ermöglicht, dürfte die Energiekrise anhalten. Hohe Energiepreise verteuern in Europa Strom und Lebenshaltungskosten – und können politisch ziemlich schnell brisant werden.

Ryanair-Chef Michael O’Leary warnte ohne ein Abkommen vor einer schweren Krise der Luftfahrtbranche bis März oder April. Trump hat im Iran-Konflikt mehrere Möglichkeiten: erneute Militärschläge in der Hoffnung auf ein Einlenken oder einen Zusammenbruch des iranischen Regimes, eigene Zugeständnisse oder der