Die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) lädt ihre Besucher zu einer spannenden Reihe öffentlicher Veranstaltungen ein. Veranstaltungen wie die „Ukraine Lecture Series“ und verschiedene Kolloquien stehen auf dem Programm, um einen breiten Austausch zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit zu fördern. Am 27. April wird Dr. Max Trecker von der Universität Göttingen über den Reichtum der Ukraine sprechen, gefolgt von einem Vortrag von Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt über jüdischen Widerstand im Holocaust. Beide Events finden im Gräfin-Dönhoff-Gebäude und im Hauptgebäude der Universität statt. Für diejenigen, die den Dialog online verfolgen möchten, besteht ebenfalls die Möglichkeit, über Zoom teilzunehmen. Die vollständige Übersicht der Veranstaltungen ist auf der Webseite der Universität zu finden: europa-uni.de.
Das Forschungskolloquium „Geschichte transkulturell“ und mehrere Buchvorstellungen runden das Angebot ab, darunter eine Diskussion über die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen. Diese Veranstaltungen sind nicht nur akademisch wertvoll, sondern streben auch danach, die kulturellen und geschichtlichen Verbindungen zwischen den beiden Ländern zu stärken.
Aktuelle Herausforderungen im Umgang mit Antisemitismus
In einem anderen Kontext steht Polen derzeit im Fokus internationaler Aufmerksamkeit wegen eines umstrittenen „Holocaust-Gesetzes“. Präsident Andrzej Duda hat dieses Gesetz zum Thema Holocaust-Umgang zur Prüfung an das Verfassungsgericht weitergeleitet. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund nationalistischer Proteste, bei denen Demonstranten Parolen wie „Genug mit jüdischen Lügen“ riefen. Insbesondere die Ereignisse rund um Jedwabne, wo während des Zweiten Weltkriegs mehrere Hundert jüdische Mitbürger ermordet wurden, werfen einen Schatten auf die polnische Geschichtspolitik. Duda selbst betont, dass in Polen kein Platz für Rassenhass oder Antisemitismus sei, dennoch äußern jüdische Gemeinden zunehmend Besorgnis über die steigenden antisemitischen Äußerungen in der Gesellschaft berichtet Deutschlandfunk.
Die Täterschaft, die während des Holocausts und der nachfolgenden antisemitischen Vorurteile in Polen zu bestaunen ist, ist komplex. In einer Studie von 2017 gaben 24 Prozent der Befragten an, traditionellen Antisemitismus zu unterstützen, während über 50 Prozent an eine jüdische Verschwörung glauben. Diese Einstellungen sind nicht nur historisch gewachsen, sondern spiegeln sich auch in aktuellen Vorfällen wider, wie zum Beispiel in einem aktuellen Fall, in dem antisemitische Posts in sozialen Medien zunehmen beschreibt die bpb.
Die historischen Wurzeln des Antisemitismus in Polen reichen bis ins Mittelalter zurück und finden einen dramatischen Ausdruck in der Geschichte der polnisch-jüdischen Beziehungen, die vor dem Zweiten Weltkrieg etwa 10 Prozent der Bevölkerung ausmachten. Maßnahmen zur Bekämpfung von Antisemitismus werden angesichts der sozialen und politischen Spannungen immer drängender, insbesondere mit Blick auf die bevorstehenden Jahrestage, die die bilateralen Beziehungen zwischen Polen und jüdischen Gemeinschaften neu definieren könnten.
Insgesamt illustrieren die Entwicklungen an der Europa-Universität und die Herausforderungen, denen Polen gegenübersteht, wie wichtig der Dialog über Geschichte, Erinnerung und kulturelle Identität ist. Die bevorstehenden Veranstaltungen bieten lokale und internationale Perspektiven, die auf eine bessere Verständigung zwischen den Völkern abzielen.