An der Uni Frankfurt wird die Wohnungssuche für Studierende zum Wintersemester 2026/2027 erneut härter. Wer heute, am 30. September 2026, zwischen Vorlesungsverzeichnis und WG-Portalen sitzt, braucht neben Geduld oft auch ein ordentliches Budget. Die staatliche BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 Euro reicht in 37 von 38 untersuchten Hochschulstädten nicht für die Warmmiete einer typischen 30-Quadratmeter-Wohnung.

Nur Chemnitz fällt aus dem Rahmen: Dort kostet die Musterwohnung rund 280 Euro warm. In den übrigen betrachteten Städten klafft zwischen Pauschale und tatsächlicher Miete eine teils erhebliche Lücke. MLP und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) haben die Entwicklung in einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse untersucht.

Zwischen Chemnitz und München liegen Welten

Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die qualitätsbereinigten Mieten für Studentenwohnungen um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Über drei Jahre gerechnet lag der durchschnittliche jährliche Anstieg bei 4,0 Prozent. Wohnungen unter 40 Quadratmetern verteuerten sich binnen eines Jahres sogar um 3,5 Prozent, WG-Mieten um 2,3 Prozent und möblierte Wohnungen auf Zeit um 2,0 Prozent.

München bleibt der teuerste untersuchte Hochschulstandort. Für eine 30-Quadratmeter-Musterwohnung werden rund 880 Euro im Monat fällig; ein hypothetisches 20-Quadratmeter-WG-Zimmer kostet rund 850 Euro. Berlin, Frankfurt, Köln, Hamburg und Heidelberg liegen bei der Musterwohnung etwa zwischen 700 und 720 Euro. Die höchsten durchschnittlichen jährlichen Mietzuwächse der vergangenen drei Jahre verzeichneten Hamburg und Saarbrücken mit jeweils 5,8 Prozent, gefolgt von Bochum mit 5,5 Prozent.

Auch bei den Kaltmieten ist die Lage angespannt: Nach einer Auswertung von Immowelt liegen sie in 82 von 139 Hochschulstädten bereits über der BAföG-Wohnpauschale. Dabei zeigt sich ein deutliches Preisgefälle zwischen Ost und West zugunsten des Ostens. Chemnitz bleibt am unteren Ende: Rund 280 Euro kostet dort die 30-Quadratmeter-Wohnung, etwa 220 Euro das 20-Quadratmeter-WG-Zimmer.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Wer ein unmöbliertes WG-Zimmer sucht, muss in München im Schnitt mit 790 Euro rechnen. Hamburg folgt mit 659 Euro, Köln mit 630 Euro, Frankfurt am Main mit 620 Euro, Freiburg und Berlin jeweils mit 600 Euro. Empirica wertete dafür mehrere Tausend Inserate an 121 Universitätsstandorten aus. Seit Sommer 2012 stiegen WG-Mieten demnach um 80 Prozent, also um rund vier Prozent pro Jahr. Die Verbraucherpreise legten im selben Zeitraum um 36 Prozent beziehungsweise 2,1 Prozent jährlich zu.

Das Zimmer kostet im Schnitt 510 Euro

Eine andere Untersuchung, veröffentlicht am 19. September 2026, nimmt das Wintersemester 2026/27 in den Blick. Das Moses Mendelssohn Institut (MMI) und WG-Gesucht.de analysierten 90 deutsche Hochschulstandorte mit jeweils mehr als 5.000 Studierenden. Reine Fern- und Verwaltungshochschulen blieben außen vor.

Im studierendengewichteten Mittel kostet ein gewöhnliches WG-Zimmer dort rund 510 Euro monatlich. Im Sommersemester 2026 waren es 512 Euro, im Wintersemester 2025/26 505 Euro. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg von rund einem Prozent. Zum Vergleich: Im Wintersemester 2016/17 lag der Wert bei rund 349 Euro.

Die Grundlage bilden 3.870 Angebote bestehender WGs mit zwei bis drei Personen. Berücksichtigt wurden unbefristet angebotene, nicht zum Tausch bestimmte Zimmer. Die Preise sind Warmmieten und enthalten überwiegend Strom, Internet sowie Möblierung und technische Ausstattung der gemeinschaftlich genutzten Räume. Untersucht wurden vorwiegend bestehende Mietverhältnisse, nicht aktuelle Neuverträge. Ausgewiesen werden erstes Quartil, Median und drittes Quartil; der Deutschlandwert ist nach Studierendenzahl gewichtet.

Die Unterschiede zwischen den Hochschulstandorten wachsen. Nur noch 20,7 Prozent der Studierenden besuchen Hochschulen, deren Median höchstens zehn Prozent vom Deutschlandwert abweicht. Im Wintersemester 2016/17 waren es noch 35,4 Prozent. 46,1 Prozent studieren an Standorten mit einem Median von mehr als zehn Prozent unter dem Deutschlandwert, 33,2 Prozent an Standorten mit einem Median von mehr als zehn Prozent darüber. Der relative Abstand zwischen dem unteren und oberen Viertel der Standortmediane ist binnen zehn Jahren um rund 27 Prozent gewachsen.

Teure Städte, schmale Spielräume

Zwölf der 90 Standorte liegen mit ihrem Median mehr als zehn Prozent über dem Deutschlandwert. Das entspricht 13,3 Prozent der Standorte, an denen rund ein Drittel der untersuchten Studierenden eingeschrieben ist. Die Mediane reichen von 565 Euro in Bonn bis 850 Euro in München. Berlin und Hamburg liegen jeweils bei 650 Euro, Köln bei 640 Euro und Frankfurt am Main bei 630 Euro.

Berlin, München, Hamburg und Köln gehörten bereits 2016/17 zum oberen Preissegment, ebenso Frankfurt am Main, Stuttgart, Düsseldorf und Freiburg. Berlin, München, Hamburg, Köln und Frankfurt am Main vereinen rund 558.000 Studierende und knapp 70 Prozent der Studierenden des oberen Preissegments.

Selbst die günstigeren Angebote an diesen teuren Orten sind für viele nicht wirklich günstig. Das studierendengewichtete erste Quartil im oberen Preissegment liegt bei 525 Euro. An allen zwölf Standorten liegt es über der aktuellen BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 Euro. An zehn Standorten überschreitet es außerdem die für das kommende Sommersemester vorgesehene Pauschale von 440 Euro. In diesen zehn Städten studieren 91,3 Prozent der Studierenden des oberen Preissegments.

Beim ersten Quartil werden in Hamburg 560 Euro fällig, in München und Frankfurt am Main jeweils 550 Euro, in Köln 540 Euro und in Berlin 530 Euro. Die ursprünglich für das kommende Wintersemester geplante Erhöhung der BAföG-Wohnkostenpauschale wurde auf das kommende Sommersemester verschoben. Wegen fehlender Einigkeit über die Finanzierung soll sie nun zum Sommersemester 2027 auf 440 Euro steigen.

Im Wintersemester 2026/27 bleiben es also 380 Euro. An 76 von 90 Standorten liegt der Median darüber; dort studieren 84,4 Prozent der erfassten Studierenden. An 48 Standorten überschreitet bereits das erste Quartil die 380-Euro-Marke, betroffen sind 55,1 Prozent der Studierenden. Mit 440 Euro würde sich die rechnerische Differenz zwar verringern. Trotzdem läge der Median an 45 Standorten noch darüber; dort studieren 56,0 Prozent. An 21 Standorten bliebe selbst das erste Quartil über 440 Euro, betroffen wären 36,8 Prozent.

Ausweichen, pendeln, bei den Eltern bleiben

Als Hauptgrund für die steigenden WG-Mieten gilt eine wachsende Nachfrage in beliebten Schwarm- und Universitätsstädten, während das Angebot nicht entsprechend mitwächst. In Greifswald und Siegen stiegen die WG-Mieten seit 2012 dagegen kaum stärker als die Verbraucherpreise.

Studienanfänger weichen deshalb zunehmend auf weniger zentrale Standorte wie Chemnitz, Halle, Bochum und Dortmund aus. Manche bleiben länger bei ihren Eltern wohnen. Andere rechnen jeden Weg mit: längere Pendelstrecke, teure private Unterkunft, knapper Wohnheimplatz oder gleich ein anderer Studienort. Für Menschen mit begrenztem und wenig flexiblem Einkommen sind die Wohnkosten kurzfristig kaum vermeidbar. Dann fehlt das Geld eben bei Lernmitteln, Mobilität und dem restlichen Lebensunterhalt.

Derzeit sinkt die Zahl der Studienanfänger leicht, weil in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium wirkt. Laut MLP sind diese Effekte vorübergehend. Nach einem leichten Rückgang sollen die Studierendenzahlen wieder steigen und bis 2040 über dem heutigen Niveau liegen.

Der Grund liegt auch in der starken Zuwanderung seit 2010: Viele der damals zugewanderten jungen Erwachsenen bekamen später Kinder. Diese Kinder erreichen in den kommenden Jahren das Studienalter. Die Studie betrachtet deshalb zwei Szenarien. Bleibt die Studierendenquote gleich, steigen die Zahlen vor allem an beliebten Hochschulstandorten. Bei einer höheren Studierquote wachsen sie nahezu überall. Bis 2040 könnten die Studierendenzahlen in Münster, Hamburg und Berlin um mehr als acht Prozent zunehmen.

Mehr Nachfrage, zu wenig Neubau

Der aktuelle Report