In Frankfurt (Oder) und Słubice hängt gerade einiges in der Luft. Die Zusammenarbeit der beiden Städte wird zunehmend problematisch, und ausgerechnet beim grenzüberschreitenden Bus 983 ist offen, wie es nach dem Jahresende weitergeht. Noch fährt die Linie nach Słubice – bis zum Fahrplanwechsel beziehungsweise bis Jahresende.

Der Europäische Verbund für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ), der die Kooperation dauerhaft auf stabilere Beine stellen soll, ist weiterhin nicht gegründet. In einem Ausschuss kam es deshalb zum Streit über die weitere Zusammenarbeit. Für Menschen, die täglich zwischen den beiden Städten unterwegs sind, klingt das trocken. Praktisch geht es aber um eine Verbindung, die man nicht mal eben ersetzen kann.

Bus 983 fährt vorerst weiter

Die Buslinie 983 wird von der Stadtverkehrsgesellschaft Frankfurt (Oder) betrieben. Ihre Route verbindet Frankfurt (Oder), Bahnhof, mit Słubice, Dworzec Autobusowy. Laut Transit-App fahren die Busse etwa alle 60 Minuten.

Als nächste angegebene Fahrt wird die Abfahrt um 17:57 Uhr ab Frankfurt (Oder), Bahnhof, genannt. Ankunft ist um 18:13 Uhr bei Słubice, Dworzec Autobusowy. Wer knapp dran ist, sollte trotzdem nicht blind auf die Anzeige vertrauen: Die Pünktlichkeitsberichte werden von Nutzerinnen und Nutzern der Transit-App erstellt und können von den offiziellen Angaben der Stadtverkehrsgesellschaft Frankfurt (Oder) abweichen.

Die App zeigt außerdem eine detaillierte Routenkarte mit allen angefahrenen Haltestellen, informiert über geschlossene oder verlegte Haltestellen und bietet eine Echtzeitkarte zur Fahrzeugposition. Dazu kommen Meldungen zu Umleitungen, verlegten Haltestellen, Fahrtausfällen, größeren Verspätungen und weiteren Änderungen sowie Abfahrtszeiten und Angaben zur Fahrtenfrequenz.

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Ein Verbund, der noch fehlt

Wie weit die institutionelle Zusammenarbeit hinter den praktischen Verbindungen zurückbleibt, zeigte sich in den vergangenen Tagen erneut. In der vergangenen Woche trafen sich in Frankfurt (Oder) und Słubice Vertreterinnen und Vertreter europäischer Institutionen und EVTZs aus 13 Ländern. Ziel war, die Gründung eines EVTZ für Frankfurt (Oder) und Słubice zu unterstützen und Erfahrungen auszutauschen.

Gesprochen wurde über die Weiterentwicklung grenzüberschreitender Arbeits- und Entscheidungsstrukturen, effiziente Schnittstellen zwischen dem EVTZ und den beiden Stadtverwaltungen sowie die effektive Nutzung von Fördermitteln. Diese sollen insbesondere in grenzüberschreitende Projekte der Stadtentwicklung, des Verkehrs und der nachhaltigen Mobilität fließen.

Eine gemeinsame EVTZ-Rechtsform könnte Frankfurt (Oder) und Słubice auf europäischer Ebene stärker vertreten. EVTZs sitzen in Gremien wie dem Ausschuss der Regionen und der Arbeitsgemeinschaft Europäischer Grenzregionen. Bei Beratungen über die Prioritäten der nächsten EU-Förderperiode haben sie dort besonderes Gewicht. Die Stadtoberhäupter beider Städte könnten die Doppelstadt dann gemeinsam als eine rechtliche Einheit vertreten.

Gerade wenn Fördermittel künftig sinken und die Konkurrenz zunimmt, soll diese auf beiden Seiten anerkannte Rechtsform die Fördermittelakquise erleichtern. Frankfurt (Oder) und Słubice arbeiten außerdem an einem gemeinsamen Masterplan für die Doppelstadt für den Zeitraum 2025–2035. Dafür sollen Fördermittel aus verschiedenen Quellen miteinander verknüpft werden. Ohne gemeinsame Rechtsform sei das wegen unterschiedlicher Vergabebedingungen und Berichtspflichten nahezu unmöglich.

Entscheidung mit Blick auf 2028–2034

Der Zeitpunkt ist nicht nebensächlich. Die neue EU-Förderperiode läuft von 2028–2034; eine Gründung noch 2026 wäre gegenüber einer Gründung 2027 von Bedeutung. Nach dreijähriger Vorbereitung durch beide Verwaltungen befindet sich die Gründung des Frankfurt-Słubicer EVTZ „Ohne Grenzen–Bez Granic“ in der letzten Phase.

Die Ausschüsse der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung befassten sich im Januar und Februar 2026 intensiv mit dem Vorhaben und befürworteten die Gründung mit großer Mehrheit. Die Słubicer Stadtverordneten stellten am 18. Juni weiteren Klärungsbedarf fest und vertagten die Entscheidung über die Gründung. Parallel dazu sorgt nun der Streit in einem Ausschuss über die weitere Zusammenarbeit für zusätzliche Spannung.

Die Konferenz wurde aus EU-Mitteln des Programms Interreg Europe gefördert. Teilgenommen haben Vertreterinnen und Vertreter der EVTZs „Pons Danubii“ (Slowakei–Ungarn), „Kvarken Council“ (Finnland–Schweden), „Pathways of the Future“ (Slowenien–Kroatien) und „Tyrol–Südtirol–Trentino“ (Österreich–Italien) sowie der Euregio Maas-Rhein (Deutschland–Niederlande–Belgien) und des Trinationalen Eurodistricts Basel (Schweiz–Deutschland–Frankreich).

Europaweit gibt es derzeit 87 EVTZs. Ein 88. EVTZ befindet sich in der Euroregion Pomerania im Norden der deutsch-polnischen Grenzregion in Gründung. Während also andernorts neue Strukturen entstehen, bleibt bei Frankfurt (Oder) und Słubice die entscheidende Unterschrift aus – und der Bus 983 fährt zunächst weiter, Stunde für Stunde.

Quelle: Märkische Oderzeitung, Lisa Larossa, veröffentlicht am 25. September 2026 um 17:00 Uhr
Weitere Informationen: Transit-App
Kontext: Stadt Frankfurt (Oder)