In der kommenden Woche wird der Hochbunker an der Friedberger Anlage in Frankfurt am Main zu einem Ort der Erinnerung und musikalischen Wiederbelebung. Am 10. Mai 2026 findet dort ein bemerkenswertes Konzert statt, das unter dem Titel „Gegen das Vergessen“ die Werke verfolgter jüdischer Komponisten in den Fokus rückt. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr und präsentiert musikalische Stücke von Frankfurter jüdischen Künstlern, deren Talent und Schaffen durch den Nationalsozialismus stark beeinträchtigt wurden. Zu hören sind Kompositionen von Bernhard Sekles, Ernst Toch, Max Kowalski, Erich Itor Kahn, sowie Lieder von Rosy Geiger-Kullmann und Willy Salomon. Dies berichtet die Pädagogische Hochschule Frankfurt.
Die Aufführung ist das erste Ergebnis eines Projekts, das in enger Zusammenarbeit zwischen der Goethe-Universität, der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK), der Initiative 9. November e.V., Musica Judaica e.V. und der Frankfurter Gesellschaft für neue Musik e.V. entsteht. Ziel des Projekts ist es, die oft vergessenen Stimmen Frankfurter jüdischer Musiker und Musikerinnen wieder hörbar zu machen. Das Konzert ist das Resultat eines Seminars an der Goethe-Universität, das im Sommersemester 2025 durchgeführt wurde und sich mit dem Thema „Jüdische Musiker*innen in Frankfurt bis zum Nationalsozialismus“ beschäftigte. Studierende hatten die Aufgabe, Biografien und Kompositionen dieser Künstler sowie Künstlerinnen zu erforschen und die Ergebnisse an diesem besonderen Abend zu präsentieren.
Musik als Form des Widerstands
Ein weiterer wichtiger Aspekt dieses Projekts ist die begleitende Wanderausstellung, die ebenfalls am 10. Mai zum ersten Mal gezeigt wird. Diese Dauerausstellung mit dem Titel „Musik als Form geistigen Widerstandes. Jüdische Musikerinnen und Musiker 1933–1945. Das Beispiel Frankfurt am Main“ widmet sich den Biografien von Musikern, die in Frankfurt prägende Beiträge zur Musikszene geleistet haben. Viele dieser Talente mussten jedoch aufgrund der politischen Verfolgung in den Hintergrund treten. Die Ausstellung wurde bereits 1990 von Jochen Martini und Judith Freise initiiert und an verschiedenen Orten präsentiert, unter anderem in der Paulskirche und dem Hessischen Landtag. Jetzt erhält sie durch die musikalische Aufführung eine dynamische Erweiterung. Renata Berlin von der Initiative 9. November betont, dass eine solche Ausstellung ohne musikalische Elemente ein Stück weit unvollständig ist, weshalb dies nun zusammengebracht wird. Weitere Informationen zu dieser besonderen Initiative finden sich auf initiative-neunter-november.de.
Zusätzlich sind zukünftige Veranstaltungen und Projekte geplant. So wird am 19. September 2024 im Hochbunker der Film „Le Chaim – Auf das Leben unserer Eltern“ gezeigt, der das Leben von Juden im Frankfurter Bahnhofsviertel in den 1950er Jahren thematisiert. Im Anschluss an die Filmvorführung wird es ein Gespräch mit namhaften Persönlichkeiten geben. Jim Kallenberg von der Goethe-Universität hat zudem angedeutet, dass das Seminar zur jüdischen Musikgeschichte fortgesetzt wird, um alte Aufnahmen, Noten und Texte zu erforschen und möglicherweise weitere Konzerte zu organisieren.
In dieser aufschlussreichen und bewegenden Veranstaltungsreihe wird einmal mehr offenbar, wie bedeutend die Auseinandersetzung mit der jüdischen Musikgeschichte in Frankfurt ist, nicht nur als ein Rückblick auf das, was verloren ging, sondern auch als eine feste Verankerung der kreativen Widerstandskraft der Kunst. Die Musik, die in diesen Wochen zur Aufführung kommt, ist nicht nur Klang, sondern ein lebendiger Teil der Frankfurter Kulturgeschichte. Besucher sind herzlich eingeladen, dieser Erinnerung und Wertschätzung durch den Klang vergangener Zeiten beizuwohnen.