Mutterschaft, Haushalt und Sorgearbeit erscheinen in sozialen Medien oft als Ideal einer traditionellen, zugleich neu inszenierten Weiblichkeit. Genau dieses Spannungsfeld nimmt die Veranstaltung „Tradwife – zwischen Nostalgie und Emanzipation. Einblicke in eine biografieanalytische Studie“ an der Universität Bielefeld in den Blick.

Paula Matthies von der Frankfurt University of Applied Sciences spricht am 4. November 2026 um 16:00 Uhr in Raum H16 der Universität Bielefeld. Die Veranstaltung gehört zu einer Reihe des ZKJF und richtet sich an Mitglieder des Zentrums, Studierende und Mitglieder aller Fakultäten sowie weitere Interessierte. Der Eintritt ist kostenlos.

Zwischen Hausarbeit und Machtverhältnissen

Untersucht wird das Tradwife-Phänomen im Zusammenhang mit Geschlechter- und Machtverhältnissen, Elternschaft und Care-Arbeit, Antifeminismus, Retraditionalisierung und Faschisierung. Im Mittelpunkt stehen sichtbare Veränderungen in der Aushandlung von Geschlechterverhältnissen – aber auch mögliche Folgen, die zunächst unsichtbar bleiben.

„TradWives“ oder „Traditional Wives“ richten sich vor allem an ein weibliches Publikum. Sie verbinden die Darstellung ihres persönlichen Lebensstils mit antifeministischen Botschaften, propagieren ein konservatives Geschlechterbild und häufig eine unterwürfige Weiblichkeit, nicht selten aus christlich-fundamentalistischer Perspektive. Die Bewegung entstand in Reddit-Foren und ist inzwischen auch auf Instagram, TikTok und YouTube präsent. Personelle und inhaltliche Überschneidungen mit der extremen Rechten bestehen ebenfalls. Rechte Aktivistinnen treten online als TradWives auf; eine bekannte TradWife rief 2017 auf ihrem YouTube-Kanal zur „White Baby Challenge“ auf, bei der möglichst viele weiße Kinder gezeugt werden sollten.

Gerade weil solche Videos zunächst unpolitisch wirken können, ist die Einordnung nicht immer einfach. Nicht jede Frau, die online Backrezepte teilt, ist antifeministisch; ebenso sind nicht alle Dating-Coaches sexistisch und nicht jede spirituelle Sinnsuche antifeministisch. Unter dem Hashtag #TradWife finden sich allerdings tausende Beiträge – zwischen Küchenroutine, Familienideal und politischer Botschaft.

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Digitale Räume und antifeministische Erzählungen

Laut Leipziger Autoritarismus-Studie finden antifeministische Aussagen zunehmend gesellschaftliche Zustimmung. Auf TikTok, Instagram und YouTube sind entsprechende Inhalte verbreitet; Beiträge von Influencern wie Jordan Peterson werden millionenfach aufgerufen. Antifeministische Akteure verbindet die Vorstellung einer gottgegebenen oder „natürlichen“ patriarchalen Geschlechterordnung sowie die Ablehnung des Feminismus. Antifeminismus ist dabei keine sachliche Kritik am Feminismus, sondern wertet feministische Positionen pauschal ab und steht der Gleichstellung der Geschlechter entgegen. Häufig geht er mit Queer- und Transfeindlichkeit, Misogynie und Sexismus einher.

Das Ganze ist kein Randphänomen und kommt in unterschiedlichen politischen Lagern vor. In rechten Ideologien spielt Antifeminismus eine zentrale Rolle und dient der extremen Rechten häufig zur Mobilisierung. Weil er an verschiedene Milieus anschließen kann, wirkt er – ähnlich wie Antisemitismus – als ideologische Brücke und kann Radikalisierungsprozesse fördern.

Eine wichtige digitale Subkultur ist die „Manosphere“. Dort verbreiten Männerrechtler, Maskulinisten, Incels und Pick-up-Artists plattformübergreifend antifeministische und misogyne Weltbilder. Typisch sind Verschwörungserzählungen über einen angeblich allmächtigen Feminismus, der Männer bedrohe. Sinkende Geburtenraten werden etwa auf den Feminismus zurückgeführt. Reddit und 4Chan gelten als wichtige Verbreitungsorte, an denen häufig antidemokratische Inhalte geteilt werden; antifeministische Bedrohungsszenarien und maskulinistische Vorstellungen tauchen aber auch auf TikTok und Instagram auf.

Akteure der Manosphere idealisieren eine soldatische und wehrhafte Männlichkeit und sprechen besonders junge Männer an. Incels verstehen sich als unfreiwillig sexuell enthaltsam und geben Frauen die Schuld dafür; teilweise vertreten sie die Vorstellung eines männlichen Rechts auf Sex. Pick-up-Artists verbreiten maskulinistische Dating- und Flirttipps, die häufig aggressive Techniken nutzen und sexualisierte Gewalt gegen Frauen legitimieren.

Auch politische Akteure, darunter AfD-Mitglieder, nutzen Antifeminismus in sozialen Medien zur Mobilisierung. „Der Feminismus“ wird dabei als Gefahr und Bedrohung der Idee einer „Volksgemeinschaft“ dargestellt. Neu-rechte Influencer wie @EinGollan und @KetzerderNeuzeit machen Antifeminismus zu einem zentralen Bestandteil ihrer Online-Auftritte. Ein verbreitetes Format ist das Filmen feministischer Demonstrationen mit anschließender Abwertung der aufgenommenen Aktivistinnen und Aktivisten. Das von Julian Reichelt gegründete Nachrichtenportal NIUS verbreitet auf TikTok ebenfalls antifeministische Narrative.

Dazu kommen esoterische Deutungen, in denen Feminismus als Gefahr für angeblich „weibliche und männliche spirituelle Energien“ erscheint. Coaching-Angebote und ähnliche Geschäftsmodelle können solche Vorstellungen kommerziell nutzen. Klingt manchmal nach Wellness, kippt aber mitunter in ein ziemlich festes Weltbild.

Ein Termin mit digitaler Teilnahme

Nach Anmeldung sind Kinderbetreuung während der Vorträge und des studentischen Werkstattgesprächs sowie die Teilnahme an einem Livestream der Vorträge möglich. Informationen zum Veranstaltungsort gibt es im eKVV und über einen QR-Code. Die Veranstaltenden können Personen den Zutritt verwehren oder sie ausschließen, wenn sie rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zugeordnet werden oder durch menschenverachtende Äußerungen aufgefallen sind.

Für Fragen ist medien@uni-bielefeld.de erreichbar. Weitere Informationen stehen auf www.uni-bielefeld.de; die Veranstaltungsseite ist unter aktuell.uni-bielefeld.de/event/tradwife-zwischen-nostalgie-und-emanzipation-einblicke-in-eine-biografieanalytische-studie/ abrufbar.

Die zusätzliche Recherchequelle aus Frankfurt war beim Abruf allerdings nicht direkt zugänglich: Die Website konnte Anubis nicht laden, weil JavaScript nicht ausgeführt wurde oder der Server möglicherweise überlastet ist. Anubis schützt den Server vor automatisiertem Abrufen durch KI-Unternehmen und andere Scraper. Dafür verwendet das System ein Proof-of-Work-Verfahren nach dem Vorbild von Hashcash. Die zusätzliche Rechenlast soll für einzelne Nutzer gering bleiben, bei massenhaftem Abrufen aber die Kosten des Scrapings erhöhen.

Als Übergangslösung soll das Verfahren dienen, bis bessere Methoden zur Erkennung von Headless-Browsern verfügbar sind. Anubis benötigt moderne JavaScript-Funktionen; Erweiterungen wie JShelter können diese deaktivieren. Für diese Domain sollen JShelter oder vergleichbare Erweiterungen deaktiviert werden.

Was Bildung damit zu tun hat

Im Unterricht können Social-Media-Beiträge, Hashtags und Memes analysiert und in ihren politischen Kontext eingeordnet werden. Entscheidend ist dabei, soziale Medien nicht pauschal als dystopisch darzustellen, sondern einen kritischen Umgang mit ihnen zu fördern und demokratische Positionen zu stärken. Argumentationstrainings können helfen, die Anschlussfähigkeit antifeministischer Erzählungen zu hinterfragen.

Mit Schülerinnen und Schülern lässt sich außerdem diskutieren, wie Identität entwickelt werden kann, ohne Nicht-Männliches abzuwerten. Feministische Denkansätze, Bewegungen und Ziele können als Bestandteil politischer Bildung vermittelt werden, um Fehlinformationen und Verschwörungserzählungen entgegenzuwirken. Die Veranstaltung in Bielefeld setzt dafür einen wissenschaftlichen Akzent – mit Blick auf Biografien, Care-Arbeit und die Frage, was hinter der hübsch dekorierten Oberfläche sozialer Medien noch mitschwingt.