Das Institut für Rechtsmedizin der Justus-Liebig-Universität (JLU) in Gießen steht vor einem entscheidenden Ereignis: Die 33. Frühjahrstagung der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin (DGRM) findet vom 7. bis 9. Mai 2026 statt. Rund 100 Fachleute aus Deutschland, der Schweiz und Österreich haben ihr Kommen angekündigt, um über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen in der Rechtsmedizin zu diskutieren.
Ein zentrales Thema der Tagung wird die Digitalisierung sein. Hierbei rückt insbesondere der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in den Fokus. In einer Zeit, in der digitale Technologien die Arbeitsweise in vielen Bereichen revolutionieren, zeigt sich auch in der Rechtsmedizin eine zunehmende Abhängigkeit von intelligenten Algorithmen. Der Einsatz von KI könnte nicht nur die Gutachtenerstellung erleichtern, sondern auch die automatisierte Schätzung von Organen mittels Computertomographie (CT) ermöglichen. Dies steht im Einklang mit den Erkenntnissen, dass KI auch in den juristischen Arbeitsalltag einzieht und erhebliche Auswirkungen auf die Forschung, Publikationsformate und Arbeitsweisen von Rechtswissenschaftlern haben könnte, wie Mohr Siebeck berichtet.
**Das Wissenschaftliche Programm**
In der Tagung wird ein breites Spektrum an Themen behandelt. Neben klassischen Obduktionsbefunden und forensischer Toxikologie können die Teilnehmer sich auf hochmoderne Methoden wie 3D-Unfallanalysen und digitale Videobeweise freuen. Auch gesellschaftlich relevante Aspekte, wie die forensische Aufarbeitung von Verbrechen nach 1945, beispielsweise in Celle, werden angesprochen. Ein besonderes Augenmerk liegt zudem auf der Gedenkstätte Hadamar sowie der forensisch-anthropologischen Untersuchung von Kulturgütern.
Ein weiterer Highlight der Veranstaltung ist der Nachwuchsworkshop zum Thema „Forensische Toxikologie – Alkohol und Nachtrunk“, der jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit bietet, sich untereinander zu vernetzen und auszutauschen.
**Die Geschichte der Rechtsmedizin in Gießen**
Interessant ist auch die Historie der gerichtlichen Medizin in der Region, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Der Lehrstuhl für Gerichtliche Medizin an der JLU wurde 1964 eingerichtet und 1969 in das Institut für Rechtsmedizin umbenannt. Diese lange Tradition wird während der Tagung gewürdigt und zeigt auf, wie sich die Disziplin im Laufe der Zeit entwickelt hat.
Die Auftaktveranstaltung der Frühjahrstagung findet am Freitag, den 8. Mai 2026, um 13:15 Uhr im Best Western Plus Hotel Steinsgarten in Gießen statt. Renommierte Redner wie Prof. Dr. Sven Hartwig, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin, Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger und Polizeipräsident Torsten Krückemeier werden die Teilnehmer empfangen.
Für all jene, die sich intensiver mit Themen rund um KI in der Rechtswissenschaft auseinandersetzen wollen, greifen die Publikationen von Florian Möslein und Bernd J. Hartmann sowie die Arbeiten von Stefanie Jung interessante Fragen auf, wie sie in den Arbeiten zur „Künstlichen Intelligenz in rechtswissenschaftlichem Studium und juristischer Praxis“ von De Gruyter Brill und Mohr Siebeck herausgearbeitet werden. Solche Diskussionen werden sicherlich auch während der Tagung lebhaft geführt werden.
Insgesamt verspricht die Frühjahrstagung ein spannendes Forum für den Austausch von Wissen und Erfahrungen zu werden, das sowohl für erfahrene Mediziner als auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs von Bedeutung ist.