Die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) wird vom 27. bis 29. Mai 2026 Schauplatz einer internationalen Konferenz mit dem Titel „Narrating Catastrophes: References to the (European) Holocaust and their Function“ sein. Unter der Leitung von Prof. Dr. Verena Dolle vom Institut für Romanistik kommen Expertinnen und Experten aus Europa, Lateinamerika und den USA zusammen, um die Darstellung von menschengemachten Katastrophen in der Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts zu erörtern. Ein zentraler Fokus liegt dabei auf dem europäischen Holocaust, welcher als „reisendes Gedächtnis“ thematisiert wird, das in verschiedenen kulturellen Kontexten unterschiedlich interpretiert und erinnert wird.

Ein besonders spannender Aspekt der Konferenz ist die Diskussion über die Transformation des Gedenkens an den Holocaust. Hierzu wird am 29. Mai 2026 um 19 Uhr im Margarete-Bieber-Saal eine öffentliche Podiumsdiskussion stattfinden. Der Titel lautet „Holocaust Legacy in Present Times: Challenges for Veracity and Truth?“. Diskutiert wird über die Herausforderungen, die sich aus der Erinnerung an den Holocaust in der Gegenwart ergeben. Zu den Diskutierenden gehören unter anderem Prof. Dr. Saúl Sosnowski, Dr. Anika Binsch und Paul Scheidt, während Prof. Dolle die Moderation übernimmt.

Verflochtene Erinnerungen

Diese Konferenz ist Teil des Forschungsprojekts „Entangled Memories and their Dynamics: ‘h/Holocaust‘ in Colombian Literature from 1985 until 2022“. In diesem Projekt untersucht Prof. Dr. Dolle die Erinnerungen an die gewaltsamen Ereignisse am Justizpalast in Bogotá im November 1985, als die Guerrilla-Gruppe M-19 das Gebäude besetzte und die anschließenden gewaltsamen Rückeroberungsversuche des kolumbianischen Militärs zu über 100 Toten führten. In Kolumbien wird der Begriff „holocausto“ für diese Ereignisse verwendet, was das Projekt besonders relevant macht, um die verschiedenen Bedeutungen des Begriffs im Vergleich zum europäischen Holocaust zu beleuchten.

Ziel des Projekts ist es, die Darstellung und Wahrnehmung dieser traumatischen Ereignisse in der Literatur und den Medien zu erforschen. Das Thema wird zudem durch die Einbindung verschiedener Formate wie Podiumsdiskussionen und Ausstellungen in Bogotá lebendig gehalten. Hier kooperiert die JLU beispielsweise mit der Universidad de los Andes und anderen Institutionen.

Erinnerungskultur im digitalen Zeitalter

Das Gedenken an den Holocaust hat in den letzten Jahren auch im digitalen Raum an Bedeutung gewonnen. Neueste Initiativen wie die Plattform „Shoah Stories“ und das Projekt „In Echt?“ zielen darauf ab, jüngere Generationen an die Erinnerungskultur heranzuführen. Diese Plattformen bieten unter anderem kurze Videos über den Holocaust, die auf sozialen Medien wie TikTok und Instagram geteilt werden, um eine breitere Zielgruppe zu erreichen.

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Kurt Hillmann, ein 90-jähriger Holocaust-Überlebender, und andere Zeitzeugen haben an diesen Projekten teilgenommen, um ihre Geschichten lebendig zu halten. Angesichts der Tatsache, dass bis 2040 voraussichtlich 90 % der Überlebenden nicht mehr leben werden, sind solche digitalen Formate von immer größerer Bedeutung, um Erinnerungen wachzuhalten und die Verantwortung für die Vermeidung künftiger Verbrechen zu betonen.

Insgesamt spiegelt die Konferenz in Gießen und die damit verbundenen Projekte die aktuellen Bemühungen wider, verschiedene Perspektiven auf den Holocaust und andere Katastrophen in die öffentliche Diskussion zu bringen. Diese Initiativen fördern das Verständnis für die Bedeutung von Erinnerung und die Herausforderungen, die mit dem Gedenken in einer globalisierten und digitalisierten Welt verbunden sind.