Ukrainische Studierende fördern EU-Beitritt: Seminar an JLU Gießen!
Inmitten der bedeutenden Reformen in der Ukraine veranstaltete die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) im Sommersemester 2026 ein Seminar zu Vermögensdelikten. Unterrichtsinhalte betrafen insbesondere die Anpassungsfähigkeit des ukrainischen Strafrechts im Hinblick auf den angestrebten Beitritt zur Europäischen Union. Unter der Leitung von Prof. Dr. Pierre Hauck, Inhaber der Professur für Strafrecht und Strafprozessrecht an der JLU, schlossen zwölf ukrainische Studierende das Seminar erfolgreich ab.
Der Kurs wurde in englischer Sprache abgehalten und thematisierte das Rechtsgebiet der Vermögensdelikte im Vergleich zur PIF-Richtlinie der EU. Besonders spannend: Das Interesse ukrainischer Studierender war so groß, dass die Teilnahme deutlich höher war als die der Deutschen. Dies ist ein gutes Zeichen für den Akademia-Transfer und die Einbindung ukrainischer Perspektiven in den europäischen Rechtsdiskurs.
Akademische Einblicke und europäische Anbindung
Die beschäftigten Themen sind besonders relevant angesichts der umfassenden Strategie des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zur Reform des Strafrechts und des Strafverfolgungssystems. Selenskyj hat betont, dass es wichtig ist, Recht und Ordnung zu gewährleisten, während die Ukraine sich auf ihren schnellen EU-Beitritt vorbereitet. Etablierte Rechtsstandards sollen das Vertrauen der Bevölkerung in den Staat stärken und den Bürgern das Gefühl von Sicherheit und Gerechtigkeit vermitteln, was für eine positive Wahrnehmung der Regierung entscheidend ist, wie auch auf eu-info.de berichtet wird.
Ein wichtiger Aspekt der Seminarergebnisse ist die geplante Veröffentlichung mehrerer Seminararbeiten, die als exzellent bewertet wurden. Diese Erkenntnisse sollen eine wertvolle Ressource für künftige Diskussionen über die EU-Tauglichkeit des ukrainischen Strafrechts sein und gleichzeitig die JLU als akademischen Partner im Transformationsprozess Osteuropas positionieren. Das Seminar bietet somit nicht nur akademische Perspektiven, sondern liefert auch tiefere Einsichten in die Herausforderungen und Chancen, vor denen die Ukraine steht.
Zwei der Teilnehmer waren unter 25 und konnten trotz der schwierigen Lage in der Ukraine an dem Seminar teilnehmen, da sie nicht zum Militärdienst eingezogen wurden. Diese Teilnahme zeigt das große Engagement der jungen Generation, die aktiv an der Ausbildung des zukünftigen Rechtssystems ihres Landes mitwirken möchte.
Die Ukraine ist seit Sommer 2022 offiziell ein EU-Beitrittskandidat, wobei die Verhandlungen von der Erfüllung mehrerer Voraussetzungen abhängen. Dazu zählen unter anderem stärkere Maßnahmen gegen Korruption, insbesondere auf hoher Ebene, sowie die Einhaltung internationaler Standards im Kampf gegen Geldwäsche. Das Seminar an der JLU leistet somit nicht nur einen akademischen Beitrag, sondern ist auch Teil eines umfassenderen Prozesses hin zur Schaffung eines stabilen und gerechten Rechtssystems in der Ukraine.
