484,24 Euro fürs Semester: Warum Lüneburgs Studierende besonders tief in die Tasche greifen müssen
Fast 485 Euro werden an der Leuphana Universität Lüneburg im Wintersemester 2026 fällig: Der Semesterbeitrag beträgt genau 484,24 Euro. Für Inken Gatena ist das kein beiläufiger Überweisungsbetrag. Die Masterstudentin lebt von BAföG und Minijobs, während zugleich die Lebenshaltungskosten steigen – vor allem die Miete.
Im Juli entsprach die Zahlung nach ihren Angaben mehr als der Hälfte ihres monatlichen Einkommens. Seitdem wird an anderer Stelle gestrichen: Freizeitaktivitäten fallen weg, Treffen mit Freundinnen sind teilweise nicht mehr drin. Und falls die Beiträge weiter steigen, erwägt Gatena, wieder zu ihrer Mutter zu ziehen oder ihre Ausgaben noch stärker zu reduzieren.
Lüneburg liegt an der Spitze
Mit rund 485 Euro verlangt Lüneburg den höchsten Semesterbeitrag in Niedersachsen, knapp vor Göttingen. An den Universitäten in Hannover, Osnabrück und Oldenburg liegen die Beiträge zwischen 453 und 460 Euro. Zum Vergleich: In Hamburg sind es 402 Euro, in Münster rund 370 Euro.
Damit nähern sich die Beiträge in Niedersachsen wieder dem Niveau früherer Studiengebühren von rund 500 Euro. Diese hatte das Land zum Wintersemester 2014/15 abgeschafft. Die damalige Landesregierung begründete den Schritt damit, dass ein Studium nicht am Einkommen der Eltern scheitern dürfe.
Nach Angaben der Leuphana setzt sich die Summe ungefähr aus drei Blöcken zusammen: Rund 260 Euro gehen an die Studierendenschaft, davon entfallen 227 Euro auf das Deutschlandticket. Rund 150 Euro erhält das Studierendenwerk, unter anderem für Mensen und die Sanierung von Wohnheimen. Dazu kommen 75 Euro Verwaltungskostenbeitrag der Hochschulen.
Wer entscheidet über welchen Anteil?
Universitätspräsident Sascha Spoun sagt, die Leuphana könne die hohen Kosten nur begrenzt beeinflussen. Die Studierenden hätten sich in einer Vollversammlung dafür entschieden, das Deutschlandticket als Bestandteil des Beitrags zu führen. Den Anteil der Studierendenwerke legten diese unabhängig von den Universitäten fest.
Der Leuphana-AStA sieht vor allem beim Verwaltungskostenbeitrag Handlungsbedarf. Merle Horn berichtet, einige Studierende müssten bereits Kredite aufnehmen oder könnten ihr Studium wegen der Kosten gar nicht erst beginnen. Der AStA fordert deshalb insbesondere die Abschaffung der 75 Euro. Nach seinen Angaben gehört der Beitrag zu den höchsten in Deutschland; andere Bundesländer hätten ihn bereits abgeschafft.
Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur beziffert die Einnahmen aus den Verwaltungskostenbeiträgen auf rund 20 Millionen Euro jährlich. Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD) erklärt, das Land könne diese Summe derzeit nicht übernehmen. Ohne den Beitrag müssten die Hochschulen an anderer Stelle sparen – oder Niedersachsen müsste die Kosten aus dem Haushalt ausgleichen.
Eine weitere Entlastung gibt es immerhin beim Essen: Niedersachsen fördert derzeit für ein Jahr ein tägliches warmes Mensagericht für 2,50 Euro. Mehr sei nach Angaben des Ministeriums aktuell nicht finanzierbar.
Der Semesterbeitrag ist nicht die ganze Rechnung
An staatlichen Hochschulen in Deutschland gibt es derzeit keine Studiengebühren. Ein Semesterbeitrag fällt trotzdem an, und seine Höhe unterscheidet sich je nach Hochschule. Darin stecken Verwaltungskosten, der Sozialbeitrag für Angebote der Studierendenwerke – etwa Mensen und Wohnheime – und an manchen Hochschulen zusätzlich ein Semesterticket für den öffentlichen Nahverkehr.
Daneben läuft die ganz normale Rechnung weiter: Wohnen, Lebensmittel, Kleidung, Freizeit und die Fortbewegung mit Auto, Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Wie viel davon anfällt, hängt stark von den persönlichen Lebensumständen ab. Ein WG-Zimmer in München oder Berlin kann deutlich teurer sein als ein Zimmer in einer kleineren Hochschulstadt. Wer noch bei den Eltern lebt, rechnet anders als jemand, der Miete, Einkauf und Waschsalon unter einen Hut bringen muss.
Auch familiäre Verpflichtungen können ein Studium erschweren. Teilzeitstudiengänge oder ein Urlaubssemester können etwas Luft verschaffen, lösen aber nicht jedes Problem. Hochschulen, Studienberatungen und Beratungsstellen für Studierende mit Kind informieren über weitere Möglichkeiten; dort lässt sich auch klären, ob etwa ein BAföG-Zuschlag infrage kommt. Für Vorlesungen und Prüfungen sind häufig individuelle Absprachen mit Dozierenden und der Hochschule möglich.
In Göttingen, wo der Semesterbeitrag knapp hinter Lüneburg liegt, bleibt die Frage damit ziemlich praktisch: Was muss am Monatsende noch übrig sein, wenn die Überweisung fürs Semester raus ist? Bei Inken Gatena lautet die Antwort derzeit: weniger Freizeit, weniger Spielraum – und vielleicht irgendwann der Umzug zurück zur Mutter.
