Intelligente Implantate zwischen Hightech, Infektionsrisiken und lebendem Gewebe
Implantate gehören längst zum Alltag: Herzschrittmacher, künstliche Gelenke und Zahnimplantate unterstützen oder ersetzen Körperfunktionen – und werden von Millionen Menschen genutzt. Was im Körper hilfreich sein soll, lebt dort allerdings nicht im Schonbetrieb. Die Implantate sind ständig wechselnden biologischen und mechanischen Bedingungen ausgesetzt.
Auf ihren Oberflächen können sich Bakterien und Gewebe ablagern. Daraus können Komplikationen entstehen, die oft nicht sofort sichtbar werden. Forschende arbeiten deshalb an intelligenten Implantaten, die Veränderungen und Probleme frühzeitig erkennen und darauf reagieren können.
Vortrag in Herrenhausen
Wie solche Strategien aussehen, erläutern Prof. Dr. Meike Stiesch von der Medizinischen Hochschule Hannover und Prof. Dr. Philipp Junker von der Leibniz Universität Hannover. Ihr Vortrag trägt den Titel „Hightech im Körper – Wie intelligente Implantate Leben verbessern“ und findet am 24. November im Tagungszentrum des Schlosses Herrenhausen statt. Am selben Tag wird die Veranstaltung auf der Website der VolkswagenStiftung per Livestream übertragen.
An den Konzepten arbeiten Fachleute aus Medizin, Zahnmedizin, Ingenieur-, Natur- und Sozialwissenschaften. Gerade diese Mischung macht die Sache greifbar: Ein Implantat muss nicht nur technisch funktionieren, sondern sich auch in einem lebenden Körper behaupten – unter Bedingungen, die sich laufend verändern.
Infektionen im Blick der Forschung
Wie kompliziert solche Vorgänge sein können, zeigen Forschungsarbeiten aus der Medizinischen Hochschule Hannover. Sun J, Eberhard J, Glage S, Held N, Voigt H, Schwabe K, Winkel A und Stiesch M entwickelten ein Modell für Periimplantitis bei Ratten. Die Arbeit „Development of a peri-implantitis model in the rat“ erschien im März 2020 in Clinical Oral Implants Research, 31(3), 203–214. DOI: 10.1111/clr.13556.
Eine weitere Untersuchung befasste sich mit neurochirurgischen Stimulationssystemen. Hong B, Winkel A, Stumpp N, Abdallat M, Saryyeva A, Runge J, Stiesch M und Krauss JK wiesen in der Arbeit „Detection of bacterial DNA on neurostimulation systems in patients without overt infection“ bakterielle DNA bei Patientinnen und Patienten nach, obwohl keine offensichtliche Infektion vorlag. Veröffentlicht wurde die Studie im September 2019 in Clinical Neurology and Neurosurgery, 184, 105399. DOI: 10.1016/j.clineuro.2019.105399.
Auch Biofilme und Entzündungsreaktionen werden experimentell untersucht. Glage S, Paret S, Winkel A, Stiesch M, Bleich A, Krauss JK und Schwabe K beschrieben ein neues Modell, bei dem ein Schädelimplantat bei Ratten während eines Eingriffs mit Staphylococcus aureus infiziert wurde. Die Arbeit „A new model for biofilm formation and inflammatory tissue reaction: intraoperative infection of a cranial implant with Staphylococcus aureus in rats“ erschien im September 2017 in Acta Neurochirurgica, 159(9), 1747–1756. DOI: 10.1007/s00701-017-3244-7.
Daneben untersuchten Hong B, Winkel A, Ertl P, Stumpp SN, Schwabe K, Stiesch M und Krauss JK die bakterielle Besiedlung von Nahtmaterial nach routinemäßigen neurochirurgischen Eingriffen. Ihre Studie „Bacterial colonisation of suture material after routine neurosurgical procedures: relevance for wound infection“ erschien im März 2018 in Acta Neurochirurgica, 160(3), 497–503. DOI: 10.1007/s00701-017-3404-9.
Vom Hörsaal in den Körper
Für das Publikum in Hannover geht es damit nicht nur um glänzende Technik, sondern um eine ziemlich praktische Frage: Was passiert, wenn ein Implantat nicht einfach stillhält, sondern seinen eigenen Zustand beobachtet? Die Antwort darauf entsteht zwischen Labor, Klinik und Ingenieurwissenschaften – und am 24. November auch im Tagungszentrum des Schlosses Herrenhausen.
Die Veranstaltung findet in Hannover statt; als örtlicher Kontext gilt die Uni Hannover. Heute ist der 2.11.2026.
