Österreichs Nachwuchsforschung glänzt bei EUCYS in Kiel
Heute, am 3. Oktober 2026, schaut die österreichische Nachwuchsforschung nach Kiel. Dort, an der Uni Kiel, endete am 27. September der 37. European Union Contest for Young Scientists (EUCYS), der vom 22. bis 27. September 2026 rund 150 junge Forscherinnen und Forscher aus knapp 40 Ländern zusammenbrachte.
Für Österreich gab es einen zweiten Preis und einen Sonderpreis. Beim Wettbewerb Jugend Innovativ wurden außerdem die innovativsten Schulen aller neun österreichischen Bundesländer ausgezeichnet. Entscheidend waren die Zahl der Einreichungen sowie erfolgreiche Halbfinal- und Finalprojekte. Die Themen reichten von nachhaltigen Werkstoffen und Digitalisierung über Medizintechnik und Robotik bis zu gesellschaftlichen Fragen.
Neun Schulen, viele ziemlich unterschiedliche Ideen
Im Burgenland ging die Auszeichnung an die HTBLA Eisenstadt, in Kärnten an die HTL Mössingerstraße, in Niederösterreich an die HTBLuVA St. Pölten und in Oberösterreich an die HTL Braunau. Das Holztechnikum Kuchl vertritt Salzburg, die HTL Leoben die Steiermark, die HTBLA Imst Tirol, die HTL Dornbirn Vorarlberg und die HTL Rennweg Wien.
In Eisenstadt verbindet „AthloRegain – Rehabilitation und Muskelaufbau“ technische Entwicklung mit medizinischer Rehabilitation. Die HTL Mössingerstraße zeigte Nebelkollektoren zur effizienteren Wassergewinnung in trockenen Regionen – dafür gab es den 2. Platz in „Sustainability“. Dazu kamen „SunSafe“, eine sichere Aufbewahrungsbox für Mobiltelefone am Strand, und „Alt Text Generation“, ein System, das Bildbeschreibungen für Screenreader automatisch erstellt.
Die HTBLuVA St. Pölten steuerte ein „Inklusionssportgerät“ bei, mit dem Menschen Krafttraining machen können, die nicht aufstehen können. In Braunau ging es gleich mehrfach praktisch zu: „HiveScan“ erkennt Varroamilben in Bienenbrutzellen automatisch und erreichte den 3. Platz in „Engineering II“. „SmartHomeVision“ erleichtert hörbeeinträchtigten Menschen die Bedienung von Smart-Home-Systemen, „Ascenta“ ist ein kostengünstiges und reparierbares Assistenzsystem für sehbeeinträchtigte Menschen.
Auch Strom und Energie standen in Braunau auf dem Programm. Eine „Microbial Fuel Cell“ gewinnt Strom aus organischen Abfällen, „UniversalEMS“ soll lokale Stromnetze bei hoher Solarstromproduktion entlasten. Man merkt: Die Projekte sitzen nicht im Elfenbeinturm, sondern ziemlich nah am Alltag.
Das Holztechnikum Kuchl entwickelte mit „ModulAlp“ ein energieeffizientes Schutzhüttenkonzept für hochalpine Regionen. Dafür gab es den 2. Platz in „Engineering II“. Holzschaum als nachhaltige Alternative zu erdölbasiertem Styropor erhielt den 3. Platz in „Sustainability“. Die HTL Leoben setzte auf einen Estrich, der Bodenaushubmaterial verwendet und damit sowohl Abtransport als auch den Bedarf an neu abgebautem Sand reduziert.
Aus Imst kam „woodberg“: Holz und Carbon werden kombiniert, um Carbonbauteile zu verbessern. Das Projekt gewann den 1. Platz in „Engineering I“. In Dornbirn beschäftigte sich „Lunara“ mit einer Lösung gegen Periodenschmerzen und erreichte den 3. Platz in „Entrepreneurship“. Ein PFAS-freier Imprägnierspray für Textilien kam in „Science“ auf den 3. Platz. „Bearunity“ setzte sich als Designprojekt mit Vielfalt, Zusammenhalt und Inklusion auseinander.
Die HTL Rennweg brachte sechs Projekte ins Rennen. „SmartDisc“, ein intelligentes Frisbee zur Messung von Flugdaten, gewann in „Engineering II“. „Boards without Barriers“, ein anpassbares Brettspiel für Menschen mit motorischen Einschränkungen, holte den 1. Platz in „Entrepreneurship“. „ASCEND“ erkennt und wehrt Cyberangriffe auf Gebäudeleittechnik ab und kam in „ICT & Digital“ auf Platz zwei.
„PowAirLoop“, ein autonomes System zum Akkuwechsel bei Drohnen, erhielt den 2. Platz in „Engineering I“. „NATRIX“ ist ein schlangenähnlicher Roboter für die Erkundung und Inspektion enger Bereiche und wurde Dritter in derselben Kategorie. Dazu kam „SynthoBot“, ein mobiler Chemieabzug für den Unterricht.
Von der Schulwerkstatt auf die internationale Bühne
„Woodberg“ brachte Vincenz Luis Sonderegger und Adrian Elias Müller von der HTBLA Imst in Kiel den 2. Preis und 5.000 Euro Preisgeld. Leonhard Hauser von der HTBLA Ried im Innkreis erhielt für „E-Mobilität in der Milchlogistik – Elektrifizierung eines Milchtankaufbaus“ den Local Prize „Applied Engineering Excellence“.
EUCYS wird seit 1989 von der Europäischen Kommission veranstaltet und richtet sich an junge Forscherinnen und Forscher zwischen 14 und 20 Jahren. Teilnehmen können Gewinnerinnen und Gewinner nationaler Wissenschaftswettbewerbe aus Europa und weiteren Ländern, darunter Kanada und Südkorea. In Kiel präsentierten die Talente ihre Arbeiten einer internationalen Expertinnen- und Expertenjury, knüpften Kontakte und tauschten Erfahrungen mit jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt aus.
Schon beim 40. China Adolescents Science and Technology Innovation Contest, kurz CASTIC, hatte Österreich Erfolg. Max Sauer von der HTBLVA Mödling präsentierte „Outdoor-Noise-Cancellation: Reduktion von Straßenlärm durch aktiven Gegenschall“ und erhielt den CASTIC President Award – eine Medaille und 600 Euro Preisgeld. Julian Übelherr von der HTL Bregenz stellte „Analyzing and Overcoming Optimization Obstacles in Adaptive Variational Quantum Algorithms“ vor.
CASTIC zählt zu den großen internationalen Wissenschaftswettbewerben für Jugendliche. Neben dem eigentlichen Wettbewerb gehören wissenschaftlicher Austausch, internationale Zusammenarbeit und interkulturelle Begegnungen dazu; Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforscher aus China und zahlreichen weiteren Ländern kommen dort zusammen.
Die nächste Runde steht schon vor der Tür
Im Oktober 2026 startet die 40. Runde von Jugend Innovativ. Teilnahmeberechtigt sind Schülerinnen, Schüler und Lehrlinge im Alter von 15 bis 20 Jahren. Einreichungen sind in den Kategorien Design, Engineering, Entrepreneurship, ICT & Digital, Science und Sustainability möglich. Die 40. Wettbewerbsrunde soll demnächst auf der Website des Wettbewerbs veröffentlicht werden.
Jugend Innovativ gibt jungen Menschen Raum, Projektideen weiterzuentwickeln und Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu bauen, testen und verbessern. Die Projekte werden auch bei internationalen Wettbewerben präsentiert. Seit Beginn haben mehr als 12.300 Projektteams teilgenommen. Workshops und Qualifizierungsangebote für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte begleiten den Wettbewerb, darunter Beratungen zum Innovationsschutz.
Durchgeführt wird Jugend Innovativ von der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus, des Bundesministeriums für Bildung sowie des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur. Die Raiffeisen Nachhaltigkeits-Initiative unterstützt den Wettbewerb als Patin der Kategorie Sustainability.
Der Blick nach Deutschland: Jugend forscht wächst
Wie breit solche Wettbewerbe inzwischen aufgestellt sind, zeigt auch Jugend forscht. Vor 61 Jahren startete der damalige stern-Chefredakteur Henri Nannen die erste Runde. Seitdem nahmen mehr als 350.000 Kinder und Jugendliche an Deutschlands Nachwuchswettbewerb teil. Beim Bundesfinale in Herzogenaurach wurden die Siegerinnen und Sieger der 61. Wettbewerbsrunde ausgezeichnet.
Bundesbildungsministerin Karin Prien betonte die Bedeutung der MINT-Fächer angesichts gesellschaftlicher und technologischer Herausforderungen. Sie verwies außerdem auf ressortübergreifendes Denken sowie auf den Einsatz von Daten und Künstlicher Intelligenz in der Forschung.
Den „Preis des Bundeskanzlers für die originellste Arbeit“ erhielt der 18-jährige Tim Kammel aus Lemgo für seine Untersuchung der Physik von Sanduhren. Er analysierte den Einfluss verschiedener Öffnungsgrößen und Trichterformen auf den Sandfluss und entwickelte eine Computersimulation. Die Ergebnisse könnten helfen, technische Prozesse wie die Entleerung großer Getreidesilos besser zu verstehen. Am 15. September 2026 wird Kammel seine Arbeit bei einem Empfang im Bundeskanzleramt Bundeskanzler Friedrich Merz vorstellen. Der Preis wird seit 1971 vergeben; den Empfang für Bundessieger und Platzierte gibt es seit 1981.
2026 meldeten sich 11.327 Jugendliche bei Jugend forscht an, fast zehn Prozent mehr als 2025 mit 10.350. Der Mädchenanteil lag bei 41 Prozent – der zweithöchste Wert in der Geschichte des Wettbewerbs.
