Sport ist nicht nur eine Frage der Fitness – er prägt auch das soziale Miteinander, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Eine neue Studie, die von den Universitäten Konstanz und Koblenz veröffentlicht wurde, untersucht, wie der Einfluss körperlich aktiver Eltern die Sportartenwahl ihrer Kinder prägt. Die Erkenntnisse aus dieser Studie sind im European Journal for Sport and Society veröffentlicht worden.
Ein zentrales Ergebnis zeigt, dass Jungen, deren Väter aktiv sind, häufig zu männerdominierten Sportarten wie Fußball oder Kampfsport tendieren. Im Gegensatz dazu neigen Mädchen mit aktiven Müttern dazu, frauendominierte Sportarten wie Tanzen oder Turnen zu wählen. Interessanterweise ist die Einordnung der Sportarten in Männer- und Frauendominiert nicht nur einfach, sondern wird in dieser Studie sehr präzise definiert. Männerdominierte Sportarten haben einen Männeranteil von über 60%, während frauendominate Sportarten über 90% weiblich sind und geschlechtsneutrale Sportarten einen Anteil zwischen 40% und 60% aufweisen.
Elterliche Einflüsse und Veränderungen im Sportverhalten
Die Forschung beruhte auf der Motorik-Modul-Studie (MoMo), welche seit 2003 Daten über die sportliche Betätigung von 9.226 Kindern und Jugendlichen in Deutschland erhebt. Diese umfangreichen Daten belegen, dass 38% der Jungen und 34% der Mädchen ausschließlich in entweder männerdominierten oder frauendominierten Sportarten tätig sind. Ein faszinierender Aspekt ist, dass Jungen mit aktiven Eltern häufig zu geschlechtsneutralen Sportarten tendieren, wenn beide Eltern aktiv sind, während sich das Sportverhalten von Mädchen nicht signifikant ändert.
Die Studie liefert auch aufschlussreiche Informationen über den Einfluss elterlicher Bildung auf die Sportartenwahl. So zeigt sich, dass Jungen aus hochgebildeten Familien seltener in männerdominierten Sportarten aktiv sind. Dieser Einfluss der elterlichen Bildung entfällt jedoch bei den Mädchen, was die bestehenden Geschlechterrollen im Sport in Frage stellt. Trotz dieser Unterschiede bleibt die Geschlechtersegregation im Sport über fast zwei Jahrzehnte stabil, was als bedeutendes gesellschaftliches Phänomen erachtet wird.
Das Motorik-Modul (MoMo) und seine Relevanz
Das MoMo-Projekt ist ein Teil des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) des Robert Koch-Instituts und wird seit 2003 durchgeführt. Seit Oktober 2022 läuft die Studie unter dem Namen MoMo 2.0 und hat zum Ziel, das Bewegungsverhalten und die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen über längere Zeiträume hinweg zu untersuchen. Die Ergebnisse sollen in Zukunft dazu beitragen, die Gesundheitssituation in Deutschland weiter zu verbessern, insbesondere nach den Herausforderungen, die die Corona-Pandemie mit sich brachte.
Ein Highlight der MoMo 2.0-Studie wird der Kongress „Kinder bewegen“ im März 2025 sein, der brandneue Ergebnisse präsentieren wird. Dieses Event steht unter der Schirmherrschaft des Instituts für Sport und Sportwissenschaft auf und verspricht, spannende Einblicke in die Themen Bewegung und Gesundheit von Kindern zu bieten. Der Kongress wird nicht nur die aktuellen Ergebnisse diskutieren, sondern auch die Auswirkungen gesellschaftlicher Trends auf das Bewegungsverhalten von Kindern beleuchten.
In einem Land, in dem der demographische Wandel allein nicht ausreicht, um die starke Geschlechtersegregation im Sport zu durchbrechen, ist es notwendig, Eltern aktiv in körperliche Aktivitäten einzubeziehen und ein breiteres Sportartenspektrum anzubieten. Die Studie weist darauf hin, dass soziale Normen und elterliches Verhalten entscheidende Faktoren sind, die es zu berücksichtigen gilt, um eine nachhaltige Veränderung im Sportverhalten von Kindern herbeizuführen.
Abschließend zeigt sich, dass der Sport nicht nur ein Feld der körperlichen Betätigung ist, sondern auch ein Spiegel unserer gesellschaftlichen Normen und Werte. Wie der Einfluss von Eltern auf ihre Kinder die Sportartenwahl steuert, könnte entscheidend sein für die zukünftige Entwicklung von Kindern in Deutschland.