Auf den Feldern in Baden-Württemberg war der Sommer 2026 eine zähe Angelegenheit: Hitze und monatelange Trockenheit setzten der Landwirtschaft zu, Verdienstausfälle inklusive. Weizen und Gerste, lange verlässliche Getreidearten, kommen mit wochenlang ausbleibendem Regen zunehmend schlecht zurecht. Der Boden staubt, die Pflanzen stehen unter Druck.

An der Universität Hohenheim sieht Simone Graeff-Hönninger in Linsen und Kidneybohnen robustere Kandidaten für solche Bedingungen. Auch Kichererbsen eignen sich für trockene Regionen; traditionell werden sie unter anderem in Spanien, Iran und Indien angebaut. Für die Landwirtschaft in Deutschland klingt das erst einmal nach Umdenken statt Weiter-so.

Eiweiß vom Acker, Stickstoff für den Boden

Hülsenfrüchte brauchen vergleichsweise wenig Wasser und Dünger. Als Leguminosen gehen sie eine Symbiose mit Rhizobien ein: Die Bakterien binden Luftstickstoff und stellen ihn den Pflanzen sowie nachfolgenden Kulturen zur Verfügung. So bleibt Stickstoff im Boden, der Vorfruchtwert steigt, und Landwirte können Dünger und damit Kosten sparen.

Die Wirkung reicht noch weiter. Leguminosen können in der Fruchtfolge den Humusaufbau und die Bodenfruchtbarkeit fördern, das Wasserspeichervermögen verbessern und zum Klima-, Gewässer- und Ressourcenschutz beitragen. Größere Anbauflächen erweitern die Fruchtfolgen, können Schadorganismen reduzieren, die Unkrautbekämpfung verbessern, das Resistenzrisiko gegenüber Pflanzenschutzmitteln senken und deren Einsatz verringern. Blühende Eiweißpflanzen bieten außerdem bestäubenden und nektarsammelnden Insekten Nahrung.

Eine eher seltene Pflanze könnte dabei ebenfalls eine Rolle spielen: Die Platterbse ist eiweißreich und verträgt Hitze und Trockenheit, wird bislang aber nur wenig angebaut. Linsen, Kidneybohnen und Kichererbsen liefern pflanzliches Eiweiß und viele Ballaststoffe – passend für Vegetarier, Veganer und Menschen, die beim Fleischkonsum öfter einmal kürzertreten möchten.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Beim Klimaeffekt fällt der Vergleich drastisch aus: Die Produktion von 60 Kilogramm Linsen verursacht laut dem Artikel ungefähr so viel CO₂ wie die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch. Hülsenfrüchte können also zugleich bei der Anpassung an den Klimawandel helfen und Emissionen verringern.

Mehr Fläche, aber noch Luft nach oben

Die Bundesregierung fördert den heimischen Anbau seit 2012 mit der Eiweißpflanzen-Strategie. Bis 2030 sollen zehn Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Deutschlands für Eiweißpflanzen genutzt werden. Derzeit liegen Linsen, Bohnen und andere Hülsenfrüchte bundesweit bei rund 2,6 Prozent. In Baden-Württemberg ist der Anteil etwas höher, in Rheinland-Pfalz etwas niedriger als der Bundesdurchschnitt. Er wächst langsam – vom Zehn-Prozent-Ziel ist er trotzdem noch deutlich entfernt.

Deutschland baute 2024 auf rund 285.000 Hektar Körnerleguminosen an, etwa drei Prozent mehr als 2023. Seit 2011 hat sich die Fläche nahezu verdreifacht; bei Leguminosen zur Ganzpflanzennutzung gab es seit 2011 ein Plus von knapp 50 Prozent. Die Entwicklung der Körnerleguminosenflächen verlief so:

Jahr Anbaufläche
2011 97.500 Hektar
2012 82.100 Hektar
2013 74.700 Hektar
2014 92.400 Hektar
2015 160.400 Hektar
2016 187.100 Hektar
2017 197.300 Hektar
2018 191.700 Hektar
2021 244.700 Hektar
2022 288.200 Hektar
2023 276.400 Hektar
2024 285.000 Hektar

Von der Fläche 2024 entfielen 61.700 Hektar auf Ackerbohnen, 129.300 Hektar auf Erbsen, 26.100 Hektar auf Süßlupinen, 40.500 Hektar auf Soja und 27.500 Hektar auf sonstige Hülsenfrüchte.

Vor der Veröffentlichung der Eiweißpflanzen-Strategie im Dezember 2012 war der Leguminosenanbau bis 2013 wegen geringer Wettbewerbsfähigkeit rückläufig. Getreide, Mais, Zuckerrüben und Raps versprachen höhere Erträge und Erlöse. Dazu kamen komplexeres Anbaumanagement, stärker schwankende Erträge, fehlende Vermarktungs- und Aufbereitungsmöglichkeiten sowie ungünstige agrarpolitische Rahmenbedingungen. Produktionstechnische Kenntnisse, Züchtungsfortschritte, geeignete Pflanzenschutzmaßnahmen und Verfahren zur Aufbereitung und Verarbeitung gingen dadurch zurück.

Die Strategie soll Fruchtfolgen mit Leguminosen wirtschaftlich mindestens gleichwertig zu Fruchtfolgen ohne Leguminosen machen. Dabei sollen nicht nur Direkt- und Arbeitskosten zählen, sondern auch Vorfruchtwirkungen, eingesparte Stickstoffdünger und weniger Pflanzenschutzmittel. Immer mehr Landwirte erkennen laut Artikel die Vorteile, während zugleich die Nachfrage nach pflanzlichen Alternativen steigt.

Vom Acker bis zum Teller

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat, kurz BMLEH, fördert mit der Eiweißpflanzenstrategie seit 2012 Anbau und Verwertung heimischer Leguminosen. Seit 2024 berücksichtigt sie zusätzlich nicht legume Proteinquellen: Algen, Pilze sowie fermentierte und zellbasierte Verarbeitungsverfahren. Die Strategie schließt Forschungslücken und erprobt Maßnahmen entlang der gesamten Kette – vom Anbau über die Verarbeitung bis zum Konsum.

Gefördert werden unter anderem Ackerbohnen, Erbsen, Sojabohnen, Kichererbsen, Kleearten sowie nicht legume Eiweißpflanzen wie Wicken, Hanf, Lein, Hirse, Nüsse und Ölsaatenkerne. Auch Neben- und Restströme, etwa aus Ölpflanzen, sollen stärker für die menschliche Ernährung genutzt werden. Algen, Pilze und neue Verarbeitungsverfahren werden auf ihre Marktperspektiven und mögliche zusätzliche Einkommensmöglichkeiten für landwirtschaftliche Betriebe untersucht.

Im ökologischen Landbau sind Leguminosen als Stickstofflieferanten und Eiweißfuttermittel besonders wichtig. Eiweißpflanzen liefern Proteine für die menschliche Ernährung und die Tierfütterung. Die Ziele reichen deshalb über den Speiseplan hinaus: Umwelt- und Klimaschutz sowie Biodiversität sollen verbessert, mineralischer Stickstoffdünger eingespart, die Bodenfruchtbarkeit erhöht, resilientere und nachhaltigere Landwirtschaftssysteme entwickelt und regionale Wertschöpfungsketten gestärkt werden.

Unterstützung gibt es über ein Bündel aus GAP-Förderungen, Forschung, Beratung, Wissenstransfer und Demonstrationsvorhaben. Seit der GAP-Reform 2013 bestehen günstigere Rahmenbedingungen für den Leguminosenanbau; auch in der Förderperiode 2023–2027 gibt es Fördermöglichkeiten für konventionelle und ökologische Betriebe. Die erste Säule umfasst Direktzahlungen und Öko-Regelungen, die zweite Säule Programme für nachhaltige Bewirtschaftung und ländliche Entwicklung.

Die Forschung deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab und arbeitet außerdem an leistungsstarken Sorten. Koordiniert werden die Maßnahmen von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, der BLE. Die zuständige Geschäftsstelle heißt inzwischen „Kompetenzzentrum Proteine der Zukunft“.

Im Koalitionsvertrag der 21. Legislaturperiode stehen dazu mehrere Vorhaben: den heimischen Eiweißpflanzenanbau stärken, Importe verringern, nachhaltige alternative Proteine entwickeln und in den Markt einführen sowie eine umfassende EU-Eiweißstrategie unterstützen. Nicht legume Eiweißpflanzen bleiben in Deutschland allerdings Nischenkulturen und werden nur teilweise statistisch erfasst.

Europa, Soja und ein Datum für Bohnen

Am 17.