In den ländlichen Regionen Zentralafrikas hat der Verzehr von Wildfleisch stark zugenommen. Eine aktuelle Studie, veröffentlicht in „Nature“ vom Centre for the Advanced Study of Collective Behaviour an der Universität Konstanz, belegt einen Anstieg des Wildfleischkonsums von etwa 0,73 Millionen Tonnen im Jahr 2000 auf 1,1 Millionen Tonnen im Jahr 2022. Dies ist nicht nur ein Zeichen für sich verändernde Essgewohnheiten, sondern auch für die Herausforderungen, vor denen diese Regionen stehen. Die Studie weist darauf hin, dass etwa ein Fünftel der täglichen Proteinzufuhr in ländlichen Gebieten aus Wildfleisch stammt, was dessen Bedeutung unterstreicht.

Der Verzehr von Wildfleisch ist in diesen Teilen Afrikas stark verwurzelt. Neben dem Faktor der Ernährung spielt auch das Bild, das mit Wildfleisch verbunden ist, eine Rolle. Es wird oft als gesünder und schmackhafter betrachtet als Fleisch von domestizierten Tieren. Die Studie hinterlässt jedoch auch besorgniserregende Fragen zur möglichen Gefährdung der Wildtierpopulationen und zur Ernährungssicherheit. Insbesondere die begrenzte Verfügbarkeit von tierärztlicher Versorgung und Medikamenten in ländlichen Gegenden könnte langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung haben.

Wildfleisch als Statussymbol

Mattia Bessone, Postdoc am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie und Leiter der Studie, stellt fest, dass Wildfleisch oft ein Statussymbol ist, was zu seiner hohen Nachfrage beiträgt. In einem Umfeld, wo erschwingliche und sichere Alternativen rar sind, wird der Wildfleischhandel für viele Menschen zur Einkommensquelle. Die Notwendigkeit, diesen Handel zu regulieren und alternative Proteinquellen zu fördern, wird in der Studie klar adressiert. Empfohlen wird eine Förderung von domestizierten Tierarten wie Geflügel und Rindern.

Die Herausforderungen in der Ernährungssicherheit sind nicht nur in Afrika ein Thema. Auch in Europa, wie der WWF in einer anderen aktuellen Studie betont, trägt das Ernährungssystem wesentlich zum Verlust der Artenvielfalt bei. Etwa 70% der Artenvielfaltverluste an Land und 50% in Gewässern sind auf Ernährungssysteme zurückzuführen. Erstaunlich ist der hohe Biodiversitätsfussabdruck, der durch tierische Produkte entsteht: In Deutschland verursacht er zu 77% durch diese Produkte, wobei Fleisch allein mit 58% den größten Anteil hat. Ein Umstieg auf pflanzliche Ernährung könnte diesen Fussabdruck signifikant reduzieren.

Der Weg zur nachhaltigen Ernährung

Ein nachhaltiger Umgang mit der Nahrung umfasst die Berücksichtigung von Klima- und Umweltaspekten, sozialen Gerechtigkeitsfragen und Tierwohl. Der WWF schlägt vor, politisch zu intervenieren, um das Ernährungssystem zu verändern – etwa durch Zielvorgaben für den Konsum tierischer Produkte und wirtschaftliche Anreize. Auch das Bewusstsein der Verbraucher ist gefragt: Regional sei der Verzehr von Fleisch aus nachhaltiger Jagd, wie Wildfleisch, im Vergleich zu herkömmlicher Tierhaltung vorbildhaft. Zudem sollte jeder Einzelne beim Kauf darauf achten, wie und wo die Lebensmittel produziert werden.

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Vor uns liegt eine bedeutende Herausforderung, die sowohl die Akzeptanz alternativer Proteinquellen als auch eine Veränderung der Essgewohnheiten erfordert. Umso wichtiger ist es, über verantwortungsvolle Lebensmittelproduktion nachzudenken und regionale Erzeuger zu unterstützen, um einen positiven Einfluss auf die lokalen Märkte und die Umwelt zu erzielen.