Filmmusik im Wandel: Wie Klänge unsere Mythen neu gestalten
Die Rolle der Filmmusik in unserem Verständnis von Kultur und Identität unterzieht sich gegenwärtig einer faszinierenden Untersuchung. Heute befasst sich der Musikwissenschaftler Dr. Gernot Preusser intensiv mit den Klängen, die unsere Wahrnehmung von kultureller Fremdheit prägen. In seiner Dissertation erforscht er, wie stereotype Klangbilder in Filmen dazu dienen, moderne Mythen und narrative Weltmodelle zu konstruieren. Dies geschieht, indem er die Verbindungen zwischen der Filmmusik und den Einflüssen berühmter Komponisten wie Richard Wagner und anderen untersucht.
Für viele Filmfans sind der Soundtrack zu „Avatar“ oder die majestätischen Klänge von „Ben Hur“ ein vertrauter Bestandteil des Kinoerlebnisses. Leuphana stellt fest, dass diese Filme stereotype Klangmuster verwenden, die kulturelle Differenz stark vereinfachen. Preusser hebt hervor, dass diese exotischen Klangbilder oft unbewusst verarbeitet werden, um ein Gefühl von Fremdheit und Neuartigkeit zu erzeugen. In Anlehnung an die Werke von Puccini, Richard Strauss und Rimski-Korsakow erkennt er, wie tief die Wurzeln dieser Klischees in der Musikgeschichte liegen.
Wagners Einfluss bis in die Gegenwart
Ein zentraler Punkt in Preussers Forschung ist der anhaltende Einfluss von Richard Wagner auf die Filmmusik. Wagners Techniken, insbesondere die Verwendung von Leitmotiven, haben die Entwicklung der Filmmusik grundlegend geprägt. Die Eindrücke, die Wagners Musik auf das Kino hinterlassen hat, sind durch die Jahrhunderte hinweg offensichtlich. Wikipedia berichtet, dass Wagner nicht nur einen beeindruckenden Einfluss auf europäische Komponisten hatte, sondern auch auf die amerikanische Filmmusik im Goldenen Zeitalter Hollywoods. Komponisten wie Max Steiner und John Williams setzten Wagners Techniken fort und entwickelten eine eigene, charakteristische Musiksprache für das Kino.
Wagners Einfluss ist nicht nur theoretischer Natur; so beginnt der Stummfilm mit Pionieren wie Giuseppe Becce, der Wagners Stil in seinen Kompositionen aufgriff. Seine Sammlung von Stummfilm-Begleitungen zeigt, wie eng Filmmusik mit der Opernkultur verwoben ist und wie diese Tradition in der amerikanischen Kinoindustrie fortlebt. Preusser weist darauf hin, dass moderne Filmmusik zunehmend kritisch reflektiert, wie kulturelle Stereotypen entstehen, wobei beispielsweise der Film „Dune“ von Hans Zimmer eine bemerkenswerte Verschiebung der Perspektive zeigt, indem es das Fremde zum zentralen Erzählmoment erhebt.
Die Zukunft der Filmmusik
Seit den 2010er-Jahren wird ein Trend beobachtet, der die Stereotypen in der Filmmusik hinterfragt und aktualisiert. Komponist*innen beginnen, sich intensiv mit den Klischees auseinanderzusetzen, die über Generationen hinweg in ihrer Kunst überliefert wurden. Preusser kombiniert qualitative Interviews mit Komponisten, Musikanalysen von Soundtracks und detaillierte Analysen einzelner Filmszenen, um ein umfassendes Bild der aktuellen Situation zu zeichnen. Der Dialog mit Prof. Dr. Michael Ahlers an der Leuphana Universität war dabei für seine Promotion entscheidend, die er berufsbegleitend absolviert hat. Die flexible Struktur des Promotionsstudiums und die enge Betreuung boten ihm einen idealen Rahmen, um seine Ideen zu verwirklichen.
In einer Welt, in der Klang und Bild immer enger miteinander verknüpft sind, bleibt die Frage, wie Filmmusik unsere Wahrnehmung von Kultur weiterhin beeinflussen wird. Preussers Untersuchungen könnten dabei wegweisend sein und uns helfen, die kulturellen Narrative, die uns umgeben, besser zu verstehen.
