Wussten Sie, dass es einen Bandwurm gibt, der den Lebensstil von Ameisen so grundlegend beeinflussen kann, dass die befallenen Arbeiterinnen länger leben als ihre nicht infizierten Nestgenossinnen? Diese bemerkenswerte Entdeckung wurde von einer Gruppe von Forschenden der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) gemacht, die den Parasiten Anomotaenia brevis in der Art Temnothorax nylanderi untersuchten. Laut presse.uni-mainz.de hat die Studie gezeigt, dass diese infizierten Arbeiterinnen eine Überlebensrate aufweisen, die der von Ameisenköniginnen ähnelt, welche bis zu 20 Jahre alt werden können.

In einer mehrjährigen Untersuchung der Ameisen im Lennebergwald bei Mainz teilten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Tiere in drei Gruppen ein: Königinnen, infizierte Arbeiterinnen und nicht infizierte Arbeiterinnen. Die Ergebnisse waren bemerkenswert: Infizierte Ameisen lebten nicht nur länger, sondern wirkten auch weniger aktiv und deren Stoffwechsel ähnelte dem der Königinnen. Die Forscher analysierten Gehirn und Fettkörper der Ameisen mittels RNA-Sequenzierung, um aktive Gene zu identifizieren. Dabei fiel auf, dass der Bandwurm die Physiologie der Ameisen gezielt verändert, was über einen rein krankhaften Einfluss hinausgeht.

Der Jungbrunnen im Ameisenkörper

Wie kommt es aber, dass die Larven des Bandwurms eine solche Wirkung haben? Gemäß merkurist.de geben die Larven Proteine mit Antioxidantien ab, die den Alterungsprozess der befallenen Ameisen direkt beeinflussen. Während sie im Jugendstadium verharren, erhalten sie mehr Zuwendung und Fütterung von ihren Artgenossen, sodass sie in gewisser Weise im Nest wie Königinnen behandelt werden.

In der Natur gibt es jedoch auch Risiken. Unbemerkt von der Kolonie müssen die älteren Arbeiterinnen riskante Futtersuchen außerhalb der sicheren Umgebung der Nester unternehmen. Infizierte Ameisen zeigen eine hellere Farbe und sind weniger aktiv, was sie als Träger des Parasiten kennzeichnet.

Ein Modell für die Forschung

Die an der JGU durchgeführte Studie, die in der Fachzeitschrift BMC Genomics veröffentlicht wurde, eröffnet neue Perspektiven für die Forschung. Die Wissenschafter wollen weiter erforschen, welche molekularen und epigenetischen Faktoren bei der Interaktion zwischen dem Bandwurm und seinen Wirten eine Rolle spielen. Diese Erkenntnisse könnten grundlegendes Wissen über die Mechanismen der parasitären Manipulation von Alterung und Verhalten liefern und das Ameisen-Bandwurm-System als Modell für solche Untersuchungen festigen.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Das Spannungsfeld zwischen Wirten und ihren Parasiten ist nicht nur biologisch interessant, sondern zeigt auch, wie wichtig klimatische Bedingungen sind. In einer anderen Studie, die von der gleichen Forschergruppe durchgeführt wurde, wurde festgestellt, dass Klima und dessen Veränderungen das Kommunikations- und Verhaltensergebnis zwischen Ameisen und ihren Sozialparasiten erheblich beeinflussen können, wie in einer Veröffentlichung bio.uni-mainz.de erläutert wird.

Die Ergebnisse dieser Forschungen könnten nicht nur unser Wissen über das Leben von Ameisen erweitern, sondern auch darüber, wie Parasiten das Verhalten ihrer Wirte steuern und möglicherweise sogar das Altern beeinflussen.