Heute, am 6. November 2026, wirkt der Weg ins Rechenzentrum an der Universität Mainz zunächst erstaunlich unspektakulär. Drinnen ändert sich das schnell: Serverräume sind kleiner, als viele Besucher erwartet haben, gut gesichert – und ziemlich laut. Kein leises Summen im Hintergrund, sondern eine konstante Geräuschkulisse, die man eher spürt als nur hört.

Beim bundesweiten „Tag der offenen Rechenzentren“ konnten Interessierte heute Serverräume an der Universität Mainz und in Mutterstadt besichtigen. Die Informationen dazu wurden am 6. November 2026 veröffentlicht und aktualisiert. Ein Blick hinter die Kulissen also, dorthin, wo ein Teil des Internets wohnt – zumindest die Technik, die viele digitale Dienste am Laufen hält.

Zwischen Servern und Schulhof

Während in Mainz und Mutterstadt die Hardware im Mittelpunkt steht, geht es an einer Schule im Hunsrück um eine andere Seite des Internets. Die Schülerin Alaina engagiert sich dort als Medienscout gegen Mobbing und Hass im Netz. Sie war selbst von Mobbing betroffen und unterstützt inzwischen andere Schülerinnen und Schüler.

Das ist nötig, denn Mobbing unter Schülern bleibt ein verbreitetes Problem: Rempeleien auf dem Schulhof gehören ebenso dazu wie beleidigende Nachrichten per Handy. Alaina kennt diese Dynamik aus eigener Erfahrung – und versucht nun, anderen den Rückhalt zu geben, den sie selbst offenbar gebraucht hätte.

Ein Tag mit Vorgeschichte

Der Tag der offenen Rechenzentren ist keine neue Idee. 2023 öffneten erstmals Rechenzentren ihre Türen für Interessierte. Im November 2024 und 2025 wurde die Veranstaltung fortgesetzt; 2025 beteiligten sich bis zu 26 Rechenzentren in 16 deutschen Städten.

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Auch für den 6. November 2026 war bundesweit erneut ein solcher Tag geplant. Die Veranstalter wollen Einblicke hinter die Kulissen ermöglichen. Vorab standen im Blog Fotos und Eindrücke früherer Veranstaltungen bereit. Dort finden sich außerdem Informationen zum Ökosystem der Rechenzentren und zu Nachhaltigkeitsinitiativen der Branche.

Wer lieber erst einmal digital einsteigt, kann den Persönlichkeitstest „Dat-o-Mat“ ausprobieren. Er soll zeigen, wie digital man lebt und Rechenzentrumsdienste nutzt. Ein bisschen Selbsttest, ein bisschen Blick auf die Infrastruktur dahinter.

Die unsichtbare Rechnung

Rechenzentren sind zentrale Infrastruktur der Digitalisierung. Ihr Bedarf an Rechenleistung, Strom und natürlichen Ressourcen steigt weiter. Gleichzeitig lautet das Ziel, die Umweltbelastungen durch Rechenzentren möglichst gering zu halten.

Wie groß die weltweite Belastung tatsächlich ist, lässt sich für 2020 allerdings nicht verlässlich beziffern. Belastbare globale Verbrauchsdaten liegen nicht vor. Schätzungen reichen beim Energiebedarf von etwa 200 bis 1.000 TWh und bei den Emissionen von etwa 100 bis 500 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten. Diese enorme Spannweite macht verlässliche Aussagen zum weltweiten Energieverbrauch und zu den jährlichen Emissionen unmöglich – und erschwert eine gezielte Umweltpolitik.

Gesetzliche Anforderungen an Energie- und Ressourceneffizienz gibt es nicht. Betreiber sollen ihren Strombedarf trotzdem aus Klimaschutz- und Kostengründen reduzieren. Einfach ein einzelnes Gerät effizienter zu machen, reicht dabei nicht automatisch. Verbesserungen bei der Energieeffizienz einzelner Elektronikgeräte führen nicht zwingend zu effizienteren Rechenzentren.

Entscheidend ist auch die Auslastung. Ein leistungsstarker, effizienter Multi-Core-Server kann bei dauerhaft niedriger Auslastung mehr Energie verbrauchen als ein schwächerer Server, der stärker genutzt wird. Überdimensionierte Technik, kurze Erneuerungszyklen und schlecht ausgelastete Systeme verschwenden Energie und Rohstoffe. Ungenutzte IT-Ressourcen laufen im Leerlauf weiter, ohne Rechenleistung zu erbringen.

Mehr als eine Zahl am Gebäude

Für die Bewertung und Kontrolle von Effizienzmaßnahmen braucht es geeignete Kennzahlen. Häufig verwendet wird die Power Usage Effectiveness, kurz PUE. Sie setzt den Gesamtenergieverbrauch eines Rechenzentrums ins Verhältnis zum Energieverbrauch der Informationstechnik.

Der PUE-Wert beschreibt allerdings vor allem die Effizienz der Gebäudetechnik, etwa der Klimatisierung, und nicht die Gesamteffizienz des Rechenzentrums. Die größten Umweltwirkungen entstehen durch die Informationstechnik selbst. In drei untersuchten Rechenzentren hatten die Server den höchsten Anteil an den Gesamtbelastungen; auf die Gebäudetechnik entfielen lediglich 15 bis 30 Prozent.

Das Umweltbundesamt entwickelte deshalb das Kennzahlensystem „Key Performance Indicators for Data Center Efficiency“, kurz KPI4DCE. Es bewertet seit 2018 die Energie- und Ressourceneffizienz ganzheitlich. Berücksichtigt werden der gesamte Lebenszyklus der Informationstechnik und der technischen Versorgungsstruktur, die Rechen-, Speicher- und Übertragungsleistung im Verhältnis zum Energie- und Rohstoffaufwand sowie die Bereiche Server, Storage, Netzwerktechnik und Gebäudetechnik.

Messungen in Rechenzentren zeigen eine unzureichende Auslastung von Servern, Speichersystemen und Datennetzwerken. Im ineffizientesten der drei untersuchten Rechenzentren wurden pro Rechenoperation zehnmal mehr Treibhausgase ausgestoßen als notwendig. Das klingt nicht nach einer kleinen Stellschraube, eher nach ordentlich Luft nach oben.

Ein Umweltzeichen für Rechenzentren

Der „Blaue Engel für Rechenzentrum“ mit der Kennnummer DE-UZ 228 bündelt die bisherigen Umweltzeichen „Energieeffizienter Rechenzentrumsbetrieb“ (DE-UZ 161) und „Klimaschonende Co-Location-Rechenzentren“ (DE-UZ 214).

Der neue Blaue Engel berücksichtigt neben den bisherigen Betreibermodellen auch Betreiber, die ihre Informationstechnik auf einer ausgezeichneten Fläche eines Co-Location-Rechenzentrums verwalten. Ob die Vergabekriterien eingehalten werden, prüfen unabhängige, vom Umweltbundesamt mandatierte Auditoren.

Ausgezeichnet werden können Rechenzentren, deren technische Gebäudeausrüstung energieeffizient sowie klima- und ressourcenschonend betrieben wird. Voraussetzung sind außerdem langfristige Strategien zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz, ein effizienter Betrieb der Informationstechnik und die Möglichkeit für Kunden, Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz umzusetzen. Mindeststandards und transparente Berichte sollen IT-Betreibern einen energieeffizienten Betrieb ermöglichen.

Am Ende des Rundgangs bleibt damit ein etwas widersprüchliches Bild: Die Anlagen an der Universität Mainz und in Mutterstadt sind kleiner als erwartet, aber ihr Einfluss reicht weit über die Räume mit den gesicherten Türen hinaus. Hinter dem Lärm der Server steckt eine Infrastruktur, die immer mehr Leistung braucht – und hoffentlich nicht ebenso viel Verschwendung.