Der Plenarsaal war voll, als das 61. Marburger Studierendenparlament am 21. Oktober 2026 zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentrat. Zahlreiche Studierende verfolgten die Debatte – und mussten lange bleiben: Die Sitzung dauerte bis spät in die Nacht.

Vieles klang dabei nach déjà-vu. In den vergangenen Legislaturperioden waren Sitzungen wegen fehlender Parlamentarier vorzeitig beendet worden, Ämter blieben unbesetzt, und der AStA-Vorstand hatte sogar mit Arbeitsniederlegung gedroht. Für die Legislaturperiode 2026/27 hatten Parlamentarier angekündigt, die Arbeitsfähigkeit des Gremiums zu verbessern. Der Auftakt geriet trotzdem erneut chaotisch.

Warnung vor einer Blockade

Stefan Rösel von der Rechtsabteilung der Universität nahm an der Sitzung teil. Er forderte das Stupa auf, schneller arbeitsfähig zu werden. In Gesprächen des Präsidiums sei laut Rösel das Wort „Zwangsverwaltung“ gefallen. Das sei allerdings nicht die Absicht des Uni-Präsidiums oder der Rechtsabteilung.

Die Studierendenschaft ist nach hessischem Hochschulrecht eine rechtsfähige Körperschaft des öffentlichen Rechts und verfügt über finanzielle Autonomie. In Ausnahmesituationen kann eine übergeordnete Behörde diese Autonomie durch eine Zwangsverwaltung einschränken. Einen vergleichbaren Fall gab es an der Universität Duisburg-Essen, nachdem der dortige AStA etwa 500.000 Euro Schulden angehäuft hatte. Marburg sei davon derzeit noch weit entfernt, sagte Rösel. Die Entwicklung gebe aber Anlass zur Sorge.

Ein neuer AStA wurde in der Sitzung nicht gewählt. Einzelne Parlamentarier der Liste „Fachschaft Medizin“ sollen den Saal vorzeitig verlassen haben. Bestätigt wurde immerhin der neue Stupa-Vorstand: Alexandra Mertens von der Fachschaft Medizin, Leonar Preß von der Rosa Liste, Johannes Berg von der Fachschaft Medizin und Armin Werner, ebenfalls Fachschaft Medizin.

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Haushaltssperre bleibt bestehen

Anfang Oktober hatte der amtierende AStA-Vorstand eine Haushaltssperre verhängt. Als Grund nannte er die Blockade im Stupa, durch die die AStA-Arbeit nicht mehr zu leisten sei. Für den Fall einer anhaltenden Blockade hatte der Vorstand mit Arbeitsniederlegung gedroht.

Alice Schaller von der Rosa Liste, derzeit kommissarische AStA-Vorsitzende, kündigte nach der Sitzung Beratungen des gesamten AStA an. Der weitere Kurs solle basisdemokratisch beschlossen werden. Enttäuschend sei, dass die öffentliche Ankündigung des Vorstands keine Veränderung bewirkt habe.

Vier Ausschüsse begleiten das Parlament

Abseits der Plenarsitzungen wird die Arbeit des Studentinnenparlaments von vier ständigen Ausschüssen begleitet. Ihre Mitglieder werden gewählt oder entsandt. Bei Bedarf können weitere Ausschüsse einberufen werden.

Die Ausschüsse legen dem Studentinnenparlament regelmäßig einen schriftlichen Bericht vor und stehen den Parlamentarierinnen und Parlamentariern außerdem persönlich für Fragen zur Verfügung. Der Vorstand des Studentinnenparlaments lädt sie spätestens zur konstituierenden Sitzung des Studentinnenparlaments ein.

Die Amtszeit eines Ausschusses beginnt mit seiner konstituierenden Sitzung und endet mit der konstituierenden Sitzung des nachfolgenden Ausschusses. Wer in welchem Ausschuss sitzt, steht auf der jeweiligen Unterseite im Kasten auf der rechten Seite der Website des AStA Marburg.

Gerade angesichts der jüngsten Sitzung kommt diesen Gremien einiges zu: Sie sollen beraten, berichten und Arbeit vorbereiten, während das Parlament selbst noch um seine Beschlussfähigkeit ringt. Am 21. Oktober war davon im voll besetzten Saal allerdings wenig Ruhe zu spüren.