Die Probleme und Lösungen im Bereich der Menschenrechte in Migrationskontexten stehen momentan im Fokus interdisziplinärer Forschung. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat jetzt die zweite Förderphase der Forschungsgruppe „Menschenrechtsdiskurse in der Migrationsgesellschaft“ (MeDiMi) ins Leben gerufen. Diese läuft von 2027 bis 2031 und setzt sich aus Kooperationen zwischen den Universitäten Gießen, Marburg und der Freien Universität Amsterdam zusammen. Die DFG stellt hierfür bis zu 4,4 Millionen Euro bereit, wovon allein etwa 3,6 Millionen Euro an die Justus-Liebig-Universität Gießen fließen.

In der ersten Förderphase, die von 2022 bis 2026 stattfand, wurde das Phänomen der sogenannten „Vermenschenrechtlichung“ aus verschiedenen Perspektiven – Rechts-, Sozial- und Kulturwissenschaften – erforscht. Diese umfassende Analyse zeigt, wie gesellschaftliche Entwicklungen die Menschenrechte von Migrantinnen und Migranten beeinflussen. Professor*innen, darunter Susanne Buckley-Zistel und Darius Zifonun von der Universität Marburg, treiben diese wichtige Thematik voran.

Projekte und Ziele der neuen Förderphase

Für die zweite Phase sind sieben neue Einzelprojekte vorgesehen, die abermals Expert*innen von der JLU, der Philipps-Universität Marburg und der Freien Universität Amsterdam einbinden. Besonders betont wird die Rolle von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die voraussichtlich drei Viertel der Mittel erhalten. Die Sprecher der Gruppe, darunter Prof. Dr. Jürgen Bast, beschäftigen sich mit zentralen Fragen der Teilhabe von Migrantinnen und Migranten und deren Reaktionen auf rechtliche und gesellschaftliche Herausforderungen.

Das parallel laufende Teilprojekt an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena befasst sich speziell mit Menschenrechtsdiskursen im deutschen Migrationsrecht. Unter der Leitung von Prof. Dr. Frederik von Harbou werden hier wichtige Themen wie Gebietszulassung, Asylberechtigung und Einbürgerung detailliert analysiert. Ziel ist es, ein neues Verständnis der Rolle der Menschenrechte im deutschen Rechtssystem zu entwickeln. Dabei wird die Rezeption völkerrechtlicher Vorgaben untersucht und empirisches Material aus Gesetzgebungs- und Gerichtsverfahren ausgewertet.

Darüber hinaus zeigt die Forschungsgruppe, wie sich seit 1993 eine menschenrechtliche Transformation im deutschen Migrationsrecht vollzogen hat. Diese Transformation wird im Kontext aktueller gesellschaftlicher Debatten um Migration und Integration betrachtet und steht im direkten Dialog zu Entwicklungen wie der Konstitutionalisierung und Europäisierung des Rechts. Auch gegenläufige Tendenzen, wie die Versicherheitlichung des Migrationsrechts, werden dabei thematisiert.

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Der gesellschaftliche Einfluss der Forschung

Die JLU-Präsidentin Prof. Dr. Katharina Lorenz hebt in diesem Zusammenhang die hohe Bedeutung der Forschung in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Debatte um Migrationsfragen hervor. Es ist entscheidend, dass interdisziplinäre Ansätze zur Untersuchung von Zugehörigkeit und Integration in Migrationsgesellschaften gefördert werden. Die DFG macht mit ihrem Engagement deutlich, dass sie die Dringlichkeit solcher Analysen erkennt und unterstützt.

Mit diesen vielseitigen Ansätzen und tiefgründigen Forschungen leistet die Forschungsgruppe MeDiMi einen bedeutenden Beitrag zur Aufklärung über die Herausforderungen und Chancen, die das Thema Migration in unserer vielfältigen Gesellschaft mit sich bringt. Die Ergebnisse dieser Forschung könnten wegweisend sein für die Entwicklung von neuen rechtlichen Grundlagen und sozialpolitischen Maßnahmen, die den Respekt und die Wahrung der Menschenrechte für alle Migrant:innen sicherstellen.

Das Vorhaben steht nicht nur für akademischen Austausch, sondern auch für eine klare Positionierung in zentralen gesellschaftlichen Fragen. Erkenntnisse aus diesen Forschungsprojekten könnten daher weitreichende Konsequenzen für politische Entscheidungsprozesse und die öffentliche Wahrnehmung von Migration haben.