Heute, am 23. Oktober 2026, treffen sich an der Uni Marburg rund 150 Wissenschaftler und Studierende zur internationalen Konferenz „The Future of Building Peace“. Die Zentrumstage laufen vom 22. bis 24. Oktober. Schauplatz sind das Sprachatlas-Gebäude und das benachbarte Uni-Seminargebäude.

Gefeiert wird das 25-jährige Bestehen des Zentrums für Konfliktforschung. Im Mittelpunkt steht die Zukunft der Friedensförderung: Welche Ansätze tragen noch, welche neuen Perspektiven braucht es, und wie kann Peacebuilding künftig aussehen? Teilnehmen sollen Wissenschaftler*innen aus der Friedens- und Konfliktforschung sowie aus angrenzenden Disziplinen.

Zwischen Ukrainekrieg, Gaza und globaler Instabilität

Der Anlass wirkt drängend. Der Ukrainekrieg und der Gaza-Konflikt nähren die Sorge, dass sich globale Konflikte weiter ausbreiten. Laut Veranstaltungsankündigung nehmen weltweit Kriege, politische Spannungen und gewaltsame Auseinandersetzungen zu. Internationale Institutionen, Regeln und Normen geraten dadurch unter Druck; zugleich verändern sich politische, gesellschaftliche und akademische Räume.

Die Konferenz fragt deshalb, wie Frieden unter Bedingungen globaler Instabilität und tiefgreifender Transformation verstanden, ausgehandelt und praktiziert werden kann. Auf der Tagesordnung stehen internationale Friedens- und Sicherheitsinterventionen, politische Repräsentation und Ungleichheit, Umweltkonflikte, Migration und Menschenrechte. Auch Transitional Justice, Friedenspädagogik, Gender- und LGBTQ+-Rechte sowie postkoloniale Machtverhältnisse gehören dazu.

Uni-Vizepräsidentin Sabine Pankuweit betont die Bedeutung von Forschung und Lehre zu den Bedingungen von Frieden und den Ursachen von Konflikten. Geschäftsführer Stéphane Voell will mit der Veranstaltung klären, welchen Beitrag die Friedens- und Konfliktforschung in einer zunehmend von Gewalt, Kriegen und geopolitischen Spannungen geprägten Welt leisten kann.

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25 Jahre Zentrum, viele offene Fragen

Am ersten Konferenztag steht die Geschichte des Zentrums im Mittelpunkt. Ehemalige geschäftsführende Direktoren diskutieren über seine Entwicklung und über jene der Friedens- und Konfliktforschung. Ein weiteres Panel widmet sich aktuellen Fragen des Fachs. Laufende und kürzlich abgeschlossene Forschungsprojekte werden vorgestellt. Rückblick und wissenschaftlicher Austausch sollen dabei nicht unter sich bleiben: Die Zentrumstage sollen auch Perspektiven für die künftige Arbeit entwickeln.

Gegründet wurde das Zentrum 2001 von Professor Ralf Zoll als zentrale Einrichtung der Philipps-Universität Marburg. Es bündelte die Forschungs- und Lehraktivitäten im Bereich Friedens- und Konfliktforschung. Grundlage waren Arbeiten interdisziplinärer Arbeitsgruppen zur Friedens- und Abrüstungsforschung, die Mitte der 1990er-Jahre zum ersten deutschen Studienangebot für Friedens- und Konfliktforschung als Diplom- und Magisternebenfach geführt hatten.

Die Nachfrage unter Studierenden war stark. Daraufhin richtete die Universität eine Professur für Friedens- und Konfliktforschung ein. Heute untersucht das Zentrum Ursachen, Dynamiken und Folgen von Konflikten und beschäftigt sich mit der Gestaltung von Frieden. Zu den Forschungsschwerpunkten gehören die konstruktive Bearbeitung von Konflikten, die Dynamik von Intergruppenkonflikten, die Aufarbeitung von Massengewalt, internationale Ansätze der Friedenskonsolidierung sowie Ursachen und Folgen konfliktbedingter Flucht und Migration.

Ein Fach zwischen Empirie und Friedenskultur

Friedens- und Konfliktforschung ist eine politikwissenschaftliche Teildisziplin der Internationalen Beziehungen. Sie untersucht quantitativ und qualitativ innerstaatliche, zwischenstaatliche und transnationale bewaffnete Konflikte und Kriege. Zu ihren Methoden gehören Deskription und Empirie. Das Forschungsfeld ist interdisziplinär und verbindet unter anderem Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Sicherheitsstudien, politische Theorie und Philosophie.

Als Gründungsvater und theoretischer Vordenker gilt Johan Galtung. Er gründete 1959 in Oslo das Peace Research Institute Oslo (PRIO), das als erstes Friedensforschungsinstitut Europas gilt. Im Zusammenhang mit PRIO erschien mit dem „Journal of Peace Research“ das erste wissenschaftliche Journal des Fachgebiets.

In Deutschland entwickelte sich das Fach vergleichsweise spät. 1968 schlossen sich Forschende verschiedener Disziplinen aus dem deutschsprachigen Raum zur Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung zusammen. 1969 setzte sich Bundespräsident Gustav Heinemann in seiner Antrittsrede ausdrücklich für eine Stärkung des Forschungsfeldes ein. Im Herbst 1970 wurde die Deutsche Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung (DGF) gegründet.

Zunächst entstanden außeruniversitäre Institute: die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) in Frankfurt am Main und das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH) in Hamburg. Die Verankerung an deutschen Universitäten verlief langsamer. Anfang der 1970er-Jahre wurden am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin zwei Professuren eingerichtet: Innenpolitik und Friedensforschung sowie Internationale Politik und Friedensforschung.

Im Jahr 2000 beschloss der Deutsche Bundestag eine offizielle Förderung aus Bundesmitteln. Dafür wurde die Deutsche Stiftung Friedensforschung (DSF) gegründet und mit 25,56 Millionen Euro Stiftungskapital ausgestattet. Ihre Aufgaben sind die allgemeine Förderung der Friedens- und Konfliktforschung, der Schutz ihrer politischen und finanziellen Unabhängigkeit sowie der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Politik. Zum Wintersemester 2002/03 startete an der Universität Hamburg der erste eigenständige Masterstudiengang des Fachs.

Galtung unterschied zwischen negativem und positivem Frieden. Negativer Frieden bezeichnet die Abwesenheit von Krieg beziehungsweise direkter physischer Gewalt. Positiver Frieden umfasst zusätzlich mehr soziale Gerechtigkeit und eine gesamtgesellschaftliche Friedenskultur. Das klingt zunächst schlicht, wird aber schnell kompliziert, sobald man genauer hinschaut.

Schon der Begriff „Krieg“ lässt sich quantitativ und qualitativ bestimmen. Eine verbreitete quantitative Definition stammt von J. David Singer und Melvin Small aus dem Forschungsprojekt „Correlates of War“ der University of Michigan. Krieg ist demnach eine längerfristige Gewaltanwendung mit einer signifikanten Zahl an Opfern; als Schwelle gelten mindestens 1.000 getötete Kombattanten pro Jahr. Kritisiert wird daran, dass der Wert von 1.000 Toten teilweise willkürlich gewählt ist, Opferzahlen wegen hoher Dunkelziffern nur eingeschränkt zuverlässig sind und Konfliktparteien sie propagandistisch verzerren können.

Der ungarische Konfliktforscher István Kende definierte Krieg qualitativ anhand von drei Merkmalen. Erstens müssen mindestens zwei bewaffnete Streitkräfte beteiligt sein, wobei mindestens eine Seite über reguläre staatliche Kräfte wie Militär, paramilitärische Verbände oder Polizeieinheiten verfügt. Zweitens brauchen die Parteien und ihre Kämpfe ein Mindestmaß an zentraler Organisation, etwa durch organisierte Verteidigung oder geplante Guerilla- und Partisanenoperationen. Drittens müssen die bewaffneten Operationen kontinuierlich und strategisch geplant stattfinden, nicht bloß als gelegentliche spontane Zusammenstöße.

Von Konfliktursachen bis zur Mediation

Das Fach befasst sich mit der Charakterisierung internationaler und innerstaatlicher Konflikte, ihren notwendigen und hinreichenden Ursachen, ihrem Verlauf, Prävention, Konfliktlösung und Konfliktkosten. Untersucht werden Auseinandersetzungen zwischen Staaten, Volksgruppen, Organisationen, Interessengruppen und Einzelpersonen.

Für innerstaatliche Konflikte gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze. Auseinandersetzungen können aus wahrgenommenen oder tatsächlich bestehenden Interessengegensätzen und Unzufriedenheiten entstehen, etwa durch ethnische Diskriminierung, fehlende politische Beteiligung, ungleichen Ressourcenzugang oder kulturelle Unterdrückung. Konstruktivistische und poststrukturalistische Ansätze betonen zugleich, dass solche Unzufriedenheiten teilweise von Gewaltunternehmern oder extremistischen Gruppen konstruiert werden.

Andere Forschende gehen davon aus, dass in jeder Gesellschaft genügend Spannungen vorhanden sind und der Gewaltausbruch vor allem von den Möglichkeiten potenzieller Rebellen abhängt. Dazu zählen schwache Staatlichkeit, externe oder interne Finanzierungsquellen, Rückzugsgebiete und gute Rekrutierungsmöglichkeiten. Paul Collier und Anke Hoeffler argumentieren, Bürgerkriege brächen vor allem dann aus, wenn sie vielen beziehungsweise wichtigen Akteuren Möglichkeiten zur Bereicherung bieten.

Bei zwischen- und innerstaatlichen Konflikten können Staaten versuchen, ihre Macht, Ressourcenbasis oder Sicherheit zu maximieren. Daneben spielen wahrgenommene Unzufriedenheiten, Bedrohungswahrnehmungen und überlieferte Feindschaften eine Rolle.

Das normative Ziel der Fried