Eine bemerkenswerte Entdeckung könnte die Auffassung über die assyrische Geschichte entscheidend verändern. Forscher der Yale University, Eckart Frahm und Alexander Johannes Edmonds, haben Beweise für drei bislang unbekannte assyrische Könige aus dem 10. und 8. Jahrhundert v. Chr. gefunden. Ihre Studie, die unter dem Titel „Three New Kings of Assyria“ im Journal of Cuneiform Studies veröffentlicht wurde, stellt die vorherrschende Vorstellung von einer klaren Nachfolgeordnung der Adligen im neuaussyrischen Reich in Frage. Diese Ordnung war bislang stark auf die Assyrische Königsliste (AKL) gestützt, die jedoch eine idealisierte Darstellung der Herrschaft bietet und dabei Unruhen und Instabilität ausblendet, wie Frahm hervorhebt.

Die neu identifizierten Könige regierten jeweils weniger als zwei Jahre und wurden wahrscheinlich von ihren Nachfolgern aus den Geschichtsbüchern gestrichen. Ein bedeutender Fund ist ein Keilschrift-Dokument, das 762 v. Chr. datiert ist und fälschlicherweise Adad-nerari III. zugeordnet wurde. Tatsächlich könnte es mit einem bis dato unbekannten Prinzen namens Tiglath-pileser in Verbindung stehen, der nicht in der Königsliste erwähnt wird. Diese überraschenden Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Assyrer in der Zeit um 763-762 v. Chr. mit einem Aufstand in Ashur konfrontiert waren, der mit einer Sonnenfinsternis und einem Pestausbruch in 765 v. Chr. zusammenfiel.

Die neuen Könige

Zusätzlich zu dem möglicherweise neuen Tiglath-pileser identifizierten die Forscher zwei weitere Monarchen: einen neuen Shalmaneser (ca. 747-745 v. Chr.) und Aššur-uballiṭ (ca. 913–912 v. Chr.). Diese Funde lassen darauf schließen, dass es in Assyrien vor dem Aufstieg von Tiglath-pileser III. eine erhebliche interne Konkurrenz um Macht und häufige Krisen gab. Dies steht im krassen Gegensatz zu der Vorstellung, dass die Assyrer in einer Periode stabiler Herrschaft lebten. Die Forschung zeigt, dass der Aufstieg Assyriens zu einem mächtigen Empire von politischen Turbulenzen, Pandemien und klimatischen Veränderungen geprägt war.

Die Assyrische Königsliste selbst versucht die Abfolge der Monarchen bis zur Entstehung des Königtums zurückzuverfolgen. Der erste durch Inschriften belegte Herrscher ist Ilu-šuma, der als 32. König aufgeführt wird. Das gesamte Reich existierte vom 18. Jahrhundert v. Chr. bis zu seiner Zerschlagung etwa 609 v. Chr. und wird in drei Perioden unterteilt: altassyrisches, mittelassyrisches und neuassyrisches Reich, wobei Letzteres von ca. 750 bis 620 v. Chr. als das erste Großreich der Weltgeschichte gilt.

Ein Blick in die Geschichte

Die Assyrer sind seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. am mittleren Tigris nachgewiesen. Assur, der Hauptort, lag an einem bedeutenden Tigrisübergang und an Handelsrouten zwischen Babylonien und Anatolien. Diese strategische Lage begünstigte die Entwicklung des Reiches, das durch die Eroberung nördlicher Gebiete von Babylonien an Bedeutung gewann. Besonders unter Herrschern wie Šamši-Adad I. wurde Assur zu einer Regionalmacht im nördlichen Mesopotamien und konnte letztlich Mitanni besiegen, was den Grundstein für die spätere Machtstellung legte.

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Die neuesten Erkenntnisse über die assyrischen Monarchen erweitern unser Verständnis und zeigen, dass hinter den historischen Ereignissen vielschichtige gesellschaftliche und politische Prozesse kämpften. Die intensive Forschung in diesem Bereich verspricht weitere spannende Entdeckungen in der komplexen Geschichte eines der einflussreichsten Reiche der antiken Welt. Wie die jüngsten Entwicklungen zeigen, gibt es immer noch viel zu lernen über jene Zeit, die den Grundstein für viele der heutigen Zivilisationen legte.