Joko und Klaas crashen Vorlesung an der Universität Paderborn
Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben eine Vorlesung an der Universität Paderborn unterbrochen – mit Megafonen, einer lauten Frage und ziemlich viel Verwirrung im Netz. „Habt ihr Bock?“, riefen die Moderatoren in den Hörsaal. Die Studierenden wirkten zunächst überrascht.
Ein Instagram-Video dokumentierte den Auftritt. Online wurde trotzdem diskutiert, ob die Aktion vielleicht vorbereitet oder gestellt gewesen sein könnte. Ein Hinweis sorgte dabei für Stirnrunzeln: Im Video scheint an einem Sonntagabend eine Vorlesung stattzufinden.
Ein Quiz mit Überraschungseffekt
Organisiert hatte den Besuch Cecilia, eine Studentin aus Paderborn. Sie lud Joko und Klaas ein, ihre Vorlesung für die Sendung „Ein sehr gutes Quiz (mit hoher Gewinnsumme)“ zu crashen. Vor dem Hörsaal trafen sich die beiden mit Cecilia; Klaas kommentierte die Einladung scherzhaft gegenüber Joko. Dann ging es mit Megafonen hinein – mitten hinein in die Veranstaltung.
Der Auftritt gehörte zum Konzept des Quizformats, das auf überraschende Situationen setzt. Am 11. Oktober 2026 findet die Live-Show „Ein sehr gutes Quiz (mit hoher Gewinnsumme)“ mit Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf an der Universität Paderborn statt. Die Ausstrahlung beginnt um 20:15 Uhr auf ProSieben und Joyn. Bis kurz vor der Ausstrahlung soll geheim bleiben, wo genau die Veranstaltung stattfindet.
Zuschauerinnen und Zuschauer können Joko und Klaas vor Ort besuchen, live als Kandidatin oder Kandidat teilnehmen und um 100.000 Euro quizzen. Informationen zur Teilnahme gibt es bei Joyn. Ein Foto von Joyn zeigt die beiden bereits an der Universität Paderborn.
Nach Angaben des Branchenportals DWDL.de erreichte die Sendung am betreffenden Sonntag durchschnittlich 570.000 Zuschauer. 350.000 davon waren zwischen 14 und 49 Jahre alt. In dieser Zielgruppe kam das Format auf einen Marktanteil von 8,9 Prozent. Die Zuschauerzahlen verbesserten sich damit, blieben aber im einstelligen Marktanteilsbereich.
Vom „MTV Home“-Duo zu großen Live-Aktionen
Gemeinsam waren Joko und Klaas erstmals 2009 in der MTV-Sendung „MTV Home“ zu sehen. 2010 moderierten sie auf ProSieben „Ahnungslos“. Ein Jahr später wechselten sie zu ZDFneo und führten das Konzept von „MTV Home“ mit „neoParadise“ fort.
Ebenfalls Ende 2011 gründeten sie gemeinsam mit Endemol das Produktionsunternehmen Florida TV. 51 Prozent gehörten Endemol, 49 Prozent Joko und Klaas. Im Sommer 2012 startete auf ProSieben „Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt“. Im Dezember 2012 wurde ihr Abschied von ZDFneo bekannt gegeben; am 24. Januar 2013 lief die letzte Folge von „neoParadise“.
Anschließend wechselten sie mit „Circus HalliGalli“ zu ProSieben. Die Sendung orientierte sich konzeptionell an „MTV Home“ und „neoParadise“. Vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen wurden die beiden populär, zeitweise galten sie sogar als mögliche Nachfolger von Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass..?“
2014 kamen zwei Auszeichnungen dazu: Am 27. März erhielten sie den Echo für „Circus HalliGalli“, im April folgte der Grimme-Preis. Gemeinsame Werbeauftritte gab es für die deutschen Sparkassen (2011), Apple (2014), Granini (2015) und Samsung (2021).
Die letzte Ausgabe von „Circus HalliGalli“ wurde am 20. Juni 2017 ausgestrahlt und beendete ihre gemeinsame Late-Night-Show-Ära. ProSieben zeigte Ende 2018 und 2019 jeweils kurz vor Weihnachten die Weihnachtsrevue „Weihnachten mit Joko und Klaas“. Seit 2019 ist Florida TV eine eigenständige Produktionsgesellschaft von Joko und Klaas; Anfang 2019 hieß sie kurz „Black Flamingo“.
15 Minuten Sendezeit, reale Konflikte
Nach einem Sieg bei „Joko & Klaas gegen ProSieben“ nutzten die beiden im Mai 2020 15 Minuten Sendezeit für „Männerwelten“. Die von Sophie Passmann moderierte Sendung thematisierte sexuelle Belästigung von Frauen und belegte laut YouTube Platz zwei der meisttrendenden Videos in Deutschland im Jahr 2020.
Im September 2020 zeigten Joko und Klaas in ihrer gewonnenen Sendezeit die Zustände im Flüchtlingslager Moria, darunter den Tränengaseinsatz der griechischen Polizei nach dem Großbrand.
Am 31. März 2021 verlängerten sie die 15 Minuten in Absprache mit ProSieben zur Sendung „Pflege ist #NichtSelbstverständlich“. Von 20:15 Uhr bis 3:00 Uhr wurde der Arbeitstag einer Gesundheits- und Krankenpflegerin im Universitätsklinikum Münster in Echtzeit gezeigt. Eine am Körper befestigte Kamera filmte den Klinikalltag, während Pflegekräfte und Altenpfleger im Split-Screen über Berufserfahrungen und Probleme berichteten. Zuschauerreaktionen mit dem Hashtag #nichtselbstverständlich wurden eingeblendet.
Am 21. April 2021 überraschte Joko Klaas mit einer etwa zwei Meter hohen Statue. Sie wurde am Washingtonplatz vor dem Berliner Hauptbahnhof errichtet. Die Aktion stand unter dem Hashtag #DankeKlaas und sollte Klaas für die gemeinsame Zeit danken. Die Enthüllung wurde live im Fernsehen übertragen, der Oldenburger Oberbürgermeister Jürgen Krogmann hielt eine Laudatio. Bis Ende September 2021 blieb die Statue am Washingtonplatz; anschließend sollte sie im Kliemannsland wieder aufgebaut werden.
Im Oktober 2022 kündigten Joko und Klaas an, ihre Instagram-Konten mit insgesamt fast zwei Millionen Followern dauerhaft den iranischen Aktivistinnen Sarah Ramani und Azam Jangravi zu überlassen, um mehr Aufmerksamkeit für die Proteste im Iran zu schaffen. Im März 2025 wurde bekannt, dass sie ihren Exklusivvertrag mit ProSiebenSat.1 Media um weitere fünf Jahre verlängert haben.
Wenn Überraschung auch Kritik bedeutet
Zum Duo gehört allerdings nicht nur der schnelle Spruch vor laufender Kamera. Im Oktober 2012 forderte Klaas während eines „neoParadise“-Beitrags zur IFA Joko auf, einer Messe-Hostess an die Brüste und den Po zu fassen. Joko führte die Aufforderung nach kurzem Zögern aus. Nach der Ausstrahlung wurde die Aktion vielfach kritisiert.
Klaas veröffentlichte daraufhin eine Entschuldigung auf Twitter. Sie hätten einen Fehler gemacht, kein Taktgefühl bewiesen und „lustigen Quatsch“ mit beleidigendem Verhalten verwechselt, erklärte er.
Im März 2020 ergaben Recherchen des Reportageformats „STRG_F“, dass in „Late Night Berlin“ und „Duell um die Welt“ teilweise Personen beteiligt waren, die über den Ablauf informiert waren. Die Sendungen waren damit teilweise als inszenierte beziehungsweise geskriptete Realität dargestellt. Infolge dieser Enthüllungen wurde Klaas ein Journalismuspreis aberkannt.
Vielleicht erklärt genau diese Vorgeschichte, warum nun selbst ein Megafon-Auftritt in einer Paderborner Vorlesung so gründlich seziert wird. Im Hörsaal war’s laut, im Netz wurde es danach nicht leiser.
