Campus Catch: Rostocks Universität bringt Aquaponik-Forschung in die Dose
In Rostock landet Forschung neuerdings in der Dose: Die Universität Rostock bietet erstmals Fisch aus eigener Zucht an. „Campus Catch“ heißt das Produkt – Afrikanischer Raubwels in einer eigens entwickelten Tomaten-Chutney-Soße mit Mango und Basilikum. Erhältlich ist der Dosenfisch im Online-Shop der Universität.
Angestoßen hat das Projekt Rektorin Elizabeth Prommer. Sie suchte ein alternatives Geschenk für Gäste der Universität, eines mit erkennbarem Forschungsbezug – also nicht die üblichen Powerbanks oder USB-Sticks. Stattdessen gibt es nun etwas, das man öffnen, riechen und essen kann.
Fisch, Pflanzen und ein geschlossener Kreislauf
Professor Harry Palm und sein Team erforschen die effiziente Zucht des Afrikanischen Raubwelses. In Mecklenburg-Vorpommern wird die Fischart seit etwa 15 Jahren kommerziell gezüchtet. An der Universität leben die Tiere in einer Forschungsanlage, in der Fisch- und Pflanzenzucht miteinander verbunden sind.
Die Fische reichern das Wasser mit Nährstoffen an. Dieses Wasser wird für den Pflanzenanbau genutzt, anschließend gereinigt und danach wieder in der Fischzucht eingesetzt. Aquaponik heißt dieses Verfahren. Es soll Fische und Pflanzen effizient produzieren, ohne dass das Wasser nach einem einzigen Durchlauf verloren ist.
Der Raubwels wächst schnell: Nach etwa sechs Monaten erreicht er durchschnittlich ein Schlachtgewicht von rund 1,5 Kilogramm. Außerdem gilt er als vergleichsweise unempfindlich gegenüber schlechter Wasserqualität, niedrigem Sauerstoffgehalt und hoher Nährstoffbelastung. Krankheitsresistent sei die Art ebenfalls, sagt Palm; bei der Zucht würden keine Antibiotika benötigt.
Die Forschungsanlage produziert nach Angaben Palms jährlich zwei bis vier Tonnen Fisch. Für „Campus Catch“ wurden daraus 2.000 Dosen hergestellt. Das Basilikum für das Chutney wächst ebenfalls in der Aquaponik-Anlage. Derzeit untersucht das Team außerdem, ob sich dort Erdbeeren anbauen lassen.
Vom Fischbrötchen zur Campus-Dose
Erste Erfahrungen mit dem Raubwels als Lebensmittel sammelte die Universität bereits auf der Hanse Sail, wo Fischbrötchen mit Raubwels-Fleisch angeboten wurden. Für die Dosen arbeitete sie mit der Schwaaner Fischwaren GmbH zusammen. Das Unternehmen entwickelte unter anderem die Rezeptur. Anstelle einer klassischen Tomatensoße fiel die Wahl auf ein fruchtiges Chutney – mit Mango und Basilikum, also ein kleiner Ausflug weg vom gewohnten Dosenregal.
Schwaan verarbeitet normalerweise vor allem Hering. Der stammt inzwischen meist aus der Nordsee oder aus weiter entfernten Fanggebieten. Der Grund: Der Heringsbestand in der Ostsee ist stark zurückgegangen, zudem gelten für die westliche Ostsee strenge Fangbeschränkungen. Wegen dieser Entwicklung hält das Unternehmen neue Wege der Fischproduktion für notwendig.
Forschung mit wirtschaftlichem Blick
Wie solche Produktionssysteme in Mecklenburg-Vorpommern wirtschaftlich funktionieren können, untersucht auch die Dissertation von Johannes Christian Pasch an der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock. Der Titel lautet: „Rezirkulierende Aquakultursysteme (RAS) des Afrikanischen Raubwelses Clarias gariepinus und ihre Bedeutung für die landwirtschaftliche Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern“.
Die Arbeit erschien 2022 in Rostock an der Universität Rostock. Pasch untersuchte das Wachstumsverhalten von Clarias gariepinus, neue aquaponische Subsysteme sowie die Entwicklung und aktuelle Situation von Raubwels-RAS und Aquaponik in Mecklenburg-Vorpommern. Im Mittelpunkt stand die wirtschaftliche Situation rezirkulierender Aquakultursysteme und Aquaponikanlagen mit Afrikanischem Raubwels. Aus den Untersuchungen leitete er konkrete Handlungsempfehlungen ab.
Das Dokument ist frei zugänglich im Open Access; die Nutzung des Werks richtet sich nach dem deutschen Urheberrecht. Es trägt die RosDok-ID rosdok_disshab_0000002928, wurde am 1. März 2023 erstellt und am 8. August 2023 geändert.
Die zugehörige Zusammenfassung der Universität Rostock liegt als PDF vor. Der bereitgestellte Inhalt besteht dort aus technischen PDF- und Bilddaten; ein lesbarer Nachrichtenartikeltext ist nicht enthalten. Eine inhaltliche Zusammenfassung dieser Datei ist deshalb nicht möglich.
Wer „Campus Catch“ probieren möchte, findet den Dosenfisch im Online-Shop der Universität Rostock. Die Forschung dazu läuft derweil weiter – zwischen Fischbecken, Basilikum und der Frage, ob als Nächstes Erdbeeren aus derselben Anlage auf dem Teller landen.
