Uni Saarland, 14. Oktober 2026 – Ein Staatenbündnis aus mehr als 100 Ländern wollte die großflächige Abholzung von Wäldern bis 2030 stoppen. Doch die Welt ist davon weit entfernt. Das zeigt die Beratungsagentur Climate Focus in der Analyse „Forest Declaration Assessment“, die auf Daten von mehr als zwei Dutzend Forschungs- und zivilgesellschaftlichen Organisationen beruht.

2025 wurden weltweit rund 7 Millionen Hektar Wald abgeholzt – 15 Prozent weniger als 2024. Das klingt zunächst nach einer Atempause, reicht aber nicht. Zwischen 2018 und 2020 lag die jährliche Abholzung durchschnittlich bei 8,3 Millionen Hektar. Dieser Zeitraum dient als Referenz für die Fortschrittsmessung. Von 2021 bis 2024 blieb die Entwaldung nahezu auf dem Niveau der Vorjahre.

Der Rückgang kommt zu spät

Um bis 2030 auf null zu kommen, hätte die Abholzung ab 2021 jährlich um 1 Million Hektar sinken müssen. Für 2024 wären höchstens 5 Millionen Hektar zulässig gewesen, tatsächlich waren es 8 Millionen. 2025 hätte der Wert bei höchstens 4,2 Millionen Hektar liegen dürfen – gemessen wurden rund 7 Millionen.

Climate-Focus-Hauptautorin Erin Matson bezeichnete den Rückgang 2025 als positiv. Er wirke allerdings auch deshalb so deutlich, weil die Vorjahre besonders hohe Verluste verzeichnet hätten. Die Forest Declaration Assessment 2025 kommt für 2024 auf 8,1 Millionen Hektar verlorenen Wald. Das liegt 63 Prozent über dem erforderlichen Pfad, um die Entwaldung bis 2030 zu stoppen. Zur Mitte des Zeitraums ist weltweit noch kein rückläufiger Trend erkennbar.

Neben der Entwaldung belastet die Degradierung die Wälder. 2024 waren 8,8 Millionen Hektar davon betroffen. Zugleich umfassen weltweit mindestens 10,6 Millionen Hektar Projekte zur Waldrestaurierung. Die globalen Daten sind jedoch zu uneinheitlich, um festzustellen, ob Wälder tatsächlich im notwendigen Umfang wiederhergestellt werden. Der Verlust feuchter tropischer Primärwälder nahm stark zu, vor allem wegen klimabedingt häufiger und intensiverer Waldbrände.

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Kongobecken fast auf Augenhöhe mit Lateinamerika

Im tropischen Afrika wurden erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen ähnlich große Waldflächen zerstört wie im tropischen Lateinamerika. Im Kongobecken waren es 2,4 Millionen Hektar, im tropischen Lateinamerika 2,5 Millionen Hektar.

Die Entwicklungen gehen dabei auseinander. In Brasilien ging die Entwaldung unter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva um 33 Prozent zurück. Im Kongobecken gab es dagegen keine Anzeichen für einen Rückgang. Dort treiben vor allem die Ausweitung der Landwirtschaft, Holzgewinnung und Bergbau die Zerstörung voran.

Als strukturelle Ursachen nennt der Bericht außerdem wirtschaftliche Fehlanreize, schwaches staatliches Handeln sowie den unzureichenden Schutz indigener Völker und lokaler Gemeinschaften. Erreichte Fortschritte können schnell wieder verloren gehen, warnen die Autoren, weil die Waldschutzpolitik von den Entscheidungen weniger Regierungen abhängt.

Brasilien im kritischen Zeitfenster

Brasilien gilt als besonders wichtig. Lula soll am 25. Oktober in einer Stichwahl gegen den rechtsgerichteten Flávio Bolsonaro antreten. Unter Flávio Bolsonaros Vater Jair Bolsonaro war die jährlich abgeholzte Fläche in Brasilien deutlich gestiegen; unter Lula setzte eine Kehrtwende ein. Nach Daten des brasilianischen Weltraumforschungsinstituts Inpe war die Abholzung im Amazonasgebiet zuletzt so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Brasilien war Gastgeber der Weltklimakonferenz im Vorjahr und warb für den Fonds „Tropical Forest Forever Facility“. Das Modell soll Länder für den Erhalt ihrer Wälder belohnen und sie für jeden zerstörten Hektar bestrafen. Kontrolliert werden soll das mithilfe von Satellitenbildern. Deutschland sagte dem Fonds über zehn Jahre insgesamt 1 Milliarde Euro zu. Bei einem Wahlsieg Bolsonaros ist seine Zukunft unklar.

Die nächste Amtszeit des brasilianischen Präsidenten fällt laut Bericht in ein kritisches Zeitfenster. In den kommenden Jahren könnte die globale Erwärmung die Marke von 1,5 Grad Celsius überschreiten. Klimaforscher Johan Rockström warnte, der Amazonas-Regenwald könne sich bei anhaltender Belastung irreversibel in eine Savanne verwandeln. Wird die 1,5-Grad-Marke voraussichtlich innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre überschritten und gehen weiterhin Waldflächen verloren, könnte in den folgenden Jahrzehnten ein Kipppunkt erreicht werden. Der Amazonas-Regenwald trägt laut Rockström zur Stabilisierung des Weltklimas bei.

Geld, Landwirtschaft und unser Einkaufskorb

Die Forest Declaration Assessment verfolgt den gemeinsamen Fortschritt bei den Waldzielen für 2030: bei Entwaldung und Degradierung, Restaurierung und Biodiversität, Finanzierung sowie Rechten und Regierungsführung. Der Bericht untersucht, wo Fortschritte erzielt werden, wo sie stagnieren und welche Veränderungen in den kommenden fünf Jahren nötig sind. Diese fünf Jahre gelten als entscheidend für die Wald-, Klima- und Naturschutzziele.

Bei den Finanzströmen klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Schädliche Subventionen übersteigen umweltfreundliche Subventionen um mehr als das 200-Fache. Finanzmittel für Waldländer und lokale Akteure liegen trotz neuer Zusagen deutlich unter dem erforderlichen Niveau. Unternehmen und Finanzsektor setzen ihre Zusagen nur verzögert um; die Transparenz ist uneinheitlich.

Die Landwirtschaft ist die größte Ursache der globalen Regenwaldzerstörung. Dazu gehören kleinbäuerliche Betriebe, die häufig Subsistenzlandwirtschaft betreiben, ebenso wie kommerzielle Landwirtschaftsunternehmen mit oft großen Monokulturen. Auch die Forstwirtschaft trägt bei: durch kommerzielle Forstunternehmen und durch Menschen vor Ort, die am Handel mit Tropenholz beteiligt sind.

Bodenschätze werden von großen Unternehmen abgebaut, aber in erheblichem Umfang auch im handwerklichen Bergbau. Viele Beschäftigte in handwerklichen Minen nehmen diese Arbeit mangels Alternativen auf. Unternehmen stellen aus Rohstoffen aus Regenwaldregionen Konsumprodukte her, etwa mit Palmöl und Erdöl in Kosmetik- und Waschprodukten. Wer solche Waren kauft, wirkt indirekt mit. Laut einem WWF-Bericht von 2021 waren 16 Prozent der tropischen Entwaldung auf den Konsum der Europäischen Union zurückzuführen.

Politische Entscheidungen reichen dabei bis an die Ladenkasse und tief in den Wald hinein. Handelsgesetze spielen eine Rolle, ebenso die Umsetzung – oder mangelnde Umsetzung – von Umweltschutzgesetzen. Auf Satellitenbildern sieht man am Ende nur die gerodete Fläche. Dahinter stehen dann Landwirtschaft, Holz, Bergbau, Subventionen, Wahlentscheidungen und ein ziemlich langer Weg bis zum fertigen Produkt.