Universität Stuttgart plant futuristischen Holzpavillon für Rottweils Landesgartenschau 2028
Auf dem ehemaligen Gaswerkgelände im Rottweiler Neckartal soll zur Landesgartenschau 2028 ein futuristisch gestalteter Pavillon entstehen. Entwickelt wird das Bauwerk von der Universität Stuttgart gemeinsam mit dem Exzellenzcluster IntCDC. Eine Visualisierung des Pavillons stammt ebenfalls vom Exzellenzcluster.
Der geplante „Neckarbogen“ soll die Fläche des früheren Gaswerks überdachen und während wie nach der Gartenschau als zentraler Platz dienen. Die Idee wirkt ein wenig wie ein futuristischer Flieger, der über dem Gelände schwebt – nur dass darunter keine Startbahn, sondern Bühne, Sitzplätze und später womöglich Beachsport oder Minigolf liegen.
Holzgitter über Asphalt
Vorgesehen ist eine rund 1.200 Quadratmeter große Holzgitterschale, die etwa 1.100 Quadratmeter Fläche überspannt. Rund 50 Meter soll die Konstruktion weit reichen, weitgehend ohne Stützen. Verankert wird sie am Hang beziehungsweise im Felsen.
Der Standort bringt allerdings seine Tücken mit. Der Boden des früheren Industriegeländes ist belastet. Die Sanierung ist abgeschlossen, doch die Asphaltdecke muss erhalten bleiben. Große Bäume, die Schatten spenden könnten, lassen sich dort kaum pflanzen. Gerade deshalb soll das Dach während der Landesgartenschau die Sparkassen-Neckarbühne, das Bühnenvorfeld und Sitzbereiche schützen.
Die Eröffnungsfeier der Landesgartenschau ist für den 7. April 2028 unter dem Dach geplant. Danach könnten dort Konzerte, Theater, Beachsport, Minigolf und Ausstellungen stattfinden. Auch ein schattiger Aufenthaltsbereich ist denkbar. Wie der Platz nach 2028 tatsächlich genutzt wird, soll später gemeinsam mit möglichen Nutzern festgelegt werden.
Forschung, Bau und ein enger Zeitplan
Am Projekt arbeiten unter anderem Architekten, Bauingenieure, Informatiker und Robotik-Fachleute des Exzellenzclusters IntCDC an ressourcensparenden Tragwerken. Der Pavillon ist als Forschungs- und Demonstrationsbau angelegt. Möglichst nachhaltige Materialien sind vorgesehen, vor allem regionales Holz; auch Faserstrukturen oder andere Materialien kommen infrage.
Geplant ist die Umsetzung in drei Phasen: zunächst Forschung, Entwicklung und Genehmigungsplanung, danach die Detailplanung gemeinsam mit einem ausführenden Unternehmen und schließlich Fertigung und Bau. Nach jeder Phase kann die Stadt laut Kooperationsvertrag aus dem Projekt aussteigen. Die Stadt soll Eigentümerin des fertigen Bauwerks werden, während die Universität es noch zehn Jahre wissenschaftlich untersuchen darf.
Viel Zeit bleibt nicht. Bis zum Beginn der Landesgartenschau müssen Planung, Genehmigung, Fertigung und Montage abgeschlossen sein. Der Standort unterhalb der denkmalgeschützten Innenstadt und am Viadukt bringt zusätzliche Anforderungen mit sich. Mit dem Landesamt für Denkmalpflege fanden laut Stadt erste Gespräche statt. Mehrere Industriepartner haben grundsätzlich Interesse an einer Beteiligung gezeigt.
Millionen, Fördergeld und offene Fragen
Für die erste Phase veranschlagt die Universität rund 160.000 Euro netto, etwa 80.000 Euro davon trägt die Stadt. Belastbare Baukosten soll es erst nach Abschluss dieser Phase geben; dann muss der Gemeinderat erneut entscheiden.
Die geschätzten Investitionskosten liegen bei 1,45 Millionen Euro. Das Förderprogramm „Natur in Stadt & Land“ soll 50 Prozent übernehmen, für die Stadt blieben voraussichtlich rund 725.000 Euro. Etwa 100.000 Euro spart sie, weil eine zunächst geplante temporäre Bühnenüberdachung entfällt. Die verbleibenden Mehrkosten werden mit rund 625.000 Euro angegeben.
Weil das Projekt bislang nicht im Haushalt eingeplant war, genehmigte der Gemeinderat einstimmig eine überplanmäßige Verpflichtungsermächtigung über 1,425 Millionen Euro. Umgeschichtet werden 800.000 Euro aus dem Projekt „Kreuzung Berner Feld“ und 625.000 Euro aus dem Radweg Neukirch–Vaihinger Hof. Welche Auswirkungen das auf die Zeitpläne dieser beiden Vorhaben hat, wurde in der Vorlage nicht genannt.
Die Grünen nannten die Planung passend und befürworteten sie, warnten aber vor einer möglichen finanziellen Überforderung ohne Sponsoren. Die CDU sah durch die Gartenschauförderung eine besondere Gelegenheit und stimmte zu. Die SPD verwies auf die starke sommerliche Hitze auf dem Gelände und befürwortete eine Umsetzung in drei Schritten. Die Freien Wähler sehen Potenzial für einen neuen Blickfang oder ein Wahrzeichen, regten aber an, den Namen „Neckarbogen“ noch einmal zu überprüfen. Die FDP hob das Alleinstellungsmerkmal des Bauwerks hervor.
Offen ist, ab welchem Gesamtkostenrahmen das Projekt gestoppt würde. Unklar sind außerdem die späteren Kosten für Unterhalt und Verkehrssicherung sowie eine Ersatzlösung für die Bühnenüberdachung, falls der Neckarbogen nicht rechtzeitig fertig wird. Unterhalt und Verkehrssicherung des Bauwerks soll die Stadt während der gesamten Standzeit übernehmen.
Der Gemeinderat hat den Weg damit erst einmal freigemacht. Ob aus der ungewöhnlichen Dachkonstruktion tatsächlich der neue Mittelpunkt des ehemaligen Gaswerkgeländes wird, entscheidet sich nun zwischen Forschung, Genehmigungen, Baustelle und dem knappen Kalender bis zum 7. April 2028.
Der Artikel „Landesgartenschau in Rottweil: Wie ein futuristischer Flieger – dieser Pavillon soll die Gartenschau krönen“ wurde am 8. Oktober 2026 von Alexandra Alt veröffentlicht. Dieser Bericht basiert auf Informationen der Universität Stuttgart sowie den Berichten von Schwarzwälder Bote und NRWZ.
