550 Jahre Universität Tübingen: Wissenschaft öffnet ihre Türen und stellt sich ihrer Geschichte
Heute beginnt an der Universität Tübingen das Jubiläumsjahr: Mit dem Wintersemester 2026/27 feiert die Hochschule ihr 550-jähriges Bestehen. Das Leitmotiv lautet „Vom Wert der Wissenschaft“. Dahinter stehen ziemlich konkrete Fragen: Für welche Werte soll Wissenschaft stehen? Welche Werte sind für Forschung und Lehre wichtig – und welche soll und muss sie künftig weitergeben?
Der offizielle Auftakt folgt am 14. Oktober 2026 mit dem „Dies Universitatis“, der feierlichen Semestereröffnung. Einen Tag später, am 15. Oktober, werden die neu immatrikulierten Studierenden begrüßt. Für die Universität ist das ein großer Bogen von der Gründung im Jahr 1477 bis in die Gegenwart, für viele Erstsemester vermutlich erst einmal der Moment, in dem sie herausfinden, wo eigentlich der nächste Hörsaal liegt.
Wissenschaft zum Hingehen, Anschauen und Mitmachen
Am 6. und 7. November 2026 laden die „Science & Innovation Days“ zu mehr als 30 Veranstaltungen an zwölf Orten in Tübingen ein. Das Wissenschaftsfestival wird bis Sommer 2027 als „Tour durchs Ländle“ fortgesetzt: in zehn baden-württembergischen Kommunen und über digitale Kanäle. Vorträge und Gesprächsformate informieren über aktuelle Forschung und bringen Bürgerinnen und Bürger mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ins Gespräch.
Geplant sind außerdem Tage der offenen Tür, thematische Führungen und Fahrten zu Forschungsorten in Tübingen und im Umland. Öffentliche und kostenfreie Angebote führen in Labore und Forschungsstätten der sieben Fakultäten, in historische Sammlungen und an Universitätsorte, die sonst meist nicht zugänglich sind. Dazu kommen Experimente zum Mitmachen, Seminare, Vorlesungen und weitere Lehrveranstaltungen, die Forschung, Lehre und Universitätsgeschichte aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven verbinden.
Auch außerhalb des Campus geht es weiter: Führungen und Exkursionen zeigen historische Orte, Sammlungen, Labore und Forschungsstätten innerhalb und außerhalb der Universität. Digitale Formate sowie Film- und Medienprojekte sollen Wissenschaft und Universitätsgeschichte interaktiv und kreativ einem breiten Publikum vermitteln. Ein eigener Dokumentarfilm, „Universität – der Film“, erzählt anhand ausgewählter Biografien und Ereignisse die Entwicklung der Universität von 1477 bis zur Gegenwart.
Vergessene Namen, kritische Kapitel und neue Blicke
Ausstellungen, Führungen und digitale Angebote rücken Persönlichkeiten und Themen ins Licht, die in der Universitätsgeschichte bislang wenig Beachtung fanden. Dazu gehört Gräfin Mechthild von der Pfalz, eine Förderin der Universitätsgründung und wichtige Ideen- und Geldgeberin. Zugleich spart das Jubiläumsprogramm kritische Kapitel und Schattenseiten der Geschichte nicht aus.
Das Museum der Universität beteiligt sich mit einer Sonderausstellung zu Menschen und Dingen der Universitätsgeschichte. Weitere Ausstellungen in Museen, Sammlungen und anderen Einrichtungen widmen sich Forschung, Universitätsgeschichte und prägenden Persönlichkeiten. Ein Musiktheaterprojekt erzählt das Leben von Maria Gräfin von Linden, der ersten Studentin der Universität Tübingen. Die Uraufführung ist für Juli 2027 vorgesehen.
Auch Bücher, Magazine und weitere Veröffentlichungen greifen die Geschichte und Gegenwart der Universität auf. Das populärwissenschaftliche Buchprojekt „550 Jahre Tübingen. Zwischen Existenz- und Exzellenzfragen“ soll über das Jubiläumsjahr hinaus Bestand haben. Daneben beschreibt die „Kleine Universitätsgeschichte“ die Entwicklung der Universität seit 1477; weitere Publikationen aus verschiedenen Fakultäten sind geplant.
Für 2027 stehen mehrere Tagungen in Tübingen auf dem Kalender. Im Oktober findet eine internationale Tagung zur Universitätsgeschichte statt. Im Mittelpunkt stehen die 1477 gegründeten Universitäten in Tübingen, Mainz und Uppsala. Wissenschaftliche Tagungen bringen außerdem Forschende verschiedener Disziplinen zusammen und behandeln historische, aktuelle und zukünftige Fragen der Wissenschaft.
Porträts, Orgelklang und ein großes Fest
Ein sichtbares Projekt ist die Restaurierung der ProfessorInnengalerie. Sie umfasst mehr als 300 Porträts ehemaliger Rektoren, Kanzler, Professoren und weiterer Funktionsträger der Universität. Rund 25 Werke sollen restauriert und im Jubiläumsjahr besonders präsentiert werden. Eine weitere Planung nennt rund 40 der 300 Werke; anschließend ist eine Ausstellung auf dem Schloss vorgesehen. Aktuelle Fotografien von Universitätsangehörigen ergänzen die Galerie und stellen den Bezug zur Gegenwart und zur Vielfalt der Universität her.
Im Festsaal der Neuen Aula wird außerdem die Orgel saniert. Sie soll beim Jubiläumsfestakt 2027 wieder erklingen. Dieser Festakt ist für den 3. Juli 2027 geplant und findet in der Tübinger Stiftskirche statt – am Gründungsort der Universität. Rundherum sind zahlreiche Veranstaltungen vorgesehen.
Für das Jubiläum wurde ein eigenes Logo entwickelt, das in mehreren Farben verfügbar sein soll. Rückmeldungen des Beirats zum Universitätsjubiläum, des Senats und des Rektorats flossen in die Gestaltung ein. Öffentlich in allen Medien zum Jubiläum verwendet werden darf das Logo ab dem 1. Oktober 2026.
Einige Vorhaben sollen länger bleiben als Plakate und Festreden: Die Museums-App wird um digitale Rundgänge durch Tübingen erweitert, und auch die restaurierten Werke der Professorengalerie sollen dauerhaft zugänglich bleiben. Das Jubiläumsjahr endet im Februar 2028 mit der Übergabe an die Stadt Tübingen. Danach feiert die Stadt ihr 950-jähriges Bestehen.
Beiträge und Unterstützung aus Fakultäten, Dezernaten, Stabsstellen und der Studierendenschaft können in die Jubiläumsprojekte eingebracht werden. Das Thema „Wert der Wissenschaft“ soll also nicht im Uni-Turm stecken bleiben, sondern in die Stadtgesellschaft getragen werden. Das komplette Programm und laufende Informationen stehen auf www.ut550.de.
