Am 12. Juni 2026 fand an der Universität Vechta ein bedeutender Aktionstag unter dem Titel „Wissenschaft gegen Faschismus“ statt. Im Rahmen dieses bundesweiten Events wurden drei wissenschaftliche Vorträge präsentiert, die sich mit den Gefahren für die Demokratie auseinandersetzten. Der Schwerpunkt der Vorträge lag auf dem Neutralitätsgebot, den neurechten Einflüssen in der Jugendkultur und der Zukunft der demokratischen Ordnung. Solche Themen sind mehr als nur akademische Fragestellungen, sie berühren die Grundlagen unserer Gesellschaft.

Dr. Sven Rößler, der Eröffnungsredner und Verwalter der Universitätsprofessur für Politikdidaktik, nahm sich dem so genannten „Gerücht der Neutralität“ in der Lehre an. Er machte deutlich, dass die politische Bildung nicht neutral sein kann, sondern auf einer klaren Parteilichkeit für das demokratische System fußt. Rößler wies darauf hin, dass die normative Zielsetzung der politischen Bildung aus den Lehren aus den Verbrechen des Nationalsozialismus entstanden ist. Diese Schlüsselerkenntnisse sind für Lehrende rechtlich bindend und unterstreichen die Verpflichtung, gesellschaftliche Werte zu verteidigen.

Neurechte Einflüsse in der Jugendkultur

Ein weiterer Augenblick des Aktionstags war der Vortrag von Michael Otten, einem Sachunterrichtsdidaktiker, der das Thema neurechte Strategien zur Beeinflussung von Jugendlichen in den Fokus rückte. Er analysierte dabei die Rolle von Hip-Hop und Rap, die als Vehikel zur Verbreitung demokratiefeindlicher Narrative fungieren können. Diese Musikgenres transportieren, oft unbemerkt, gefährliche Ideen wie den „Ethnopluralismus“ und die umstrittene Verschwörungserzählung vom „Großen Austausch“. Die Teilnehmer waren sichtlich überrascht von der Vielzahl an potenziell schädlichen Inhalten, die als Teil der Kunst- und Meinungsfreiheit auftreten.

Im Kontext dieser Diskussion zeigt sich zunehmend, dass autoritär-nationalistische Einstellungen unter Jugendlichen an Boden gewinnen. Nach den jüngsten Wahlen stellen wir fest, dass junge Erwachsene eine steigende Bereitschaft zeigen, rechtspopulistischen Parteien wie der AfD zuzustimmen. Während die AfD bei der Bundestagswahl 2021 nur 7% der Stimmen von 18- bis 24-Jährigen erhielt, waren es bei den Wahlen 2025 bereits 21%. Dieser Trend wirft Fragen zur politischen Bildung auf und fordert neue Ansätze, um die Jugend in einem sich wandelnden politischen Klima zu erreichen. Ein Drittel der Jugendlichen fühlt sich von der aktuellen Politik nicht repräsentiert, was zur Frustration und einer Suche nach Alternativen führt.

Die Zukunft der Demokratie

Den Abschluss der Vortragsreihe bildete ein Beitrag von PD Dr. Veith Selk, der die aktuelle Stimmung in der Gesellschaft zur Demokratie und zur öffentlichen Unzufriedenheit mit den Regierenden beleuchtete. Selk skizzierte zwei konträre Sichtweisen: Einerseits warnen einige Forschungsergebnisse vor einem Wiederaufleben des Faschismus, während andere eine Veränderung der „politischen Großwetterlage“ als weniger dramatisch einstufen. Es wurde deutlich, dass ein konstruktiver Dialog über neue Konzepte zur Verteidigung der Demokratie notwendig ist, um den bestehenden Bedrohungen entgegenzuwirken.

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Die Herausforderungen, die durch Krisen wie die Corona-Pandemie, die Klimakrise und die Migrationsbewegungen verstärkt werden, tragen zur Beliebtheit rechtspopulistischer Ansätze bei. Gerade jüngere Menschen suchen nach einfachen Lösungen in einer komplexen Welt. Viele von ihnen informieren sich über politische Themen vorwiegend über Social Media, was den rechtspopulistischen Akteuren große Reichweite bietet. Besonders die AfD hat hier großes Potenzial, da sie vor allem jugendliche Männer anspricht, die sich mit traditionellen Geschlechterbildern identifizieren.

Zusammenfassend zeigt der Aktionstag an der Universität Vechta deutlich, dass die Auseinandersetzung mit demokratiebedrohenden Strömungen unerlässlich ist. Um die junge Generation für politische Themen zu sensibilisieren, braucht es verstärkte Anstrengungen in der politischen Bildung, die sich den Herausforderungen des Rechtspopulismus und der digitalen Desinformation stellen. Die Notwendigkeit, demokratische Angebote für Jugendliche zu schaffen und ihnen Mitbestimmungsmöglichkeiten zu bieten, wird immer deutlicher.