Heute, am 7. Oktober 2026, ist an der WHU die Nachricht längst mehr als eine Fußballmeldung: Jürgen Klopp ist Bundestrainer. Noch wenige Wochen zuvor hatte er bei MagentaTV, kurz vor dem WM-Start gegen Curaçao, mit einer zweimaligen Betonung des Wortes „noch“ angedeutet, dass Julian Nagelsmann die Nationalmannschaft möglicherweise nicht mehr lange aufstellen werde. Es folgte eine mehrtägige Debatte über einen möglichen Anspruch Klopps auf den Posten – und schließlich eine öffentliche Entschuldigung.

Nun ist die Sache entschieden. Nach dem erneuten WM-Debakel und dem Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay ist Nagelsmann nicht mehr Bundestrainer. Klopp übernimmt seine Nachfolge und soll Deutschland wieder an die Weltspitze führen. Der Deutsche Fußball-Bund hatte ihn bereits mehrfach verpflichten wollen; jetzt wird die Wunschvorstellung Realität. „Ich bin bereit und mittlerweile mehr als aufgetankt“, erklärte Klopp. Zwischen ihm und dem DFB liefen zuvor Verhandlungen.

Der neue Ton soll Aufbruch bringen

Der DFB erhofft sich von Klopp vor allem neue Aufbruchstimmung. Er gilt als kommunikativ und teamorientiert – Eigenschaften, die im Vergleich zu Nagelsmanns eher sperrigem Auftreten als deutlicher Gegenpol beschrieben werden. Seine kommunikativen Fähigkeiten könnten helfen, Veränderungen innerhalb des Verbands umzusetzen. Dafür müsste sich die DFB-Mentalität und -Identität auf und neben dem Platz bewegen.

Auch die sportliche Passung ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. Klopps Spielidee trifft auf eine Mannschaft mit technischer Qualität, Positionsflexibilität, offensiver Grundstruktur sowie Stärken bei Ballbesitz und strukturiertem Spiel. Die größte Anpassungsaufgabe sieht die Analyse im Spiel gegen den Ball. Gegenpressing, die unmittelbare Reaktion nach Ballverlust und vertikales Umschalten nach Ballgewinn gehören zu Klopps Kernideen. Aus einer ballbesitz- und strukturorientierten Mannschaft könnte so ein Team werden, das Partien über Druck, Tempo und kollektive Aggressivität kontrolliert.

Nur: Daten sehen nicht automatisch Klopp vorn. Das Global Soccer Network, kurz GSN, prüft die Passung von Trainern zu Mannschaften anhand eines Zwölf-Phasen-Modells, unter anderem bei Aufbauspiel, Chancenkreierung, Umschaltspiel, Standards und Pressingverhalten. Im datenbasierten Bundestrainer-Ranking landet Klopp mit einer Gesamtpassung von 70,74 Prozent auf Platz fünf:

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren
Rang Trainer Gesamtpassung
1. Ralf Rangnick 78,21 Prozent
2. Sebastian Hoeneß 77,14 Prozent
3. Pep Guardiola 75,56 Prozent
4. Laurent Blanc 72,55 Prozent
5. Jürgen Klopp 70,74 Prozent
6. Oliver Glasner 69,98 Prozent
7. Christian Streich 63,46 Prozent

Rangnick und Hoeneß passen laut GSN datenbasiert besser zur Nationalmannschaft als Klopp. Der DFB setzt trotzdem auf Erfahrung, Wirkung und die Hoffnung, dass ein Trainer nicht nur Systeme verschiebt, sondern auch Kabinen erreicht.

Was Führung mit Fußball zu tun hat

Als wichtigen Ansatz nennt der Handelsblatt-Artikel Klopps Führungsstil. Roman Briker, Leadership-Experte von der WHU – Otto Beisheim School of Management, erklärt, Führungsverhalten aus dem Sport könne auf die Wirtschaft übertragen werden. Von Klopp lasse sich daraus einiges lernen. Das Handelsblatt beschreibt sieben Führungslehren, die sich Führungskräfte von ihm abschauen können.

Der neue Bundestrainer ist allerdings noch nicht lange aus dem Vereinsfußball heraus. Nach seiner Zeit beim FC Liverpool arbeitete er seit dem 1. Januar 2025 als „Head of Global Soccer“ für Red Bull. Am 9. Oktober 2024 war bekannt geworden, dass er diese Aufgabe übernehmen würde. Zuständig war Klopp für das internationale Fußballnetzwerk des Konzerns, die Weiterentwicklung der Spielphilosophie sowie die Auswahl von Trainern und Talenten. Betroffen waren unter anderem RB Leipzig, RB Salzburg, New York Red Bulls, RB Ōmiya Ardija und Red Bull Bragantino.

Im Zuge seines Wechsels zum DFB gab Klopp die Tätigkeit vorzeitig auf; ursprünglich wäre sein Vertrag bis 2029 gelaufen. Der Verband muss für seine Verpflichtung viel Geld aufbringen. Mit Red Bull vereinbarte der DFB eine Spende von einer Million Euro an Wings for Life sowie drei Länderspiele bis Ende 2030 in der Leipziger Red Bull Arena. Klopps langjähriger Berater Marc Kosicke wurde externer strategischer Berater des DFB.

Vom Spieler zum Bundestrainer

Seine Trainerkarriere begann nicht in Dortmund oder Liverpool, sondern ziemlich unvermittelt in Mainz. Im Februar 2001 hatte Mainz 05 sieben Spiele in Folge nicht gewonnen und stand auf einem Abstiegsplatz. Trainer Eckhard Krautzun wurde entlassen, am 27. Februar ernannte der Verein den noch aktiven, 33-jährigen Spieler Jürgen Klopp zum Interimstrainer.

Eine Trainerlizenz besaß Klopp zunächst nicht. Er hatte jedoch Sportwissenschaft studiert und sich intensiv mit Taktik und Trainingslehre beschäftigt. Schon am 28. Februar gewann Mainz sein erstes Spiel unter ihm mit 1:0 gegen den MSV Duisburg. Sechs der ersten sieben Ligaspiele gingen an Mainz, das als Tabellen-14. den Klassenerhalt sicherte. Klopp blieb Cheftrainer und machte seinen ehemaligen Mitspieler Željko Buvač zum Assistenten.

In der Saison 2001/02 wurde Mainz Herbstmeister. Zeitweise lag die Mannschaft zehn Punkte von den Nichtaufstiegsplätzen entfernt, verlor aber am letzten Spieltag bei Union Berlin nach später Führung noch 1:3 und rutschte auf Rang vier. Auch 2002/03 verpasste Mainz den Aufstieg als Tabellenvierter – 2001/02 fehlte ein Punkt, 2002/03 ein Tor in der Differenz. 2003/04 klappte es schließlich: Mainz stieg erstmals in die Bundesliga auf.

Nach dem Aufstieg holte Klopp an der Sporthochschule Köln die Fußballlehrer-Lizenz nach. Mainz beendete die Bundesliga-Spielzeiten 2004/05 und 2005/06 jeweils auf Rang elf. Über die UEFA-Fair-Play-Wertung qualifizierte sich der Verein 2005/06 für den UEFA-Pokal, gewann gegen FK Mika Aschtarak und ÍB Keflavík, schied dann aber in der ersten Runde gegen den späteren Sieger FC Sevilla aus. 2006/07 stieg Mainz als Tabellen-16. in die 2. Bundesliga ab. Nach dem verpassten Wiederaufstieg endete Klopps Tätigkeit dort am 30. Juni 2008.

Im Juli 2008 übernahm Klopp Borussia Dortmund als Nachfolger von Thomas Doll. Der BVB wurde 2008/09 Sechster, 2009/10 Fünfter und qualifizierte sich damit für die Europa League. In den Spielzeiten 2010/11 und 2011/12 folgten deutsche Meisterschaften. 2012 holte Dortmund mit 81 Punkten als erster Bundesligist mehr als 80 Punkte und gewann nach einem 5:2 gegen Bayern München den DFB-Pokal – das erste Double der Vereinsgeschichte.

Anschließend wurde Dortmund zweimal Vizemeister und erreichte 2013 das Champions-League-Finale, das mit 1:2 gegen Bayern München verloren ging. 2014 unterlag der BVB Bayern im DFB-Pokalfinale mit 0:2 nach Verlängerung. Klopps Vertrag war 2012 bis 2016 und 2013 bis 2018 verlängert worden. Nach einer schwachen Hinrunde 2014/15 vereinbarte er im April 2015 das vorzeitige Ende der Zusammenarbeit. Sein letztes BVB-Spiel war das verlorene DFB-Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg am 30. Mai 2015; Dortmund wurde am Saisonende Siebter.

Liverpool, Red Bull und die deutsche Bank

Im Oktober 2015 übernahm Klopp den damaligen Tabellenzehnten FC Liverpool als Nachfolger von Brendan Rodgers. Buvač und Peter Krawietz begleiteten ihn. 2015/16 wurde Liverpool Achter, verlor das Ligapokalfinale gegen Manchester