Ein spannendes Forschungsprojekt an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) hat das Potenzial, die Diagnostik von Long COVID revolutionär zu verändern. Unter dem Titel „COVID Dogolomics“ untersucht ein interdisziplinäres Team, ob speziell trainierte Hunde Long COVID erkennen können. Projektpartner sind die Technische Universität Braunschweig sowie die Medizinische Hochschule Hannover (MHH). Diese innovative Herangehensweise zeigt, wie weit die Wissenschaft bereits denkt, um diese komplexe Erkrankung besser zu verstehen.

Die Ergebnisse des Projekts wurden kürzlich beim Abschlusssymposium des COVID-19-Forschungsnetzwerks Niedersachsen (COFONI) ausgezeichnet und werden auf der internationalen Fachkonferenz „Metabolomics 2026“ in Buenos Aires präsentiert. Long COVID ist ein ernsthaftes Gesundheitsproblem, das Millionen Menschen weltweit betrifft und durch Symptome wie chronische Erschöpfung, Konzentrationsstörungen und Atembeschwerden gekennzeichnet ist. Diese Beschwerden können Wochen oder Monate nach einer SARS-CoV-2-Infektion auftreten und stellen somit eine große Herausforderung für das Gesundheitswesen dar.

Der Weg zur Diagnose

Professor Dr. Karsten Hiller von der TU Braunschweig betont, dass messbare Stoffwechselveränderungen erforderlich sind, um die Erkrankung besser charakterisieren zu können. Lea Woyciechowski, die eine Methode zur Untersuchung flüchtiger Stoffwechselprodukte in kleinen Urinproben entwickelt hat, beschreibt diese Produkte als chemische Fingerabdrücke biologischer Vorgänge. Ihre Methode ermöglicht die hochauflösende Erfassung dieser flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs), die mit maschinellem Lernen ausgewertet werden. In Kooperation mit der MHH wurden dafür Patientenkohorten und Bioproben bereitgestellt.

Die TiHo hat gezielt untersucht, inwieweit Long-COVID-Proben durch den Geruch von trainierten Hunden erkannt werden können. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Tiere in der Lage waren, Long-COVID-Proben zuverlässig von gesunden Kontrollproben und ähnlichen Krankheitsbildern zu unterscheiden. Dies deutet auf eine charakteristische Geruchssignatur von Long COVID hin, was für zukünftige diagnostische Verfahren vielversprechend sein könnte.

Long COVID im Fokus der Forschung

Long COVID bezeichnet gesundheitliche Einschränkungen, die über vier Wochen nach einer SARS-CoV-2-Infektion hinaus bestehen und sich häufig in einer Vielzahl von körperlichen, kognitiven und psychischen Symptomen äußern. Diese Beschwerden können sowohl während der akuten Phase als auch später auftreten, was die Diagnose und Behandlung erheblich erschwert. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) bedarf es einer engen Zusammenarbeit zwischen Grundlagenforschung, klinischer Forschung und epidemiologischer Forschung, um die Mechanismen von Long COVID besser verstehen und behandeln zu können. Die Forschung zeigt, dass es keine einheitliche Erkrankung darstellt, was die Diagnosestellungen zusätzlich kompliziert.

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Das RKI hat verschiedene Studien initiiert, um Long COVID zu analysieren, darunter CoMoLo und CoMoBu, die die gesundheitlichen Auswirkungen auf die Bevölkerung untersuchen. Zudem ist das RKI an Projekten wie VELoCO und QuoVadis LongCOVID beteiligt, die unterschiedliche Aspekte dieses Syndroms beleuchten und darauf abzielen, den Versorgungsbedarf zu evaluieren.

Ein weiteres wichtiges Projekt zur Erforschung der Folgen von COVID-19 mit dem Titel „Postakute gesundheitliche Folgen von COVID-19“ wird vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert. Es konzentriert sich darauf, epidemiologische Daten systematisch zu erfassen und die Public Health Auswirkungen zu analysieren.

Ein Ausblick auf die Zukunft

Die aktuelle Forschung zu Post- und Long COVID eröffnet vielversprechende Ansätze hinsichtlich therapeutischer Optionen, wobei die Ursachen noch nicht vollständig verstanden sind. Forscher wie Sinem Koc-Günel und Maria Vehreschild vom Universitätsklinikum Frankfurt haben dafür bereits mögliche Mechanismen wie virale Persistenz, Autoimmunreaktionen und metabolische Veränderungen identifiziert. Trotz des noch bestehenden Forschungsbedarfs bietet das Aufeinandertreffen von tiergestützten diagnostischen Methoden und modernen Analysentechniken neue Perspektiven in der Diagnostik und Therapie von Long COVID.

Die Arbeit dieser Wissenschaftler könnte nicht nur das Management von Long COVID verbessern, sondern auch zeigen, wie interdisziplinäre Ansätze in der Forschung von entscheidender Bedeutung sind. Indem wir die spezifischen Merkmale von Long COVID besser verstehen, haben wir die Chance, gezielte therapeutische Maßnahmen zu entwickeln und somit die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen.

Für mehr Informationen zu den laufenden Forschungsprojekten und den Fortschritten rund um Long COVID besuchen Sie TiHo Hannover, RKI und Long-COVID Plattform.