Science Summit NRW-Ukraine: Wie Hochschulkooperationen den Wiederaufbau stärken unerquicklich
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine trifft auch Wissenschaft und Forschung hart. Gleichzeitig sind Hochschulen und wissenschaftliche Kooperationen für die Resilienz der Ukraine, den Wiederaufbau des Landes und den ukrainischen Weg in die Europäische Union von großer Bedeutung. An der Universität Duisburg-Essen richtet sich der Blick deshalb auf die Frage, wie Forschung trotz Krieg weitergehen und später beim Neustart helfen kann.
Unter dem Motto „Wissenschaft – Partnerschaft – Zukunft“ bringt der Science Summit NRW-Ukraine am 1. Dezember 2026 Vertreterinnen und Vertreter aus Hochschulen, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zusammen. Die Universitätsallianz Ruhr veranstaltet die Konferenz; gefördert wird sie durch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen.
Kooperationen, die nicht erst nach dem Krieg beginnen
Im Mittelpunkt stehen zwei Fragen: Welchen Beitrag können Hochschulen und wissenschaftliche Kooperationen zum Wiederaufbau der Ukraine leisten? Und wie lässt sich die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Nordrhein-Westfalen und der Ukraine langfristig weiterentwickeln?
Die Konferenz soll wissenschaftliche Beziehungen stärken, Akteurinnen und Akteure beider Länder vernetzen, bestehende Kooperationen sichtbar machen und neue Partnerschaften anstoßen. Ein Schwerpunkt liegt auf den Aktivitäten der Universitätsallianz Ruhr sowie auf der Regionalpartnerschaft zwischen Nordrhein-Westfalen und der Oblast Dnipropetrowsk.
Wie praktisch diese Verbindung aussieht, zeigte sich Anfang September 2026: Aus dem Ruhrgebiet wurde ein Transport in die Ukraine organisiert. Für Partnerhochschulen in der Region Dnipro gingen Laborgeräte, wissenschaftliche Ausstattung und IT-Hardware auf die Reise. Gemeinsam mit ukrainischen Partnern war zuvor ermittelt worden, was vor Ort tatsächlich gebraucht wird. Die Geräte wurden geprüft und für Forschung und Lehre vorbereitet.
Beteiligt waren Mitarbeitende aus Fakultäten sowie aus Wissenschaft und Technik der drei Universitäten Ruhr-Universität Bochum, TU Dortmund und Universität Duisburg-Essen. Studierende halfen beim Zusammenstellen, Verpacken und Vorbereiten. Die Verwaltungen kümmerten sich unter anderem um Abstimmungen, Buchhaltung, Dokumentation und die organisatorische Abwicklung – die weniger sichtbare Arbeit, ohne die so ein Transport eben nicht rollt.
Science Bridge für die Region Dnipro
Die Aktion gehört zum Projekt „DniProNRW – Science Bridge“, das vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Kultur und Wissenschaft gefördert wird. Entwickelt und koordiniert wird es vom Verbindungsbüro Osteuropa/Zentralasien/Südkaukasus der Universitätsallianz Ruhr an der Ruhr-Universität Bochum.
Es geht dabei nicht nur um Geräte. Schulungen und Train-the-Trainer-Formate sollen sicherstellen, dass die Ausstattung an den ukrainischen Hochschulen nachhaltig genutzt werden kann. Darüber hinaus umfasst das Projekt langfristige Kooperationen in Forschung, Lehre und Transfer – und zwar bereits während des Krieges.
Drei thematische Bereiche werden jeweils federführend von einer UA-Ruhr-Universität betreut: Die TU Dortmund verantwortet den Transfer, die Universität Duisburg-Essen die Wasserforschung. Für die Germanistik ist die Ruhr-Universität Bochum zuständig, unter der Leitung von Prof. Dr. Björn Rothstein. Die Zusammenarbeit soll wissenschaftliche Strukturen stabilisieren, internationale Netzwerke ausbauen und gemeinsame Zukunftsprojekte ermöglichen.
Am 1. und 2. Dezember 2026 kommen Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und weiteren gesellschaftlichen Bereichen aus Nordrhein-Westfalen und der Ukraine zusammen. Vorgestellt werden Ergebnisse und Erfahrungen aus „DniProNRW“; außerdem sollen Partnerschaften vertieft und weitere Kooperationen entwickelt werden.
Treffen auf Zollverein
Der Science Summit selbst beginnt am 1. Dezember 2026 um 17 Uhr im Erich-Brost-Pavillon auf Zeche Zollverein in Essen. Nach dem Konferenzprogramm ist ein Empfang mit begleitender Projektausstellung geplant. Dort soll Raum für Austausch und Vernetzung sein – also für Gespräche, die nicht immer im offiziellen Programm stehen, aber oft den nächsten Schritt anstoßen.
Die Teilnahme ist kostenlos. Wegen der begrenzten Plätze ist eine vorherige Anmeldung erforderlich; Anmeldeschluss ist der 15. November 2026. Eine ausführliche Ankündigung der Konferenz war für Mitte Oktober vorgesehen.
Informationen, Kontakte und ganz praktische Fragen
Für den weiteren Wiederaufbau existieren auch jenseits der Hochschulen Anlaufstellen. Die Plattform Ukraine wiederaufbauen unterstützt Akteure in Deutschland, die sich engagieren möchten. Ihre Informationsangebote erklären Einzelpersonen und Organisationen, wie sie helfen können, welche Unterstützung benötigt wird und wie diese die passenden Stellen in der Ukraine erreicht.
Kommunen finden dort Hinweise zum Aufbau von Partnerschaften. Unternehmen erfahren, wie sie zur grünen Transformation der ukrainischen Wirtschaft beitragen können. Aktive Akteure teilen Erfahrungen und Wissen; Fachveranstaltungen beschäftigen sich unter anderem mit der Einbindung ukrainischer Jugendlicher und Minderheiten in Wiederaufbauaktivitäten. Bei der Deutsch-Ukrainischen Kommunalen Partnerschaftskonferenz geht es ebenfalls um den Austausch von Erfahrungen und Wissen.
Manchmal sind die Fragen dabei sehr konkret: Wie plant man während des Krieges eine Dienstreise in die Ukraine? Wie lassen sich Gütertransporte versichern? Und wie geht man mit Desinformation im Internet um? Dazu gibt es Workshops. Zur Vernetzung dienen außerdem virtuelle Breakout-Räume, eine geschlossene LinkedIn-Gruppe und Präsenzveranstaltungen.
Die Plattform zeigt, welche Akteure welche Aktivitäten verfolgen und wo praktische Hinweise zu finden sind. Sie erleichtert damit die Suche nach möglichen Kooperationspartnern mit ähnlichen Zielen. Für die Hochschulen im Ruhrgebiet führt dieser Weg am 1. Dezember nach Essen – zu Geräten, Forschungsfragen, Projekterfahrungen und hoffentlich einigen neuen Verbindungen.
