Kippo bei „Die Höhle der Löwen“: Ergonomische Schubkarrengriffe im Staffelfinale
Am 26. Oktober 2026 könnte es für Patrick Waligorski aus Essen ernst werden: Im Staffelfinale von „Die Höhle der Löwen“ stellt der 51-Jährige sein Produkt Kippo vor. Er fordert 50.000 Euro für 30 Prozent seines Unternehmens. VOX zeigt die Folge um 20:15 Uhr; bei RTL+ war sie bereits seit dem 19. Oktober verfügbar. Die Entscheidung über einen Deal sollte allerdings erst während der Ausstrahlung fallen.
Heute, am 24.10.2026, ist also noch offen, ob Kippo einen Löwen überzeugt – und welcher überhaupt Interesse zeigt. Das Produkt selbst ist ziemlich bodenständig: zwei drehbare Griffe für Schub- und Sackkarren, befestigt an den vorhandenen Holmen. Beim Heben, Lenken und Auskippen bewegen sie sich mit der Hand mit.
Griffe gegen das abgeknickte Handgelenk
Die Idee dahinter: Das Handgelenk soll beim Arbeiten weniger stark abgeknickt werden, ein Umgreifen ist nicht nötig. Kippo funktioniert rein mechanisch, ohne Elektronik, Akku oder App. Zum Einsatz kommen die Griffe dort, wo Schub- und Sackkarren ohnehin unterwegs sind – im Garten, auf dem Hof oder auf der Baustelle, etwa beim Transport von Rasenschnitt, Erde, Brennholz oder Bauschutt.
Waligorski kam auf die Idee, weil er selbst Schmerzen in den Handgelenken bekam – bei der Arbeit und im Garten. Gemeinsam mit seinem Cousin betreibt er einen Schrottplatz. Der Pachtvertrag läuft aus, die Suche nach einem neuen Gelände gestaltet sich schwierig. Auch das gehört zur Vorgeschichte des Gründers, die in der Fernsehshow vermutlich nicht ganz unter den Tisch fallen dürfte.
Laut Impressum tritt Waligorski persönlich als Anbieter auf. Kippo ist eine Produktmarke von KREUZMAN; unter dieser Marke wird auch ein Wurzelspaten verkauft.
Amazon als bisher einziger Verkaufskanal
Das Zweier-Set gibt es bisher ausschließlich über Amazon. Die Herstellerseite nennt keinen eigenen Preis und verweist auf das Amazon-Angebot. Im Oktober 2026 lag der Preis im niedrigen zweistelligen Eurobereich. Einen eigenen Onlineshop, einen Fachhandelsvertrieb oder eine Baumarktlistung gibt es bislang nicht.
Das ist praktisch, begrenzt aber die Reichweite. Gerade Baumärkte und Gartenfachhandel könnten für ein Zubehörprodukt dieser Art wichtige Vertriebskanäle sein. Dazu kommt eine offene technische Frage: Schubkarrenholme sind nicht einheitlich genormt. Ob Kippo mit unterschiedlichen Karren zuverlässig kompatibel ist, dürfte deshalb entscheidend sein.
Und noch etwas liegt auf der Hand: Ein mechanisches Produkt könnte vergleichsweise leicht kopiert werden. Ob die Konstruktion, die Marke oder ein möglicher Deal hier ausreichend Schutz bieten, war zum Zeitpunkt dieses Artikels nicht geklärt.
Arbeitsunfähigkeit: Muskel und Skelett weit vorne
Der Ansatz trifft auf ein Problem, das in der Arbeitswelt keineswegs klein ist. Muskel- und Skeletterkrankungen verursachten 2025 laut AOK Rheinland-Pfalz/Saarland 20,5 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage. Atemwegserkrankungen kamen auf 14,8 Prozent, psychische Erkrankungen auf 12,0 Prozent.
Das passt zum Einsatzfeld von Kippo: Eine vorhandene Karre soll ergonomischer nutzbar werden, ohne dass gleich eine neue angeschafft werden muss. Das Produkt ersetzt allerdings keine Ergonomieberatung.
Beim Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, kurz IFA, wird Ergonomie als Lehre von der menschlichen Arbeit beschrieben – und als optimale Anpassung der Arbeit an die Eigenschaften und Fähigkeiten des Menschen. Der Begriff leitet sich aus den griechischen Wörtern „ergon“ für Arbeit und „nomos“ für Lehre oder Gesetz ab. Unter Berücksichtigung der Arbeitssicherheit geht es um Humanität und Wirtschaftlichkeit, etwa durch optimierte Arbeitsabläufe.
Zur ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung zählen weit mehr als ein Griff: Umgebungsbedingungen wie Licht, Strahlung und Temperatur, Farbgebung, Lärm, Vibrationen, die Körpermaße des Menschen – Anthropometrie – sowie physische und psychische Belastungen. Das Referat Arbeitswissenschaft/Ergonomie des IFA befasst sich schwerpunktmäßig mit Belastungen des Muskel-Skelett-Systems.
Zum Stützapparat gehören Knochen, Muskeln, Bänder, Sehnen, Knorpel und Bindegewebe. Belastungen können durch Überforderung entstehen, aber auch durch Unterforderung. Das IFA nennt etwa das Heben, Tragen, Ziehen oder Schieben schwerer Lasten, Zwangshaltungen, repetitive Tätigkeiten und Arbeiten mit hohem Kraftaufwand. Unterforderung kann dagegen aus Bewegungsmangel entstehen, beispielsweise bei Büro- oder Fahrtätigkeiten.
Auf Muskel-Skelett-Erkrankungen entfallen jährlich etwa 20 bis 25 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage; ungefähr die Hälfte davon geht auf Rückenbeschwerden und Rückenerkrankungen zurück. Das IFA kündigt anschließend Themenschwerpunkte sowie eine Auswahl aktueller und abgeschlossener Projekte an – der Blick reicht also deutlich weiter als bis zur Schubkarre.
Fünf Start-ups im Staffelfinale
Waligorski tritt nicht allein auf. Im Staffelfinale werden außerdem folgende Angebote beziehungsweise Forderungen genannt:
| Start-up | Summe | Anteil |
|---|---|---|
| meinhaus.digital | 425.000 Euro | 5 Prozent |
| nüchtern | 300.000 Euro | 12 Prozent |
| allpacka One | 250.000 Euro | 10 Prozent |
| LifeSaveAir | 100.000 Euro | 10 Prozent |
| Kippo | 50.000 Euro | 30 Prozent |
Ob ausgerechnet die kleine, rein mechanische Hilfe für Garten, Hof und Baustelle die Runde macht, bleibt bis zur Sendung offen. Sicher ist nur: Am 26. Oktober 2026 fällt die Entscheidung vor laufender Kamera. Wer vorher selbst nachsehen will, findet weitere Informationen bei Gründerfreunde; die ergonomischen Grundlagen erläutert das IFA.
