Im Juni 2026 hat die Universität Greifswald bedeutende Fortschritte im Bereich des Fledermausschutzes bekanntgegeben. Ehrenamtliche Naturschützer zählen jährlich die überwinternden Fledermäuse und dokumentieren deren Bestände. Diese wertvolle Arbeit war jedoch lange Zeit durch das Fehlen einer zentralen Datensammlung erschwert. Dies änderte sich mit der Einführung von BATLAS – einer neu entwickelten Plattform, die erstmals ein deutschlandweites Bild der Bestandsentwicklung heimischer Fledermäuse liefert. Die Plattform vereint rund 150.000 Datensätze von Winterquartierzählungen aus ganz Deutschland und ermöglicht damit fundierte Einblicke in die Populationsentwicklung.
Die neu gewonnenen Daten unterstützen gezielte Naturschutzmaßnahmen und deren Evaluation. BATLAS zeigt deutschlandweite Populationstrends für 16 heimische Fledermausarten auf. Bei manchen Arten, wie der Kleinen Hufeisennase, sind positive Entwicklungen zu verzeichnen, während andere, darunter das Graue Langohr, mit Bestandsrückgängen zu kämpfen haben. Dadurch wird deutlich, wie wichtig langfristige Daten und das Engagement der Ehrenamtlichen für einen nachhaltigen Naturschutz sind. Die Plattform wird in Zusammenarbeit mit Wissenschaft, Behörden, Ehrenamtlichen und der Kompetenzstelle für Fledermausschutz Sachsen-Anhalt weiterentwickelt.
Ein wichtiges Werkzeug für den Naturschutz
Ein weiterer Vorteil von BATLAS ist die Integration unveröffentlichter Daten, die von freiwilligen Fledermausforschern und Naturschützern gesammelt wurden. Bislang war diese Fülle an Informationen nicht zentral ausgewertet worden. Ein vom BfN gefördertes Projekt zielt darauf ab, diese Daten zu standardisieren und mit wissenschaftlich publizierten Informationen zu kombinieren. So soll es möglich werden, jährliche Populationsgrößen im bundesweiten Maßstab zu schätzen.
Fledermäuse sind eine besonders schützenswerte Tiergruppe. Alle in Deutschland vorkommenden Arten sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht und unterstehen dem nationalen Recht sowie der FFH-Richtlinie der EU. Gerade deshalb ist ein kontinuierliches Monitoring der Fledermauspopulationen auf nationaler und internationaler Ebene unerlässlich. Informationen über die Populationsgrößen, -trends und -dynamik sind notwendig, um effizient arbeiten zu können.
- Die wichtigsten Forschungsfragen umfassen:
- Entwicklung der Populationen verschiedener Fledermausarten in den letzten Jahrzehnten.
- Aktuelle Trends und deren Robustheit.
- Überlebens- und Reproduktionsraten sowie deren Veränderungen.
- Demographische Struktur der Populationen und deren Veränderungen.
- Geographische Unterschiede in der Populationsdynamik und Einflussfaktoren.
- Verbesserung der Effizienz zukünftiger Monitoring-Erhebungen.
BATLAS dient nicht nur als Modell für den Umgang mit Biodiversitätsdaten, sondern zeigt auch, wie wichtig Projekte der Citizen Science sind. Mit dem Ziel, die Bedeutung von Fledermäusen für den Naturschutz klar zu unterstreichen, wird die Plattform ein unverzichtbares Werkzeug für Forschung, Naturschutz und politische Entscheidungen in Deutschland sein. Die Ergebnisse werden auch in wissenschaftlichen Studien veröffentlicht, die das Projekt aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten, beispielsweise in „Ecological Indicators“ und „Ecological Informatics“.
Mit Blick in die Zukunft ist das Engagement der Bevölkerung und der Wissenschaft unbedingt erforderlich, um die heimischen Fledermäuse zu schützen und die Artenvielfalt in Deutschland zu erhalten. Wie bereits erwähnt, ist der Schutz der Fledermauspopulationen nicht nur eine gesetzliche Pflicht, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung, die jeder wahrnehmen kann.
Für mehr Informationen und Einblicke in das Projekt BATLAS können Interessierte die offizielle Website besuchen: Universität Greifswald und BATLAS.info.