Zwei Biologiepreise für das Gymnasium Wermelskirchen: Muskelmodell und Zahnpasta-Forschung ausgezeichnet
Am Gymnasium Wermelskirchen gibt es in diesem Jahr gleich doppelten Grund zur Freude: Zwei Oberstufenschüler wurden beim Dr.-Hans-Riegel-Fachpreis im Bereich Biologie ausgezeichnet. Die Preise vergaben die Universität Köln und die Dr.-Hans-Riegel-Stiftung in den Fächern Biologie, Chemie, Geografie, Mathematik und Physik.
Tobias Drosten holte mit seiner Facharbeit den zweiten Platz und erhielt 400 Euro. Sein Thema klingt sperrig, führt aber mitten hinein in die Bewegung unserer Muskeln: „Bau und Analyse eines Sarkomer-Funktionsmodells im Vergleich zum mikroskopischen Präparat“. Betreut wurde die Arbeit von Martina Pesch.
Muskelbewegung aus Holz und Gummibändern
Drosten erklärte die Muskelkontraktion anhand der Gleitfilamenttheorie. Anschließend entwickelte und baute er ein eigenes Modell – aus Holz, Pfeifenputzern, Gummibändern und Magneten. Dieses Modell verglich er mit Mikroskopaufnahmen von Muskelpräparaten. So untersuchte er, wie gut seine Erklärungen und Vereinfachungen funktionierten.
Den dritten Platz belegte Luca-Pascal Pigula. Er untersuchte, welchen Einfluss verschiedene Zahnpflegeprodukte auf die menschliche Mundflora haben. Entstanden ist die Untersuchung im Biologie-Grundkurs von Andree Sohmen, in Zusammenarbeit mit dem zahnmedizinischen Institut der Universität Köln.
Pigula testete nach einem selbst entwickelten Versuchsprotokoll drei Zahnpasten. Dafür nahm er zu mehreren Zeitpunkten Mundabstriche und untersuchte sie mit wissenschaftlichen, mikroskopbasierten Verfahren. Mundflora, Zahnpasta, Abstriche – aus einem alltäglichen Badezimmer-Thema wurde damit eine ordentlich geplante biologische Untersuchung.
Nach Angaben des stellvertretenden Schulleiters Martin Burghoff wurden damit erstmals zwei Schüler des Gymnasiums Wermelskirchen bei diesem Fachpreis ausgezeichnet.
Wettbewerb zwischen Schule und Hochschule
Die Dr.-Hans-Riegel-Fachpreise richten sich an besonders gute Abschlussarbeiten von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe II. Vergeben werden sie in Kooperation mit 15 deutschen und sechs österreichischen Universitäten. Auf der Website des Wettbewerbs werden neben Informationen und den teilnehmenden Hochschulen auch ein Login-Bereich für den MINT TANK sowie ein Verzeichnis aller Preisträgerinnen und Preisträger mit ihren Arbeiten angeboten.
Auf dem Programm stehen die MINT-Fächer Biologie, Chemie, Geografie, Informatik, Mathematik und Physik. Jährlich erhalten etwa 300 Preisträgerinnen und Preisträger eine Auszeichnung. Der Wettbewerb soll Talente entdecken, MINT-Fächer fördern und Schulen sowie Hochschulen regional besser miteinander vernetzen.
Für die Jugendlichen geht es dabei nicht nur ums Geld: Hochschullehrende bestätigen ihre Leistungen, und erste Kontakte zu Universitäten entstehen. Professorinnen und Professoren wiederum bekommen durch die eingesandten Arbeiten Einblicke in den Wissensstand von Schülerinnen und Schülern und können für ihre Fachgebiete werben. Alle Siegerinnen und Sieger dürfen außerdem dem MINT TANK beitreten und Förder- und Vernetzungsangebote nutzen. Fachseminare und Konferenzen ergänzen die zunächst finanzielle Förderung um weitere Möglichkeiten.
Die Förderung des MINT-Nachwuchses gehört zu den zentralen Zielen der Dr.-Hans-Riegel-Stiftung und der Kaiserschild-Stiftung. Dr. Hans Riegel gründete die gleichnamige Stiftung in Deutschland sowie die Kaiserschild-Stiftung in Österreich und war ehemaliger Mitinhaber der HARIBO-Unternehmensgruppe. Von Wettbewerben war Riegel überzeugt, weil sie jungen Menschen helfen sollten, eigene Talente zu erkennen und gezielt weiterzuentwickeln.
Deshalb orientieren sich die Fachpreise an sportlichen Wettbewerben: Alle starten unter gleichen Bedingungen, in jeder Disziplin gibt es eine Siegerin oder einen Sieger. Ein ziemlich passendes Bild für Arbeiten, bei denen lange im Stillen getüftelt, gemessen und verworfen wird.
Regeln, Preisgeld und der Blick nach Dresden
Wie genau solche Wettbewerbe organisiert werden, zeigt auch der Dr. Hans Riegel-Fachpreis an der Technischen Universität Dresden. Dort richtet sich der Wettbewerb an Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 10 bis 13 an weiterführenden Schulen in Sachsen. Zugelassen sind Facharbeiten, Komplexe Leistungen oder wissenschaftliche Jahresarbeiten in Biologie, Chemie, Geographie, Informatik, Mathematik und Physik.
Die Arbeiten müssen im aktuellen Schuljahr selbstständig erstellt worden sein; Teamarbeiten sind möglich. Sie dürfen höchstens 25 Seiten ohne Anhänge umfassen und müssen den Qualitätskriterien für Komplexe Leistungen gemäß der SMK-Handreichung von 2024 entsprechen. Besondere Lernleistungen, kurz BeLLs, sind ausgeschlossen, weil sie hinsichtlich Umfang und Arbeitsaufwand nicht mit Komplexen Leistungen vergleichbar sind.
In jedem Fach werden die drei besten Arbeiten mit 600, 400 und 200 Euro ausgezeichnet. Die Schulen der Erstplatzierten erhalten zusätzlich einen Sachpreis im Wert von 250 Euro. Für die Teilnahme waren ein Online-Anmeldeformular, die Facharbeit als PDF-Datei mit maximal 20 MB und eine ausgefüllte Einverständniserklärung als PDF-Datei einzureichen. Eine gedruckte Fassung war nicht erforderlich. Zusatzmaterialien wie Video- oder Audiodateien sowie Programmiercodes können zusammen mit fachlichen Fragen an die Projektleiterin Dr. Janina Hahn gesendet werden.
Der Wettbewerb 2026 in Dresden ist beendet, die eingereichten Arbeiten werden derzeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Technischen Universität Dresden begutachtet. Die Preisverleihung findet am 26. November 2026 um 15 Uhr in der TU Dresden statt. Der nächste Wettbewerb startet im März 2027.
Die Projektleitung liegt bei Dr. rer. nat. Janina Hahn von der Technischen Universität Dresden, die Projektkoordination bei Maike Thomas. Fragen zur Wettbewerbsorganisation beantwortet Maike Thomas. Die Postanschrift lautet: Technische Universität Dresden, Dezernat 8, Dr. Hans Riegel-Fachpreise, Maike Thomas, 01069 Dresden. Weitere Informationen bietet die Homepage der Dr.-Hans-Riegel-Stiftung.
