BeKiGeKi wird fester Bestandteil des Thüringer Grundschulunterrichts
Erfurt, 9. Oktober 2026 – Bewegung beginnt nicht erst im Sportverein. Gerade im Kindesalter werden wichtige Grundlagen gelegt: Regelmäßige körperliche Aktivität kann vor Diabetes und Adipositas schützen, ein gesundes Körpergewicht unterstützen, die gesellschaftliche Teilhabe stärken und körperliche wie geistige Leistungsfähigkeit fördern. Genau hier setzt das Thüringer Programm „Bewegte Kinder = Gesündere Kinder“, kurz BeKiGeKi, an.
Im neuen Thüringer Grundschullehrplan ist das Programm nun ausdrücklich verankert. Für Drittklässlerinnen und Drittklässler ist im Bewegungsfeld „Fitness & Gesundheit“ ein verbindlicher Bewegungscheck vorgesehen. Die Erprobungsfassung des Lehrplans 2026 gilt seit dem Schuljahr 2026/2027 für die Klassenstufen 1 und 3. Der Lehrplan legt dabei Wert auf die gezielte Förderung motorisch-sportlicher Fähigkeiten.
Vom Schulprojekt zum festen Bestandteil des Unterrichts
BeKiGeKi besteht in Thüringen seit 2017 als Gemeinschaftsprogramm zur Förderung motorischer Fähigkeiten von Kindern der dritten Klassen. Zum Start machten 49 Grundschulen mit. Seit dem Schuljahr 2022/2023 ist der Bewegungscheck verpflichtend; seit 2022 gilt er als verbindlicher Bestandteil des Sportunterrichts in Thüringen.
Mit der neuen Lehrplanfassung ist das Programm nun in den curricularen Grundlagen des Sportunterrichts festgeschrieben – an Thüringer Grundschulen ebenso wie in der Primarstufe der Thüringer Gemeinschaftsschulen und der Thüringer Förderschulen.
Im Schuljahr 2025/2026 wurden Bewegungschecks von 17.029 Kindern an 470 Schulen dokumentiert. Seit dem Schuljahr 2017/2018 umfasst die Datenbasis mehr als 83.000 dokumentierte Fälle. Die Internetseite des Programms nennt seit Beginn rund 66.000 Schülerinnen und Schüler an 400 Thüringer Schulen, die den Test absolviert haben. Die Zahlen beziehen sich damit auf unterschiedliche Erfassungszeiträume und Dokumentationen.
Sechs Tests, ein persönliches Profil
Die Lehrkräfte führen die standardisierten Testungen jährlich durch. Sechs Prüfungen erfassen Ausdauer, Koordination, Schnelligkeit, Kraft und Gleichgewicht; aus den Ergebnissen entsteht für jedes Kind ein individuelles Fähigkeiten-Profil, das die sportliche Leistungsfähigkeit dokumentiert.
Danach geht es nicht bloß um eine Zahl auf einem Blatt. Kinder und Schulen erhalten individuelle Rückmeldungen sowie Handlungsempfehlungen für eine gezielte Bewegungsförderung. Auf Grundlage der Ergebnisse können Fördermaßnahmen entwickelt werden.
Auch außerhalb des Unterrichts wird angeknüpft. Kreis- und Stadtsportbünde veranstalten jährlich bis zu 30 „Tage des Sports und der Gesundheitsförderung“. Dort stellen sich regionale Sportvereine Familien mit Schnupperangeboten vor – Turnschuhe einpacken, hingehen, ausprobieren.
Seit 2022 finden außerdem in allen fünf Schulamtsbereichen Talentiaden für besonders sportlich begabte Kinder statt. Sportfachverbände und Sportvereine sind daran beteiligt. Seit dem Schuljahr 2023/2024 unterstützt der Landessportbund ausgewählte Kreis- und Stadtsportbünde bei der Finanzierung von Übungsleitenden. Diese bieten Bewegungsförderangebote an Grund- und Gemeinschaftsschulen an; welcher Bedarf besteht, wird anhand der regionalen Auswertung des Bewegungschecks ermittelt.
Forschung mit Blick auf Schule und Gesellschaft
Die wissenschaftliche Verantwortung für BeKiGeKi liegt bei Dr. Florian Bähr vom Fachgebiet Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Erfurt. Die Universität übernimmt die wissenschaftliche Betreuung des Programms. Das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur unterstützt den Fachbereich seit Juli 2022 und bis 2028 mit insgesamt 652.000 Euro.
Untersucht wird, wie sich die körperliche Fitness der Kinder entwickelt und wie sie mit körperlichen Voraussetzungen zusammenhängt. Ebenso interessieren regionale Unterschiede und soziale Voraussetzungen. Solche Auswertungen zeigen, wo Bewegung im Alltag gut funktioniert – und wo Unterstützung nötig ist.
Die Projektergebnisse stehen über eine frei zugängliche Ergebnisseite Schulen, Vereinen, Verbänden und der Öffentlichkeit zur Verfügung. Erkenntnisse aus BeKiGeKi fließen zudem in internationale wissenschaftliche Publikationen ein, darunter eine Studie von Bähr und Kollegen in Scientific Reports aus dem Jahr 2025. Landesweite Schulpraxis, Wissenstransfer und internationale Forschung laufen hier also auf einer Strecke zusammen.
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