20 Jahre taz Salon: Hamburg feiert Journalismus auf der Bühne mit Debatten, Musik und Craft-Bier
Am 22. November 2026 wird es im Hamburger Kulturhaus 73 im Schanzenviertel eng, laut und wahrscheinlich zwischendurch auch ziemlich lustig: Der taz Salon feiert sein 20-jähriges Bestehen. Das Jubiläum steht unter dem Motto „Anders machen“ und dauert einen Tag. Für die Veranstaltung sind noch einige Tickets verfügbar.
Begonnen hat die Geschichte 2006, als die taz nord zu einer gemeinsamen Redaktion fusionierte. Im selben Jahr schlug das neu eröffnete Kulturhaus 73 der Redaktion ein regelmäßiges Veranstaltungsformat vor. Daraus entstand der taz Salon – zunächst noch ohne den Zusatz „Journalismus auf der Bühne“. Der erste Abend zählte 35 Gäste, darunter mehrere Kolleg:innen.
Vom Gesprächsabend zur festen Reihe
Die Redaktion übernahm bald weit mehr als nur die Gespräche. Sie kümmerte sich auch um Themen- und Podiumsplanung sowie um die Werbung. Im Norden wurde der Salon zu einer festen Veranstaltungsreihe; inzwischen findet er auch in Bremen, Hannover und Kiel statt. Vor allem der Austausch mit den Leser:innen steht im Mittelpunkt.
Auf der Bühne landen lokale, bundesweite und internationale Themen – aus Altona und Wilhelmsburg ebenso wie aus Kenia, Venezuela oder den USA. Bei lokalen Fragen kann der Salon zur Plattform für neue politische Talente werden. 2011 diskutierte Olaf Scholz dort mit Anja Hajduk über eine mögliche rot-grüne Stadtregierung. Später trat Scholz auch mit Robert Habeck auf, noch bevor Habeck Umweltminister in Schleswig-Holstein wurde.
Ganz ohne Reibung ging es in den Anfangsjahren freilich nicht ab. Es gab einzelne Zwischenfälle, darunter eine „Weißbiertaufe“ für einen bayerischen Immobilienentwickler. Nach dem G20-Gipfel stellte sich Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) im Salon einer aufgebrachten Menge. Vom Dach der benachbarten Roten Flora drangen während der Veranstaltung Störgeräusche aus Lautsprechern herüber. Bei einem anderen Termin wurden Polizisten in Kampfmontur aus dem Saal gebeten, nachdem sie Mieteraktivist:innen in einheitlichen Westen für eine militante Gruppe gehalten hatten.
Meist, so heißt es im Rückblick, verlaufen die Veranstaltungen sachlich, konstruktiv und lösungsorientiert. Der Austausch unterschiedlicher Positionen gehört zum Konzept – samt der Momente, in denen es im Raum knirscht.
Ein ganzer Tag unter dem Motto „Anders machen“
Für das Jubiläum im Kulturhaus 73 ist ein dichtes Programm angekündigt. Zu den Gästen gehören Carla Hinrichs, Klimaaktivistin und Autorin, Carel Mohn, Journalist und Geschäftsführer des Projekts Klimafakten, Ilona Otto, Professorin an der Universität Graz, sowie Moritz Altenried, Leiter Digitalisierung der Arbeitswelt an der TU Berlin. Ebenfalls dabei sind Anselm Fehnker vom Artificial Intelligence Center Hamburg, Julia Kloiber, Geschäftsführerin von Superrr, Marvin Beck von der Interventionistischen Linken Bremen und Matthias Monroy, Redakteur beim nd.
Auf der Gästeliste stehen außerdem Emily Laquer, Medientrainerin und Gründerin der Aktivistinnen-Agentur, Andreas Speit, Rechtsextremismusexperte und taz-Autor, Marta Ahmedov, Journalistin, Elias Bernhard, Schüler aus Hamburg, Wiebke Hönicke, Bundeswehroffizierin, Podcasterin und Autorin, Serena Bilanceri, taz-Nahost-Korrespondentin.
Im Veranstaltungsplan wechseln sich Diskussion, Musik, Training und Geselligkeit ab. Im Bereich „Salon“ geht es von 15 bis 16.15 Uhr um „Ist die Klimakrise abgesagt?“, von 16.45 bis 18 Uhr um „Kann der Verfassungsschutz weg?“ und von 18.30 bis 19.45 Uhr um „Dienen. Wir. Deutschland?“. Von 20.15 bis 21.30 Uhr folgt ein Norddeutsches Craft-Biertasting.
Im „Saal“ heißt es von 14.45 bis 16 Uhr „Demokratie-Muskeln trainieren“, von 18.15 bis 19.30 Uhr „Die Sache mit dem Glück“ und von 20 bis 21.30 Uhr „Zeit für einen linken Neustart?“. Das „Nestkino“ zeigt beziehungsweise veranstaltet von 15 bis 16.15 Uhr „Eine andere KI ist möglich“, von 16.45 bis 18 Uhr „Anders singen mit der taz“ und von 18.30 bis 19.45 Uhr „Berichterstattung im Brandherd“.
Auch im Foyer ist einiges los: Um 14.30 Uhr begrüßt die Redaktionsleitung der taz nord die Gäste. Von 15 bis 16.30 Uhr läuft „Wir verstricken uns gerne!“, von 18.45 bis 19.45 Uhr ein Speeddating mit fünf taz-Köpfen. Zwischen 20 und 21 Uhr folgt „Hate-Bingo“ mit „taz zahl ich“. Ab 21 Uhr verabschiedet sich die Veranstaltung mit einem Glas tazsecco.
Speeddating, Stricknadeln und Bierprobe
Zusätzlich geplant sind Speeddating mit taz-Redakteur:innen und -Chef:innen, ein Demokratie-Muskel-Training, eine norddeutsche Bierprobe, ein Strick-Workshop, ein taz-Pop-up-Chor, der Glückssalon und ein „taz-zahl-ich“-Hate-Bingo. Das klingt nach einem Programm, bei dem man sich kaum entscheiden kann, wo man als Nächstes hingeht – und vermutlich trotzdem irgendwo hängen bleibt.
Der vollständige Veranstaltungsplan ist über den im Artikel angegebenen Link abrufbar. Der taz Salon begann 2006 als Gesprächsabend mit 35 Menschen. Zwei Jahrzehnte später verteilt sich das Jubiläum auf mehrere Räume, Themen und Formate – vom Klimagespräch bis zum Craft-Bier, vom Verfassungsschutz bis zum gemeinsamen Singen.
Für Studierende und Wissenschaftsinteressierte ist dabei auch die Verbindung zur TU Berlin sichtbar: Moritz Altenried spricht als Leiter Digitalisierung der Arbeitswelt an der TU Berlin mit, während die Jubiläumsveranstaltung selbst in Hamburg stattfindet. Wer am 22. November 2026 im Kulturhaus 73 dabei sein möchte, sollte sich um die noch verfügbaren Tickets kümmern, bevor aus „noch einige“ plötzlich „keine mehr“ werden.
