Am heutigen 2. November 2026 ist die Universität Hamburg zum Schauplatz einer Protestaktion geworden: Zwischen 20 und 50 überwiegend vermummte Demonstranten blockierten am Morgen die Eingänge der WiSo-Fakultät. Das Gebäude war unbenutzt, die Polizei griff nicht ein. Die Aktion sollte Solidarität mit der Initiative „Gen Z regelt!“ zeigen.

Die Proteste der jungen Generation richten sich gegen hohe Lebenshaltungskosten und steigende Preise, schlechte Lernbedingungen, marode Schulen und eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht. Gefordert werden außerdem der Schutz der Grundrechte vor staatlicher Überwachung, konsequenter Klimaschutz und eine gerechte Lastenverteilung zwischen den Generationen. Viele Jugendliche wollen dabei ausdrücklich nicht mit Gewalt in Verbindung gebracht werden, sondern ihre politischen Anliegen vorbringen.

Proteste in 32 Städten, Warnungen vor Unterwanderung

Die Initiative „Gen Z regelt!“ hatte für Samstag, den 31. Oktober 2026, zu Demonstrationen in bundesweit 32 Städten aufgerufen. In Köln wurden allein 15.000 Teilnehmer erwartet. Am Reformationstag gingen nach Angaben des NDR in mehr als 20 deutschen Städten junge Menschen für höhere Investitionen in Bildung, Gesundheit und Soziales auf die Straße. Organisiert wurden die Proteste vom Bündnis „Gen Z regelt“.

Etwa 120.000 Menschen nahmen laut dem Bericht teil – deutlich weniger als erwartet. In Hamburg legten zwei Anmelder Demonstrationen unter dem Titel „Gegen Wehrpflicht – GenZ regelt“ zusammen. Die Polizei kündigte verstärkte Präsenz an. Die City-Gemeinschaft in Hannover warnte vor Panikmache und erklärte, die Innenstadt sei gut geschützt. Das Innenministerium rechnete nicht mit massiven Eskalationen und betonte, die Behörden seien vorbereitet und handlungsfähig.

Sicherheitsbehörden warnten dennoch vor einer möglichen Unterwanderung durch extremistische Kräfte. Protestforscher und Polizei erwarteten allerdings keine Ausschreitungen wie in Frankreich. Sabrina Zajak von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin sieht zunächst keinen Anlass für eine Eskalation nach französischem Vorbild. Deutschland und Frankreich hätten unterschiedliche Protestkulturen; Jugendproteste in Deutschland seien in der Vergangenheit überwiegend friedlich verlaufen.

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Den starken Fokus auf mögliche Gewalt kritisiert Zajak. Er könne Jugendliche verunsichern und davon abhalten, ihr demokratisches Versammlungsrecht wahrzunehmen. Zugleich könnten gewaltbereite Personen aus anderen Gruppen angezogen werden – eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Rose Sözer von der Bundesschülerinnenkonferenz rief deshalb zu friedlichen und gewaltfreien Kundgebungen auf. Laut Zajak könnten die Demonstrationen zum Ausgangspunkt größerer Proteste werden, falls sich weitere Gruppen anschließen. Die geplanten Aktionen knüpfen an bereits bestehende gesellschaftliche Konflikte in Deutschland an; Protestforscher sehen ein Motiv auch darin, dass sich die junge Generation um ihre Zukunft betrogen fühlt.

Schülervertretung geht auf Abstand

Die Bundesschülerinnenkonferenz unterstützt die inhaltlichen Anliegen, distanziert sich aber von der Bewegung „Gen Z regelt“. Generalsekretärin Amy Kirchhoff nennt fehlende Transparenz über die beteiligten Organisationen, unklare Verantwortlichkeiten und fehlende Informationen darüber, wer sich eindeutig zu friedlichen Protesten bekennt. Dazu kämen mögliche Sicherheitsrisiken für Teilnehmende.

Die Schülervertretung solidarisiert sich mit allen Schülerinnen, die friedlich demonstrieren wollen, und möchte ein eigenes Protestangebot schaffen. Kirchhoff warnt davor, dass politische Organisationen oder Parteien die Anliegen junger Menschen für eigene Agenden nutzen könnten. Nach ihrer Einschätzung wurden die Proteste teilweise auch von Angehörigen älterer Generationen vorangetrieben. Die Interessen der jungen Generation sollten aber von jungen Menschen selbst vertreten werden und nicht von Gruppen oder Parteien vereinnahmt werden.

Kirchhoff befürchtet außerdem, dass die öffentliche Debatte stärker von Sicherheitsfragen und möglichen Ausschreitungen als von den eigentlichen Forderungen bestimmt wird. In Berichten hätten Warnungen der Deutschen Polizeigewerkschaft und des Verfassungsschutzes vor einer möglichen Unterwanderung im Vordergrund gestanden. Die Forderungen selbst seien legitim; auch Bildungsministerin Karin Prien habe das erklärt.

Am 20. November plant die Bundesschülerinnenkonferenz einen eigenen friedlichen Protest in Richtung Berlin. Vorgesehen sind ein Verhaltenskodex für Unterstützerinnen, eine klare bildungspolitische Agenda, konkrete Forderungen und die Einbindung etablierter Gremien, Institutionen und Gewerkschaften. Zugesagt haben unter anderem Fridays for Future, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Bundeselternrat. So soll ein transparentes Bündnis für Bildung entstehen.

Marode Schulen, fehlendes Personal

Kirchhoff verweist auf eine sich verschlechternde mentale Gesundheit von Schülerinnen, marode Schulgebäude, defekte Toiletten, undichte Decken und unzuverlässige Schulbusse. Der bundesweite Investitionsstau liege bei etwa 70 Milliarden Euro. Unterrichtsinhalte entsprächen teilweise nicht den Interessen der Schülerinnen. Zusätzlich fehlten Lehrkräfte und weiteres Personal; in Sachsen fielen allein Millionen Unterrichtsstunden aus.

Neben kurzfristigen Investitionen fordert Kirchhoff strukturelle Veränderungen. Schulen müssten langfristig so gestaltet werden, dass sie ihre gesellschaftliche Aufgabe erfüllen können. Die Bundesschülerinnenkonferenz spricht mit dem Bundesbildungsministerium über die Forderungen. Weitere Einflussmöglichkeiten sieht Kirchhoff in Gesprächen mit politischen Entscheidungsträgern und in der Pressearbeit. Bildung müsse als gesamtgesellschaftliches Thema verstanden werden, nicht nur als Angelegenheit von Schüler*innen und Eltern.

Auch die SPD-Politikerin Daniela Rump äußerte Verständnis für die Proteste, verwies aber auf staatliche Unterstützung und vorhandene Perspektiven. Generationenforscherin Steffi Burkhart forderte, die Gen Z ernst zu nehmen und eine geeignete Jugendpolitik zu entwickeln.

Streit über Gewalt und politische Verantwortung

Im politischen Berlin sorgen die Proteste derweil für Reibung. Verteidigungsminister Boris Pistorius widerspricht Innenminister Alexander Dobrindt und warnt vor pauschalen Schuldzuweisungen. Dobrindt hatte zuvor gewaltbereite Linksextremisten und Personen aus dem „migrantischen Milieu“ für die Krawalle verantwortlich gemacht. Hessens Innenminister Roman Poseck brachte sogar ein Verbot weiterer Jugendproteste ins Gespräch.

Die Debatte fällt in eine ohnehin angespannte politische Lage. Vor einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz fordern CDU-Kreisvorsitzende eine offene Aussprache über die Bundespolitik. Einige legen Merz nahe, den Parteivorsitz abzugeben. Désirée Schrade, CDU-Kreisvorsitzende aus Frankfurt (Oder), spricht von einer „dunkelroten“ Alarmlampe. Sie berichtet von Parteiaustritten in „spürbarem“ Umfang.

Parallel plant Bundesjustizministerin Stefanie Hubig eine Verschärfung des Sexualstrafrechts. Künftig sollen auch sexuelle Belästigungen durch Worte oder Gesten ohne Körperkontakt unter Strafe gestellt werden. Vorgesehen sind bis zu ein Jahr Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe.

Und dann kam noch die Nachricht aus Florida: Bei einem Absturz eines Privatflugzeugs nahe der Privatresidenz von US-Präsident Donald Trump in Mar-a-Lago starben alle neun Insassen. Die Maschine war von Texas zu den Bahamas unterwegs und setzte vor dem Absturz einen „Mayday“-Funkspruch ab.