Rund fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen sind von Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) betroffen. In vielen Grundschulklassen befinden sich betroffene Schülerinnen und Schüler, die dringend Unterstützung benötigen, um ihren Schulabschluss zu erreichen. Die Universität Potsdam hat auf diese Herausforderungen reagiert, indem sie unter der Leitung von Psychologe Timo Hennig eine ADHS-Gruppe für Studierende ins Leben gerufen hat. Diese Gruppe vermittelt Strategien, um Umgang mit Konzentrationsschwierigkeiten und emotionalen Belastungen zu erlernen und die Studienzeit effektiver zu gestalten. Uni Potsdam berichtet, dass die Verfügbarkeit solcher Unterstützung entscheidend für den Studienerfolg von Betroffenen ist.

Ein anschauliches Beispiel ist der Student Lennart Buchholz, der mit ADHS, Autismus und einer Lese-Rechtschreib-Schwäche kämpft. Er studiert Lehramt für Förderpädagogik und erhielt ab der 5. Klasse Unterstützung durch einen Einzelfallhelfer sowie Nachteilsausgleiche. Buchholz hat sich entschieden, selbst Lehrer zu werden, um anderen Kindern mit ähnlichen Schwierigkeiten zu helfen. Seine Geschichte verdeutlicht, dass individuelle Unterstützung oftmals essenziell ist.

Die Herausforderungen im Studium

Studierende mit ADHS stehen vor besonderen Herausforderungen, die sich häufig auf Selbstorganisation und Zeitmanagement auswirken. Prokrastination ist ein weit verbreitetes Problem und betrifft viele der betroffenen Studierenden. Gar nicht selten wird ADHS bei Erwachsenen erst spät erkannt – oft aufgrund untypischer Symptome, die nicht den klassischen Diagnosekriterien entsprechen. Typischerweise erhalten Mädchen seltener eine Diagnose als Jungen, da die Kriterien oftmals auf letztere zugeschnitten sind.

Timo Hennig hebt hervor, wie wichtig unterstützende Lernumgebungen und realistische Ziele sind, um den Studierenden einen erfolgreichen Studienverlauf zu ermöglichen. Die ADHS-Gruppe an der Universität Potsdam ist Teil eines Interventionsforschungsvorhabens, das darauf abzielt, Studierende zu unterstützen und den Einfluss der Unterstützung auf ihr Wohlbefinden zu evaluieren. Hierbei werden auch individuelle Beratungsangebote und Workshops für Studierende mit ADHS angeboten.

Umfassende Unterstützungssysteme

Doch nicht nur an der Universität Potsdam; auch an anderen Hochschulen wird Unterstützung für Studierende mit Behinderungen angeboten. Laut der Arbeitsagentur helfen wöchentliche Treffen mit Studienassistenten, organisatorische Herausforderungen und akademische Probleme anzugehen. Zusätzlich stehen Beauftragte für Studierende mit Behinderungen zur Verfügung, die beim Antrag auf Nachteilsausgleich für Prüfungen unterstützen.

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In Deutschland haben 16% der Studierenden studienerschwerende Behinderungen, sei es durch chronische oder psychische Erkrankungen. Der Nachteilsausgleich ist eine Maßnahme zur Gewährleistung von Chancengleichheit, die betroffenen Studierenden zusteht. Beratung kann die Erfolgsaussichten von Anträgen erheblich erhöhen, und es existieren zahlreiche Angebote wie psychosoziale Beratung, Lerngruppen und Peer-Formate, die zur Unterstützung dienen.

Ab Sommersemester 2026 wird an der Universität Potsdam ein Kurs für Erwachsene mit ADHS angeboten, der Bewegung und Achtsamkeit kombiniert. Hennig ist optimistisch, dass solche Gruppen den Studierenden helfen, besser mit ihren Symptomen umzugehen. Diese Initiativen schaffen Raum für positive Veränderungen, wie Sandra Müller, eine Teilnehmerin der ADHS-Gruppe, schildert. Sie hat ihr Studium erfolgreich abgeschlossen und berichtet von einer Verbesserung ihres Selbstverständnisses.

Veranstaltungen zur Unterstützung

Um den Studierenden zusätzlich Hilfestellungen zu bieten, findet am Montag, den 04. Mai 2026, ein Online-Vortrag mit dem Titel „ADHS im Studium“ statt. Geleitet wird er von Gloria Burg vom Servicezentrum Inklusion der Universität zu Köln. Teilnehmer lernen zentrale Merkmale von ADHS sowie deren Auswirkungen auf den Studienalltag kennen. Zu den Themen zählen Herausforderungen wie Konzentrationsschwierigkeiten, Prokrastination und Stress in Prüfungsphasen.

Die Teilnehmer werden auch praktische Strategien zur Strukturierung von Lernen und Prüfungsphasen entwickeln sowie mögliche Unterstützungsangebote kennenlernen. Eine Anmeldung ist erforderlich, und Zugangsdaten werden vorab per E-Mail versendet. Solche Veranstaltungen sind ein wichtiger Bestandteil eines effektiven Unterstützungsnetzwerks für Studierende mit ADHS, um deren Chancen auf erfolgreiche Studienabschlüsse zu erhöhen. Uni Würzburg weist darauf hin, dass der offene Umgang mit Erkrankungen und der Anschluss an Selbsthilfegruppen essenziell sind.