Aktive Pause statt Bürostuhl-Experiment: WueHealth bringt Bewegung in den Uni-Alltag
Zwischen E-Mails, Videokonferenzen und der nächsten Abgabefrist bleibt Bewegung im Uni-Alltag schnell auf der Strecke. Gerade langes Sitzen vor dem Bildschirm kann Verspannungen und Schmerzen verursachen. Eine kleine Unterbrechung tut da manchmal schon gut – auch wenn sie nur eine Viertelstunde dauert.
An der Julius-Maximilians-Universität Würzburg lädt WueHealth – Gesunde Hochschule am 3. November 2026 zur „Aktiven Pause“ ein. Die Live-Online-Bewegungseinheit beginnt um 12:15 Uhr und endet um 12:30 Uhr. Dr. Andreas Petko und Sabine Steindl leiten das Angebot, das sich an alle Angehörigen der JMU richtet. Die Kategorie: Gesundheit, Veranstaltung. Der Ort: online – der Weg dorthin fällt also erfreulich kurz aus.
Dehnen statt Durchsitzen
Auf dem Programm stehen einfache Übungen zum Dehnen, Lockern und Entspannen. Sie können helfen, Verspannungen zu lindern oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Auch kleine Schritte im Arbeitsalltag zählen: kurz zum Drucker gehen, ein Telefonat im Stehen führen oder den Bildschirm für ein paar Minuten verlassen. Viel braucht es oft nicht, damit der Rücken nicht komplett in den Bürostuhl sinkt.
Die Bewegungseinheit findet regelmäßig dienstags von 12:15 bis 12:30 Uhr statt. Wer am 3. November dabei sein möchte, muss sich also keinen langen Zeitraum freischaufeln. Eine kurze Pause, ein paar Bewegungen – und weiter geht’s.
Was ein anderer Bürostuhl leisten müsste
Wer den klassischen Büroarbeitsstuhl gleich ganz ersetzen möchte, findet verschiedene Alternativen: Fit- beziehungsweise Sitzbälle, Pendelhocker, Kniestühle und -hocker sowie Deskbikes und Walkstations. Für ihre Bewertung sind arbeitsmedizinische, sicherheitstechnische und ergonomische Kriterien entscheidend. Der verlockende Gedanke „mehr Bewegung beim Sitzen“ reicht dafür nicht aus.
Auf Fitbällen und Pendelhockern muss der Körper das labile Gleichgewicht ständig mit kleinen Ausgleichsbewegungen stabilisieren. Kurzfristig werden dadurch verschiedene Muskelgruppen aktiviert; einen nachweisbaren Trainingseffekt gibt es bei längerem Sitzen jedoch nicht. Weil die Rückenabstützung fehlt, ermüdet die Muskulatur rasch, der Rücken rundet sich, und die natürliche Lendenlordose wird aufgehoben. Das kann die Bandscheiben stärker belasten. Auch angebotene Rückenlehnen bieten laut den arbeitsmedizinischen Einschätzungen keine wirksame Abstützung. Fitbälle sind meist nicht höhenverstellbar und lassen sich deshalb nicht ausreichend an die Körpergröße anpassen. Eine entspannte, ermüdungsfreie Haltung mit genügend Bewegungsfreiheit ist auf ihnen und auf Pendelhockern nicht möglich. Für längeres Sitzen eignen sich beide daher nicht.
Kniestühle und -hocker sollen mit einer nach hinten ansteigenden Sitzfläche eine aufrechte Haltung und eine lordotische Stellung der Wirbelsäule fördern. Für Büroarbeit braucht es aber dynamisches Sitzen, also wechselnde Positionen, auch einmal zurückgelehnt. Genau das ist bei diesen Sitzmöbeln nicht möglich, weil Rückenabstützung und Zurücklehnen fehlen. Die schräge Sitzfläche belastet trotz Knieabstützung zusätzlich das Gesäß. Der Winkel zwischen Ober- und Unterschenkel liegt bei etwa 60 Grad und lässt sich kaum verändern; medizinisch sollte ein Knieöffnungswinkel von mindestens 90 Grad möglich sein. In der Sitz-Knie-Haltung werden zudem etwa 20 Prozent mehr Körpergewicht über Gesäß und Knie getragen. Als alleinige Sitzmöbel für Bildschirm- und Büroarbeit taugen Kniestühle und -hocker deshalb nicht.
Bewegung am Arbeitsplatz – mit Stolperfallen
Deskbikes bringen Bewegung durch Fahrradfahren während der Büroarbeit, Walkstations durch Arbeiten auf einem langsam laufenden Laufband. Untersuchungen zu Deskbikes zeigen allerdings nur mäßige Auswirkungen auf die Aktivierung des Herz-Kreislauf-Systems. Beide Geräte erfüllen die ergonomischen Anforderungen an einen Büroarbeitsstuhl nicht und sind nicht als Sitzmöbel für Bildschirm- und Büroarbeit geeignet. Als Trainings- oder Übungsgeräte können Fitbälle, Pendelhocker, Deskbikes und Walkstations eingesetzt werden – eine geeignete Sitzgelegenheit am Bildschirmarbeitsplatz sind sie nicht. Kniestühle und -hocker ebenfalls nicht als alleinige Lösung.
Auch die Sicherheit spielt eine Rolle, und da wird’s schnell weniger lässig: Geeignete Sitzgelegenheiten sollten individuelle Einstellmöglichkeiten, Standsicherheit und Stabilität, definierte Rolleigenschaften sowie Unterstützung für dynamisches Sitzen bieten. Häufige Positionswechsel verringern die Haltearbeit; eine Rückenlehne soll die natürliche Wirbelsäulenform in unterschiedlichen Sitzpositionen unterstützen. Fitbälle, Pendelhocker, Kniestühle und -hocker, Deskbikes und Walkstations erfüllen diese Anforderungen nicht oder nur teilweise.
Bei einem Fitball kann es passieren, dass jemand nach dem Aufstehen an die vermeintlich gleiche Stelle zurückkehrt – und der Ball inzwischen weggerollt ist. Seine Rolleigenschaften können zu Stürzen und Stolperunfällen führen. In mehreren Fällen platzten Fitbälle während der Nutzung; dabei kam es zu unterschiedlichen Verletzungen. Pendelhocker verfügen in der Regel nicht über ausreichende Standsicherheit. Kniestühle und -hocker erfüllen die sicherheitstechnischen und ergonomischen Anforderungen nur teilweise und ermöglichen kein dynamisches Sitzen. Im Wesentlichen gilt das auch für Deskbikes und Walkstations.
Keine der genannten Lösungen verfügt über eine ergonomische Rückenlehne. Bei Walkstations kommt zusätzlich eine erhöhte Unfallgefahr hinzu. Fitbälle, Pendelhocker, Kniestühle und -hocker, Deskbikes und Walkstations sind daher keine Alternative zum Büroarbeitsstuhl. Für die kurze Bewegung zwischendurch bleibt der Gang zum Drucker deutlich unspektakulärer – und vielleicht gerade deshalb ziemlich vernünftig.
