Am 31. Mai 2026 wird Annemarie Verkerk ihre neue Professur für „Language Science“ an der Universität des Saarlandes antreten. Zuvor war sie seit 2019 als Juniorprofessorin an derselben Institution tätig. Verkerk, die Linguistik an der Radboud Universität Nimwegen studierte und am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik promovierte, hat sich einen Namen in der Forschung gemacht, insbesondere durch ihre Arbeiten zur Sprachtypologie und Sprachgeschichte. Ihre Forschungsinteressen umfassen, wie sie selbst beschreibt, die Veränderungen der Sprache durch die menschliche Nutzung sowie die Analyse von Verbindungen und Unterschieden zwischen verschiedenen Sprachen unter Verwendung komplexer statistischer Methoden.
Aktuell leitet Verkerk ein Team, das am „Corpus of Indo-European Prose Plus (CIEP+)“ arbeitet, welches unterrepräsentierte Sprachen in den Fokus nimmt. Dies stellt einen bedeutenden Teil ihrer Forschungsanstrengungen dar. Darüber hinaus leitet sie zwei Forschungsprojekte, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert werden. Eines dieser Projekte ist im Rahmen des Sonderforschungsbereichs zur Informationsdichte und linguistischen Encoding (SFB 1102) angesiedelt, während das andere in Kooperation mit der Université Aix-Marseille in Frankreich durchgeführt wird. Verkerk hat ihre Arbeit auch in renommierten Fachzeitschriften wie Nature Human Behaviour veröffentlicht und trägt somit zur wissenschaftlichen Debatte über Sprachuniversalien bei.
Forschungsschwerpunkte und Methodik
Verkerks Forschungsschwerpunkte sind insbesondere die Auswirkungen soziolinguistischer Einflüsse auf die Sprache und deren historischen Veränderungen. Die analytischen Methoden, die sie anwendet, sind ausschlaggebend, um die Dynamik verschiedener Sprachfamilien zu verstehen. Diese Forschungsansätze sind eng mit den Prinzipien der Sprachtypologie verbunden, die die Vielfalt menschlicher Sprachen erfasst und systematisiert. Joseph Greenberg, ein Pionier auf diesem Gebiet, entwickelte die Universalienforschung, die nach Strukturgesetzmäßigkeiten in Sprachen sucht. Dies umfasst beispielsweise die Klassifikation von Sprachen nach ihrer Wortstellung.
Sprachtypen werden dabei typischerweise in Kategorien wie SVO (Subjekt-Verb-Objekt), SOV (Subjekt-Objekt-Verb) oder VSO (Verb-Subjekt-Objekt) unterteilt. Verkerk analysiert solche Typologien und deren Anwendung in unterschiedlichen Sprachkontexten, um ein umfassenderes Bild über die linguistische Diversität zu erhalten. In vielen Sprachen steht das Subjekt vor dem Objekt, während in anderen das Gegenteil der Fall ist, was die Komplexität der Sprachordnung weiter verdeutlicht.
Kollaboration und Vernetzung
Die Fachrichtung Sprachwissenschaft und Sprachtechnologie an der Universität des Saarlandes zählt seit ihrer Gründung im Jahr 1973 zu den führenden Institutionen in der interdisziplinären Forschung. Hierzu zählen auch die Kooperationen mit Informatik, Philologien und Psychologie. Die Universität ist Teil des Saarland Informatics Campus und arbeitet eng mit renommierten Forschungsinstituten, darunter das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, sowie verschiedenen Max-Planck-Instituten zusammen.
Verkerk wird an einem Standort tätig sein, der zunehmend in die regionale und internationale Sprachforschung integriert wird. Dies wird durch die Teilnahme an nationalen und internationalen Projekten sowie an Konferenzen unterstrichen. Ereignisse wie die Proceedings der GLOW 47 in Frankfurt im März 2025 oder die 30. Ausgabe der Konferenz Sinn und Bedeutung im September 2025 verdeutlichen die aktive Rolle der Institution in der linguistischen Gemeinschaft.
Mit ihrer Ernennung zur Professorin setzt Verkerk einen neuen Akzent in der linguistischen Forschung der Region und kann ein großes Potenzial zur Entwicklung innovativer Ansätze in der Sprachwissenschaft entfalten. Ihre Arbeit ist nicht nur für die akademische Gemeinschaft von Bedeutung, sondern trägt auch zur breiteren gesellschaftlichen Diskussion über Sprache, Kommunikation und deren evolutionäre Veränderungen bei.