ATHENE-1 startet SeRANIS: 22 Experimente für robuste Kommunikation und Navigation im Orbit
Am 2. Oktober 2026 ist der Technologiedemonstrator ATHENE-1 von der Vandenberg Space Force Base in Kalifornien gestartet. Der Kleinsatellit flog mit einer Falcon-9-Rakete von SpaceX im Rahmen der Mission Transporter-18 und wurde planmäßig in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht.
Entwickelt und gebaut wurde ATHENE-1 von der OHB-Tochter LuxSpace gemeinsam mit der Universität der Bundeswehr München. Für den Standort München ist das ein ziemlich direkter Blick ins All: Mit dem Start beginnt die operative Missionsphase des Forschungsprojekts SeRANIS – „Seamless Radio Access Networks for Internet of Space“.
22 Experimente für Kommunikation und Navigation
SeRANIS wird von der Universität der Bundeswehr München geleitet und vom Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr, dtec.bw, gefördert. Ziel ist es, Forschungstechnologien schneller praktisch nutzbar zu machen und ihren Nutzen für künftige Weltraumfähigkeiten zu demonstrieren.
ATHENE-1 dient dabei als Technologie- und Erprobungsplattform für 22 wissenschaftliche Experimente. Getestet werden Verfahren für satellitengestützte Kommunikation und Vernetzung, Aufklärung und Sensorik, Navigation sowie künstliche Intelligenz und Datenverarbeitung an Bord. Die Anwendungen sollen nicht bloß im Labor funktionieren, sondern unter realen Bedingungen im Weltraum erprobt und gemeinsam mit künftigen Nutzern validiert werden.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Erkennung, Lokalisierung beziehungsweise Ortung und Abwehr oder Eindämmung von Störungen. Damit soll die Widerstandsfähigkeit satellitengestützter Navigations- und Kommunikationssysteme steigen. Weitere Versuche betreffen intelligente Signal- und Datenverarbeitung sowie neue Anwendungen für staatliche und militärische beziehungsweise verteidigungsbezogene Nutzer.
Die Angaben zur Startmasse unterscheiden sich je nach Projektstand: In der früheren Beschreibung wurde ATHENE-1 mit knapp 300 Kilogramm angegeben, im Zusammenhang mit der Startplanung war von etwa 400 Kilogramm die Rede. Fest steht: Der Satellit basiert auf der modularen Kleinsatellitenplattform Triton-X Heavy von LuxSpace und trägt eine multifunktionale experimentelle Nutzlast der Universität der Bundeswehr München.
Software statt starrer Satellitentechnik
Technologisch steht ATHENE-1 für softwaredefinierte und rekonfigurierbare Satellitensysteme. Die getesteten Technologien sollen nach dem Start an neue Standards, Einsatzszenarien und Störungen angepasst werden können. Das klingt zunächst nach einem trockenen Detail, ist für Systeme im All aber entscheidend: Ein Satellit lässt sich nicht einfach zur Reparatur zurückholen.
Die Integration der Nutzlast erfolgte am OHB-Standort Oberpfaffenhofen. OHB Orbital Access war mit der Organisation der Startkampagne beauftragt. Das Nationale Raumfahrtkontrollzentrum GSOC des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt stellt die Bodeninfrastruktur für Telemetrie, Befehlsübermittlung sowie Überwachung und Steuerung bereit.
In den Tagen nach dem Start folgen die „Launch and Early Orbit Phase“ (LEOP) und die Inbetriebnahme im Orbit. Erst danach werden die wissenschaftlichen Experimente schrittweise aktiviert. Die Mission ist auf mehrere Jahre ausgelegt und soll Erkenntnisse für die nächste Generation satellitengestützter Systeme liefern.
Vom Labor zu praktischen Fähigkeiten
OHB-CEO Marco Fuchs bezeichnete die Mission als Beispiel für die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie. Nach seinen Angaben soll sie Erkenntnisse zur Weiterentwicklung satellitengestützter Kommunikationssysteme für zivile und militärische Anwendungen liefern.
Andreas Knopp, Initiator und Programmleiter von SeRANIS, beschreibt das Programm als erste gemeinsame agile In-orbit-Testplattform für Wissenschaft, Start-ups, Industrie und Bundeswehr. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen dadurch schneller aus dem Labor in praktische Anwendungen überführt, gemeinsam mit Nutzern bewertet und mit Start-ups sowie Industrie weiterentwickelt werden. Der geplante Weg reicht laut Knopp von wissenschaftlichen Ideen zu geprüften Technologien und daraus zu konkreten Fähigkeiten für die Bundeswehr.
SeRANIS stellt damit eine vielseitige Testplattform im Orbit bereit – für widerstandsfähige Kommunikation und Navigation, fortgeschrittene Signal- und Datenverarbeitung und neue Anwendungen staatlicher und verteidigungsbezogener Nutzer. Das Projekt soll außerdem Grundlagen für einen von der Bundeswehr geplanten vernetzten und multiorbitalen Weltraumansatz mit mindestens mehreren hundert Satelliten schaffen.
Die ergänzend herangezogene Bundeswehr-Seite zur „Führungsfähigkeit“ ist nicht lesbar beziehungsweise offenbar fehlerhaft codiert. Verlässliche sachliche Informationen oder Nachrichteninhalte lassen sich daraus nicht extrahieren. Für ATHENE-1 bleiben daher Start, Experimente und die nächsten Schritte der Mission maßgeblich: Erst kommt die Inbetriebnahme, dann wird sich zeigen, was die 22 Versuche im Orbit tatsächlich hergeben.
