Ein interdisziplinäres Forschungsteam hat bedeutende neue Erkenntnisse über die Metallverarbeitung und religiösen Praktiken der Nuraghenkultur auf Sardinien gewonnen. Eine aktuelle Analyse von Metallobjekten, darunter Votivschwerter und rasierklingenartige Geräte, zeigt, dass sie aus Bronze mit hohem Kupfer- und niedrigem Zinnanteil bestehen. Diese_resultate werfen ein neues Licht auf die sozialen und rituellen Strukturen dieser Kultur. Uni Tübingen berichtet, dass die Votivschwerter nicht für Kämpfe, sondern höchstwahrscheinlich für symbolische oder rituelle Zwecke hergestellt wurden.
Die Analyse ergab, dass die Form und Materialzusammensetzung der rasierklingenartigen Objekte Ähnlichkeiten mit Funden vom italienischen Festland aufweisen. Allerdings stellt das Forschungsteam fest, dass die Hinweise eher auf eine lokale Produktion und nicht auf einen Import hindeuten. Dies deutet darauf hin, dass Sardinien über eigene handwerkliche Traditionen verfügte, die dennoch eine Verbindung zum Festland aufwiesen.
Religiöse Zentren und soziale Dynamiken
Die Nuraghe Barru, ein bedeutender Turm aus der Eisenzeit, war demnach ein aktives Zentrum für Rituale und soziale Interaktionen. Diese Erkenntnisse könnten darauf hindeuten, dass alte Gebäude nicht vollständig aufgegeben wurden. Stattdessen wurden bestimmte Türme der Nuraghenkultur für zeremonielle Zwecke weiterhin genutzt, was in einer Zeit des Wandels zur Verhandlung von Identität und sozialer Macht beitrug.
Das Projekt wird von der Gemeinde Guamaggiore unterstützt, die sich um die Untersuchung und Erhaltung der Fundstätte kümmert. Zudem ist ein 3D-Modell der Nuraghe Barru erstellt worden, das den Zugang zu diesen historischen Informationen erleichtert. Die Publikationen über Rituale und soziale Dynamiken innerhalb der Nuraghenkultur von Amicone et al. liefern wertvolle Einblicke in diese komplexe Epoche.
Handelsnetzwerke und metallurgische Praktiken
Die Forschung über die Handelsnetzwerke im Bronzezeitalter wird durch das Projekt „Metals & Giants“ weiter vertieft. Hierbei wird der Ursprung des Metalls, das zur Herstellung sardischer Bronzefiguren verwendet wurde, mittels eines Multi-Proxy-Ansatzes bestimmt. Dieser Ansatz wird am Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie in Mannheim umgesetzt. WBG berichtet von den Ergebnissen, die darauf hinweisen, dass das Kupfer in der Regel aus lokalen Quellen in Sardinien stammt, während Zinn überwiegend von der Iberischen Halbinsel importiert werden musste.
Kupfer aus dem Nahen Osten wurde bei der Herstellung nicht verwendet, was die lokalen Ressourcen und Handelsbeziehungen der Nuraghen betont. Die isotopischen Signaturen der Bronzetti und die chemischen Muster der sardischen Zinnobjekte unterstützen diese Annahme, dass überregionale Standards bei der Metallverarbeitung existierten, obwohl räumliche Distanz zwischen den Fundorten bestand.