China weitet derzeit seinen Einfluss in der internationalen Ordnung durch verschiedene Ansätze aus, insbesondere durch Infrastrukturprojekte und digitale Plattformen. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Forschungsgruppe „Learning Empire“ an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg untersucht detailliert, wie China seine Einflussstrategien formuliert und umsetzt. Professor Dr. Matthew D. Stephen und Dr. Steven Langendonk leiten diese Forschung, die Teil einer neuen Förderrunde mit insgesamt 14 Forschungsgruppen ist. Ihr Ziel ist die systematische Analyse von Chinas Einfluss in diversen Politikfeldern, darunter das internationale Finanzsystem, digitale Technologien und die globale Wissenschaft.
Besonderes Augenmerk wird auf das Teilprojekt „Imperiale Ideologie“ gelegt, das die Praktiken Chinas zur ideellen Bindung in der globalen Governance untersucht. Diese Forschung zielt darauf ab, die Bedingungen für eine wirksame ideelle Einflussnahme zu verstehen und zu analysieren, wie China über Ideen und Normen seinen Einfluss ausbaut. Ein zentraler Aspekt dieser Analyse ist die Rolle der „ideellen Bindung“, die es China ermöglicht, eigene Narrative zu etablieren, wie etwa die „Community of Shared Future for Mankind“.
Chinas Global Governance Initiative
Xi Jinping betont, dass die GGI nicht nur das Ziel hat, internationale Beziehungen zu demokratisieren, sondern auch ein mehrseitiges System zu fördern, das sich für die Belange aller Menschen einsetzt. Die GGI ist Teil eines umfassenderen Programms, das auch die Globale Entwicklungsinitiative und andere Sicherheits- sowie Zivilisationsinitiativen beinhaltet. Durch die Einführung dieser Initiative versucht China, seine eigenen Prinzipien in das globale Governance-System zu integrieren.
Veränderung der internationalen Wahrnehmung Chinas
Im Kontext der GGI ist es wichtig zu beachten, dass China bestrebt ist, die Wahrnehmung seiner Rolle in der Welt zu verändern. Deutschland und Europa stehen vor der Herausforderung, China als strategische Herausforderung zu begreifen, während sie gleichzeitig ihre Handelspraktiken überdenken müssen. Die engen Beziehungen zwischen China und Russland sowie Chinas strategische Projekte wie die Gründung einer SOZ-Entwicklungsbank und die Alternativen zu bestehenden Systemen wie GPS verdeutlichen dies. Europäische Akteure sind aufgefordert, selbstbewusster zu agieren und an von China organisierten Gipfeln teilzunehmen.
Ein zentraler Aspekt ist die Notwendigkeit, einseitige Abhängigkeiten, insbesondere hinsichtlich kritischer Rohstoffe, zu reduzieren. Das Gipfeltreffen in Tianjin, das das größte der Geschichte der SOZ war, unterstreicht, wie ernsthaft China seine diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen ausbaut. Die Teilnahme von mehr als 20 Staatschefs und die Rückkehr Indiens zur engen Kooperation nach sieben Jahren Abwesenheit zeigen die Bedeutung Chinas in der internationalen Politik.
In Anbetracht dieser Entwicklungen ist es unerlässlich für Europa, die eigene Sicht auf China neu zu definieren und den notwendigen kulturellen Austausch sowie die diplomatische Zusammenarbeit zu fördern. Chinas Agenda zur Governance stellt nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen dar, um eine integrative und ausgewogene internationale Ordnung zu formen.