Cricket verbindet sechs Nationen im MJC Mergener Trier
Auf dem Cricketplatz der MJC in Trier ist im Juli 2026 einiges los gewesen: Beim Porta Nigra Cup trat der Gastgeber als MJC Mergener Trier XI Cricket Club an. Die Mannschaft schaffte es bis ins Halbfinale, verlor dort aber. Ärgerlich, klar. Trotzdem erzählt das eigene Turnier viel über einen Verein, der in den vergangenen Jahren Stück für Stück gewachsen ist.
Faisal Gondal kam mit 17 Jahren aus Pakistan nach Trier. Heute leitet er eine Cricket-Mannschaft, in der Spieler aus sechs Nationen zusammenkommen. Was einst als lose Trainingsrunde begann, ist längst mehr als ein Hobbyprojekt: Der MJC Mergener Trier Cricket Club gehört inzwischen fest zum Trierer Sportleben.
Vom Mergener Hof zum Jugendzentrum
Der Ort, an dem die MJC heute arbeitet, blickt weit zurück. Das Gebäude wurde erstmals 1283 erwähnt. 1454 wurde es zum Stadtrefugium der außerhalb Triers gelegenen Abtei St. Marien. Daher kam auch der Name „Mergener Hof“ – aus „Marien“ wurde „Mergen“. Während der Säkularisation unter Napoleon gelangte die Hofanlage in Privatbesitz.
Die Geschichte der MJC selbst reicht ebenfalls Jahrhunderte zurück. Jesuiten gründeten 1576 in Trier eine Marianische Kongregation (MC), damit junge Männer durch religiöse Übungen eine christliche Prägung erhielten. Als die Mitgliederzahlen stiegen, spaltete sich 1617 eine Handwerker-Sodalität von der Kongregation ab.
Die MJC überstand die Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773 ebenso wie dessen erneutes Verbot im Kulturkampf unter Bismarck. Der Zulauf von Jugendlichen zu Bildungsangeboten, religiöser Begleitung und Gemeinschaft führte unter anderem 1919 zur Neugründung einer Jesuitenniederlassung in Trier.
Dann kam der harte Bruch: 1937 lösten die Nationalsozialisten den Verein auf und zogen sein Vermögen ein. Die Bildungsarbeit wurde dadurch unterbrochen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte vor allem das Bistum das Gebäude, ehe die Jesuiten in den 1960er-Jahren mit verschiedenen Gruppen in den Mergener Hof zurückkehrten.
Sport, offene Türen und neue Räume
Wegen stark steigender Mitgliederzahlen wurden Umbauten und Erweiterungen beschlossen. Nach Abschluss der Arbeiten wurde der Mergener Hof 1969 als Jugendzentrum und „Haus der offenen Tür“ eingeweiht. Das Konzept war nun weiter gefasst: Koedukation, offene Angebote und zusätzliche Räume für die Kinder- und Jugendarbeit gehörten dazu.
Auch Sport bekam seinen festen Platz. Während des Wiederaufbaus nach dem Krieg wurde er integriert, 1953 wurde der Verein neu gegründet. In den 1960er-Jahren kamen die Offene Arbeit und die Aufnahme von Mädchen hinzu. Daraus entwickelte sich die bis heute bestehende Jugendarbeit mit christlichem Hintergrund.
1971 änderte der Verein seinen Namen in „Mergener Hof e. V. (MJC von 1617) zu Trier“. 1976 ergänzte eine Beratungsstelle für junge Arbeitslose das Angebot; seit Frühjahr 2007 befindet sie sich wieder im Gebäude des Jugendzentrums. 1992 schieden die Jesuiten nach 375 Jahren aus der Jugendarbeit aus. Als zentrale Bereiche blieben Gruppenarbeit, Sport und Offene Arbeit.
In diesem Umfeld konnte auch Cricket Wurzeln schlagen. Aus einer Trainingsrunde wurde ein Club, aus einzelnen Treffen ein regelmäßiger Bestandteil des Vereinslebens. Der Porta Nigra Cup im Juli 2026 war dafür ein ziemlich sichtbares Zeichen – mit eigenem Platz, eigenem Team und einem Halbfinale, auch wenn dort Schluss war.
Was Cricket jungen Menschen bieten kann
Viele Kinder und Jugendliche interessieren sich für Sport und Wettkämpfe. Für Vereine lohnt es sich deshalb, Jugendarbeit auf- und auszubauen: Die Teilnahme am Jugend-Ligabetrieb wird möglich, Talente können an Frauen- und Männermannschaften herangeführt werden. Eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit gilt als zentrale Grundlage für die Zukunft von Vereinen.
Cricket bringt dabei einiges mit. Der Mannschaftssport bietet abwechslungsreiche sportliche Betätigung, schafft Möglichkeiten für soziale Bindungen und fördert Teamgeist und Gemeinschaft. Vereine und Schulmannschaften können Räume schaffen, in denen Sport und sportliches Miteinander im Mittelpunkt stehen – mit viel Bewegung, Zurufen und gelegentlich auch dem langen Warten auf den richtigen Moment.
Einsetzen lässt sich Cricket unter anderem im Offenen Ganztag und bei Schulwettbewerben. Die Sportart kann das Angebot an Schulen vielfältiger und inklusiver machen und Schülerinnen und Schüler verschiedener Altersgruppen ansprechen. Der Deutsche Cricket Bund hat dafür das Pilotprojekt „Cricket im Offenen Ganztag“ entwickelt. Schulen und Sportvereine sollen miteinander verbunden, Schulkooperationen im Ganztag gefördert werden.
Im Schulalltag kann Cricket den Sportunterricht und den außerschulischen Sport ergänzen. Als mögliche Effekte werden Teamarbeit, soziale Kompetenzen, interkulturelles Verständnis, körperliche Fitness und Freude an Bewegung genannt. Über das Criiio-Cricket-Programm lässt sich Cricket laut dem Artikel vergleichsweise unkompliziert und kostengünstig einführen.
Der Deutsche Cricket Bund engagiert sich seit Langem in der Nachwuchsarbeit und unterstützt Vereine beim Aufbau und bei der Förderung junger Spielerinnen und Spieler. Für eine Mannschaft wie den MJC Mergener Trier XI Cricket Club, in der Menschen aus sechs Nationen zusammenspielen, klingt das nach einem Ansatz, der nicht nur auf dem Papier funktioniert.
Quelle: Volksfreund
Weitere Vereinsgeschichte: MJC Trier
Informationen zu Jugendcricket: Deutscher Cricket Bund
