Dafina Redzepi zwischen Platzverweis und Comeback nach vier Jahren Verletzungspech
Dafina Redzepi hat beim VfB Stuttgart den Traum von der Frauen-Bundesliga erreicht. Dass ihr Weg dorthin nicht geradeaus verlief, zeigt sich an diesem Samstag gegen Eintracht Frankfurt besonders deutlich: In der 57. Minute musste die gebürtige Heilbronnerin vom Platz. Stuttgart verlor 0:3.
Redzepi legte sich den Ball bei einem Schussversuch zu weit vor und traf die Frankfurterin Dilara Açıkgöz am Bein. Die Schiedsrichterin Miriam Schwermer zeigte nicht die erwartete Gelbe, sondern Rot. Für Redzepi war es der erste Platzverweis ihrer Karriere. Der VfB spielte dadurch mehr als 30 Minuten in Unterzahl.
Eine Sperre, über die der VfB streitet
Das DFB-Sportgericht sperrte die VfB-Mittelfeldspielerin im Einzelrichterverfahren für ein Bundesliga-Spiel. Vorausgegangen war die Anklage durch den DFB-Kontrollausschuss; als Begründung nennt das Gericht „unsportliches Verhalten gegen die Gegnerin“. Die Sperre gilt bis zu ihrem Ablauf auch für alle anderen Meisterschaftsspiele des VfB.
Damit fehlt Redzepi gegen den 1. FSV Mainz 05, den Mitaufsteiger. Sascha Glass, General Manager Frauenfußball, erklärte, der VfB müsse die Entscheidung hinnehmen, halte sie aber für falsch. Die Rote Karte für das Foul sei eine Fehlentscheidung gewesen, sagte Glass außerdem. Dass die Sperre nun in den Wettbewerb hineinwirke und Stuttgart in Mainz auf eine wichtige Spielerin verzichten müsse, ärgert ihn sichtlich.
Für Redzepi selbst bleibt die Lage doppeldeutig. Einerseits der erste Platzverweis, andererseits nach eigener Einschätzung der bisher schönste Punkt ihrer Karriere: Stammspielerin in der Bundesliga, seit Jahren in DFB-Jugendmannschaften aktiv und Anfang Oktober 2026 in der U23-Nationalmannschaft debütiert. In der Zweitliga-Saison vor dem Aufstieg erzielte sie acht Tore und bereitete sechs weitere vor. Ein Bundesliga-Tor fehlt ihr allerdings noch.
Vier bis fünf Jahre, die wehtaten
Der VfB verpflichtete die Heilbronnerin Anfang 2024. Bei ihrer Vorstellung bezeichnete Sportdirektor Sascha Glass sie als eines der größten Talente im deutschen Frauenfußball. Redzepi beschreibt sich selbst als positive und humorvolle Person. Das klingt leicht, fast locker — passt aber zu einer Spielerin, die mit 21 Jahren bereits zwei Kreuzbandrisse und fünf Operationen hinter sich hat.
Bis zu ihrem 16. Lebensjahr spielte sie in der Akademie der TSG Hoffenheim. Über längere Zeit war sie dort das einzige Mädchen, das mit Jungen trainierte. Im August 2020 verletzte sie sich bei einem Testspiel nach der Corona-Pause am linken Knie. Nach einem Zusammenprall stand sie zunächst wieder auf. Beim nächsten Antritt knackte das Knie erneut. Die Diagnose: Kreuzbandriss.
Die Reha dauerte deutlich länger als die üblichen sechs bis acht Monate, weil die Schmerzen nicht verschwanden. 2023, während ihrer Zeit bei der zweiten Mannschaft des FC Bayern München, riss das Kreuzband im linken Knie erneut. Später kam beim VfB noch ein Meniskusriss dazu. Vier bis fünf Jahre waren von Verletzungen geprägt — eine lange Zeit, gerade in einem Alter, in dem andere Spielerinnen ihre ersten großen Schritte machen.
Aufgegeben habe sie trotzdem nie. Ihre innere Stimme habe sie immer wieder zum Weitermachen aufgefordert, sagt Redzepi. Durch diese Jahre sei sie mental stärker geworden. Die Familie stand während der verletzungsbedingten Auszeiten hinter ihr; sie beschreibt sie als besonders eng verbunden.
Als Erinnerung an diese Haltung trägt sie den Satz „The only limit is your mind“ als Tattoo. Ihr fußballerisches Vorbild ist Cristiano Ronaldo. Redzepi bewundert seine Mentalität und seinen unermüdlichen Einsatz. Nach Toren zeigt sie ebenso wie ihr jüngerer Bruder Enis Redzepi den Ronaldo-Jubel.
Fußball als Familienangelegenheit
Enis spielt in der U19 und zweiten Mannschaft des VfB. Der ältere Bruder Hajrulla ist im Futsal aktiv, der Vater Trainer. Redzepi besitzt neben der deutschen auch die albanische Fußballzugehörigkeit und hat bereits ein A-Länderspiel für Albanien absolviert.
Auf dem Platz vertraut sie auf ihren Schuss, ihr Dribbling, entscheidende Pässe und Kreativität. Sie spiele frei, sagt sie, weil sie Fußball liebe. Beim VfB fühle sie sich rundum wohl, und der Bundesliga-Aufstieg sei ein erfüllter Traum. Nun muss sie wegen der Roten Karte erst einmal zuschauen — Zwangspausen kennt sie ja leider schon.
Weitere Sperren im deutschen Fußball
Redzepis Fall steht im DFB-Spielbetriebsalltag nicht allein. Ena Mahmutovic vom FC Bayern München wurde wegen unsportlichen Verhaltens für ein Meisterschaftsspiel der Frauen-Bundesliga gesperrt. Die Sperre gilt bis zu ihrem Ablauf ebenfalls für alle anderen Meisterschaftsspiele ihres Vereins. Mahmutovic war am 23. Oktober 2026 beim Spiel bei RB Leipzig in der 75. Minute von Schiedsrichterin Levke Scholz des Feldes verwiesen worden. Das Urteil ist rechtskräftig.
Deutlich länger muss Brooklyn Ezeh von Dynamo Dresden II in der NOFV-Oberliga Süd pausieren: vier Meisterschaftsspiele wegen einer Tätlichkeit gegen den Gegner nach einer zuvor an ihm begangenen sportwidrigen Handlung. Ezeh sah am 25. Oktober 2026 gegen die SG Union Sandersdorf in der 71. Minute von Schiedsrichter Jonas Marx Rot. Auch diese Sperre gilt bis zu ihrem Ablauf für alle anderen Meisterschaftsspiele seines Vereins; das Urteil ist rechtskräftig.
Georgios Antzoulas vom FC Ingolstadt erhielt wegen unsportlichen Verhaltens eine Sperre für ein Meisterschaftsspiel der 3. Liga. Er war am 24. Oktober 2026 gegen den MSV Duisburg in der 32. Minute von Schiedsrichter Lukas Benen des Feldes verwiesen worden. Die Sperre gilt ebenfalls für alle anderen Meisterschaftsspiele des Vereins, das Urteil ist rechtskräftig.
In der 2. Frauen-Bundesliga wurde Dominik Jordan, Co-Trainer der TSG Hoffenheim II, wegen unsportlichen Verhaltens mit einem Innenraumverbot für das nächste Meisterschaftsspiel belegt. Anlass waren unsportliche Äußerungen gegenüber dem Schiedsrichtergespann nach dem Spiel bei Borussia Mönchengladbach am 25. Oktober 2026. Das Verbot reicht von 30 Minuten vor Spielbeginn bis 30 Minuten nach Abpfiff. Jordan darf sich in dieser Zeit weder im Innenraum noch in Umkleidekabinen, im Spielertunnel oder im Kabinengang aufhalten; jeder unmittelbare oder mittelbare Kontakt zur Mannschaft ist untersagt. Das Urteil ist rechtskräftig.
Auch im Futsal gab es eine Sperre: Dmytro Sorokin vom VfL 05 Hohenstein-Ernstthal/HOT 05 Futsal muss wegen einer Tätlichkeit gegen den Gegner in einem leichteren Fall nach einer zuvor an ihm begangenen sportwidrigen Handlung zwei Meisterschaftsspiele aussetzen. Der Platzverweis erfolgte am 24. Oktober 2026 gegen den ESV 1927 Regensburg in der 23. Minute durch Schiedsrichter René Wolfger. Die Sperre gilt bis zu ihrem Ablauf für alle anderen Meisterschaftsspiele seines Vereins, das Urteil ist rechtskräftig.
